Denise Albe-Fessard (* 31. Mai 1916 in Paris als Denise Gabrielle Henriette Marie Albe; † 7. Mai 2003 in La Verrière) war eine französische Neurophysiologin. Sie wurde für ihre Grundlagenforschung zu den Schmerzbahnen im Zentralnervensystem bekannt.

Leben Denise Albe war die Tochter eines Eisenbahningenieurs der Compagnie des chemins de fer du Midi. Ihre Mutter stammte aus einfachen Verhältnissen.

Nach dem Gymnasium in Paris besuchte sie die Ingenieursschule École de physique et chimie de Paris (ESPCI Paris), die sie 1937 abschloss. Anschließend trat sie in das Unternehmen Rhône-Poulenc ein, doch die Arbeit als Chemikerin gefiel ihr nicht und sie beschloss nach nur einem Monat, sich beruflich neu zu orientieren. Sie wurde als technische Assistentin in einem Labor für Pflanzenphysiologie des CNRS unter der Leitung von Daniel Auger eingestellt, wo sie die Aufgabe hatte, die Ausbreitung langsamer Potenziale auf der Alge Nitella mit Hilfe von Galvanometern aufzuzeichnen.

Karriere in der Forschung Nachdem sie einer öffentlichen Vorführung der Elektroenzephalografie beigewohnt hatte, die vom Neurophysiologen Alfred Fessard im Palais de la découverte organisiert worden war, beschloss sie, sich der neurowissenschaftlichen Forschung zu widmen.

Nach dem Waffenstillstand 1940 gründete der demobilisierte Alfred Fessard sein eigenes Forschungslabor am Institut Marey, wo Denise Albe eine Stelle als Assistentin erhielt, während sie gleichzeitig ihr Studium der Physiologie fortsetzte. Nach dem Zweiten Weltkrieg forschte sie über die elektrische Aktivität bestimmter Fische und promovierte 1950 an der Universität Paris. Ihr Dissertation trug den Titel Recherches électrophysiologiques sur la décharge du gymnote, de la torpille, de la Raie. Etude des facteurs centraux et périphériques de son organisation. In den 1950er Jahren führte sie die ersten intrazellulären Aufzeichnungen des Gehirns eines Säugetiers durch, wobei sie Mikroelektroden verwendete, die in die Großhirnrinde einer Katze eingeführt wurden. Anschließend leitete sie ihre eigene Forschungsgruppe des CNRS am Institut Marey und nach dem Umzug der Gruppen in den 1970er Jahren in Gif-sur-Yvette.

Denise Albe-Fessard war Vorsitzende des wissenschaftlichen Komitees des ersten internationalen Kongresses zum Thema Schmerz 1975 in Florenz. Von 1978 bis 1984 war sie Mitglied verschiedener anderer Komitees. Insbesondere war sie von 1975 bis 1978 die erste Vorsitzende der International Association for the Study of Pain (Internationale Vereinigung zur Erforschung des Schmerzes).

Anfang der 1980er Jahre ging Denise Albe-Fessard beim CNRS in den Ruhestand und verließ 1985 ihr Labor, blieb aber weiterhin aktiv in der wissenschaftlichen Forschung tätig. Zunächst stellte sie ein Team am Institut national de la recherche agronomique (INRA) zusammen und wechselte anschließend zum Krankenhaus von Villejuif.

Privatleben Denise Albe und der Neurophysiologe Alfred Fessard (1900–1982) heirateten 1942. Sie hatten einen Sohn.

Preise und Auszeichnungen

1973: Ritter der Ehrenlegion 1978: Offizier des Ordre national du Mérite 2026: unter den 72 Namen von Wissenschaftlerinnen für den Eiffelturm.

Bibliografie

L. Barraquer-Bordas: In memoriam. Denise Albe Fessard (1916–2003). In: Revista De Neurologia. Band 37, Nr. 9, 1. November 2003, ISSN 0210-0010, S. 898–900, PMID 14606060. Karen J Berkley: Madame Albe‐Fessard: a meaningful legacy. In: European Journal of Pain. Band 8, Nr. 2, April 2004, ISSN 1090-3801, S. 95–97, doi:10.1016/j.ejpain.2003.11.008. Richard Rokyta: In memoriam of Professor Denise Albe‐Fessard. In: European Journal of Pain. Band 8, Nr. 2, April 2004, ISSN 1090-3801, S. 107–108, doi:10.1016/j.ejpain.2003.11.013. Denise Albe-Fessard, Robert Naquet, Pierre Buser: L’institut Marey, les dessous de l’histoire. In: La Revue pour l’histoire du CNRS. Nr. 19, 31. Dezember 2007, ISSN 1298-9800, doi:10.4000/histoire-cnrs.4893.

Einzelnachweise

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