mini|hochkant=1.4|Typische Bebauung des Mühlberggebietes in der Paul-Eber-Straße 5 Das MühlberggebietStadt-Kitzingen: Planzeichnung Mühlberg, abgerufen am 5. Februar 2026. (auch Mühlbergviertel, nur Mühlberg) ist ein historischer Siedlungskern der Großen Kreisstadt Kitzingen in Unterfranken. Das Areal wurde im Zuge des Anschlusses der Stadt an das Eisenbahnnetz am Ausgang des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausgebaut.
Geografische Lage Das Mühlberggebiet erstreckt sich im Süden der Kitzinger Altstadt in einem Areal, das sich zwischen dem Altstadtring, dem sogenannten Hindenburgring Süd bzw. der Bundesstraße 8 im Norden, dem Main im Westen, und der Süd- bzw. Westtangente im Süden und Westen auf einer Fläche von etwa sechs Quadratkilometern erstreckt. Das Gebiet erhielt seinen Namen von der natürlichen Erhebung Mühlberg, die sich westlich eines historischen Mühlengebäudes am Main (Mainmühle) erstreckt.
Mehrere Hauptstraßen gliedern das Areal. Sie alle verlaufen radial auf den Bahnhof zu. Von Norden nach Süden sind dies die folgenden Straßen: Friedenstraße, Friedrich-Ebert-Straße (vormals Bahnhofstraße) und Amalienweg bzw. Kanzler-Stürtzel-Straße. Einige Bedeutung hat außerdem die am Main verlaufende Glauberstraße. Das Mühlberggebiet ist von der Wohnbebauung des 19. und 20. Jahrhunderts geprägt.
Geschichte Die Bemühungen um den Aufbau des Mühlberggebietes sind in Kitzingen eng mit der Amtszeit des Bürgermeisters Andreas Schmiedel verbunden. Dieser wurde im Jahr 1860 rechtskundiger Bürgermeister. Die Stadtverwaltung profitierte davon, dass Kitzingen bereits zuvor einen Zuschlag für einen Bahnanschluss erhalten hatte, der im Südwesten der Altstadt entstehen sollte. Als erste Baumaßnahme auf dem Areal des späteren Mühlberggebietes kann die am 18. Mai 1862 erfolgte Einweihung des Sommerturnplatzes für die örtliche Turngemeinde gesehen werden. Die Anlage entstand im Westen der Main- bzw. Dampfmühle.Christian Wolfsberger: Kitzingen. Kommunalpolitik und Modernisierung einer bayerischen Stadt 1818–1918 (= Mainfränkische Studien Bd. 72). Würzburg 2005. S. 159–161. mini|Ehemaliges Verwaltungsgebäude der Bonbonfabrik Wildhagen in der Kanzler-Stürtzel-Straße 2 Mit dem im Sommer 1863 erfolgten Abbruch des Faltertores war die Hoffnung auf wachsende Besucherzahlen in der Stadt verbunden. Im Jahr 1865, unmittelbar nach der Einweihung des neuen Bahnhofs an der Strecke Nürnberg-Würzburg, beschloss der Stadtrat den Bau eines neuen Stadtteils, der die Altstadt mit dem Bahnhofsgebäude verbinden sollte. Eine gezielte Umsetzung der Beschlüsse wurde aber erst im Jahr 1878 ins Auge gefasst. Unter Schmiedels Nachfolger Ferdinand Sertorius wurden die Pläne konkretisiert und eine Bauordnung für die Häuser an der späteren Wörth- und Bismarckstraße erlassen.Christian Wolfsberger: Kitzingen. Kommunalpolitik und Modernisierung einer bayerischen Stadt 1818–1918 (= Mainfränkische Studien Bd. 72). Würzburg 2005. S. 180.Doris Badel: Von der Pferdekutsche zum Dampfross. „Eine Lebensfrage für die Stadt Kitzingen“. In: Jahrbuch für den Landkreis Kitzingen 2016. Im Bannkreis des Schwanbergs. Verlag J. H. Röll, Dettelbach 2015, ISBN 978-3-89754-471-0. S. 61.
Es kristallisierte sich heraus, dass das geplante Mühlberggebiet zu einem Wohnviertel für die gehobene Bevölkerung werden sollte. Erste Häuser waren bis 1889 schon errichtet, darunter mehrere Wohnhäuser und ein Gaswerk. Nun setzte sich aber eine geplante Stadterweiterung durch. Der Anspruch des Magistrats, zeigte sich auch in der Anlage von Allee-ähnlichen Baumreihen entlang der Hauptverkehrsstraßen im Mühlberggebiet. Entlang der dem Main zugewandten Grundstücke wurde die Mainmühle um weitere Fabrikbauten wie die Dampfrosshaarspinnereien Immler und Abt erweitert.
Die gründerzeitliche Bebauung wurde während des Zweiten Weltkrieges teilweise zerstört oder beschädigt. In der Folge ergänzte man leerstehenden Grundstücke um Bauten der Nachkriegsmoderne. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen viele Bildungseinrichtungen von der Altstadt in das Mühlberggebiet um, so etwa 1961 die Staatliche Berufsschule. 1970 entstand mit der Fachoberschule eine weitere Bildungseinrichtung in dem Gebiet. Das Mühlberggebiet ist heute kein amtlicher Stadtteil von Kitzingen, sondern taucht lediglich als Teil der Kernstadt in Bebauungsplänen auf. Die Leiterin des Kitzinger Stadtarchivs, Doris Badel, spricht von einer historischen Vorstadt.Doris Badel: Von der Pferdekutsche zum Dampfross. „Eine Lebensfrage für die Stadt Kitzingen“. In: Jahrbuch für den Landkreis Kitzingen 2016. Im Bannkreis des Schwanbergs. Verlag J. H. Röll, Dettelbach 2015, ISBN 978-3-89754-471-0. S. 62.
Infrastruktur mini|Villa in der Friedrich-Ebert-Straße 4 Baudenkmäler Im Mühlberggebiet haben sich eine Vielzahl verschiedener Baudenkmäler erhalten. Dabei befinden sich in dem Gebiet besonders viele Ein- und Mehrfamilienhäuser, die der Gründerzeit zugerechnet werden können. Die höchste Dichte an Baudenkmälern ist entlang der Schmiedelstraße und der Paul-Eber-Straße zu finden. Daneben spielt das Areal um den Bahnhof Kitzingen mit seinen Lagerhäusern und er Postniederlassung eine große Rolle. Insbesondere in Mainnähe befinden sich außerdem mehrere Villen, darunter die Villa Wildhagen. → siehe auch: Villa Wildhagen
Das älteste Baudenkmal im Mühlberggebiet stellt der sogenannte Alte Friedhof der Stadt Kitzingen dar, der sich ganz im Nordwesten des Areals erhalten hat. Er wurde 1542 im Zuge der Reformation angelegt und erfuhr in der Folge mehrere Erweiterungen, zuletzt im Jahr 1889. Besondere Bedeutung für die Einstufung als Baudenkmal haben die künstlerisch wertvollen Grabmäler und der Torbau von 1593.
Der einzige Überrest der ehemaligen Mainmühle ist heute in der Kanzler-Stürtzel-Straße 1 zu finden. Es handelt sich um einen Inschriftenstein, der an einer ehemaligen zur Mühle gehörigen Scheune angebracht war und aus dem Jahr 1522 stammt.
Rosengarten Die Bahnhofstraße mit ihrer Kastanienbaumallee endete ab 1871 in einem kleinen Park, der im englischen Stil geschaffen wurde. Heute wird dieses Areal zwischen Bundesstraße 8, Luitpoldbau und Altem Friedhof Rosengarten genannt. Hier entstand ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges. Im Jahr 1911 richtete man auf dem Gelände einen Tanz- und Musikpavillon ein, der im Volksmund den Namen Hadla-Tempel erhielt. Die heutige, kleinere Fläche des Rosengartens entstand nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Bau der Bundesstraße.Harald Knobling: Kitzinger Stadtgrün. gestern–heute–morgen (= Schriften des Stadtarchivs Kitzingen Bd. 11). Kitzingen 2023, ISBN 978-3-924694-40-1. S. 18–22.
Öffentliche Einrichtungen Das Mühlberggebiet ist für die Stadt Kitzingen und ihr Umland wegen der hier ansässigen Schulen von großer Bedeutung. Hier ist die Staatliche Realschule Kitzingen angesiedelt, ebenso das Armin-Knab-Gymnasium und die Staatliche Fachoberschule, die Staatliche Berufliche Oberschule und die Berufsschule Kitzingen-Ochsenfurt. Mit dem Bahnhof Kitzingen, dem Amtsgericht Kitzingen, dem Finanzamt Kitzingen, der Stadtbibliothek im Luitpoldbau und dem Gebäude der Verwaltungsgemeinschaft Kitzingen sind weitere bedeutende Einrichtungen in dem Areal zu finden.
Literatur Doris Badel: Von der Pferdekutsche zum Dampfross. „Eine Lebensfrage für die Stadt Kitzingen“. In: Jahrbuch für den Landkreis Kitzingen 2016. Im Bannkreis des Schwanbergs. Verlag J. H. Röll, Dettelbach 2015, ISBN 978-3-89754-471-0. S. 33–66. Harald Knobling: Der Bahnhof zu Kitzingen. In: Jahrbuch für den Landkreis Kitzingen 2022. Im Bannkreis des Schwanbergs. Verlag J. H. Röll, Dettelbach 2021, ISBN 978-3-89754-593-9. S. 171–188. Christian Wolfsberger: Kitzingen. Kommunalpolitik und Modernisierung einer bayerischen Stadt 1818–1918 (= Mainfränkische Studien Bd. 72). Würzburg 2005.
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Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Kitzingen) Kategorie:Bauensemble in Bayern Kategorie:Bauensemble in Europa