mini|Historische Ansicht Oettingens (Eckarthisches Tagebuch) mini|Römerkastell Munningen. Die Geschichte Oettingens reicht von vorgeschichtlichen Siedlungsspuren über römische und alamannische Besiedlung bis in die frühmittelalterliche Zeit zurück. Bereits im 8. Jahrhundert wird der Ort in einer Königsurkunde Pippins des Jüngeren als herrschaftlich organisierte „villa“ im Riesgau erwähnt, was auf seine frühe Bedeutung als königliches Wirtschafts- und Verwaltungszentrum hinweist. Im Hochmittelalter entwickelte sich Oettingen zum Mittelpunkt der Grafschaft Oettingen und stand zeitweise im Einflussbereich der staufischen Hausmachtpolitik. Über Jahrhunderte prägten der Deutsche Orden, die Residenzfunktion der Grafen und Fürsten von Oettingen sowie eine außergewöhnliche konfessionelle Doppelstruktur das Stadtbild und die Entwicklung des Ortes. Mit dem Übergang an das Königreich Bayern im Jahr 1806 endete die reichsunmittelbare Herrschaft der Oettinger Linie.

Überlieferte Schreibweisen Oettingens Juni 750/60 Otingen,Edmund Ernst Hermann Stengel: Urkundenbuch des Klosters Fulda, Urkunde Nr. 36, S. 59 Otinga, 822–842 Otingen, Ottingen, 893 Ottingam, 1031 Ottingen, 1037 in Comitatum Öttingensi descriptum, um 1050 Adingam, 1060 Ottingun, 1057–1075 Otingun, 1138–1141 Oetingin, um 1141 Otingin, 1141 Otingen, 1142 Otingin, 1142 Ötingin, 1180 Ottin(h)en, Ottingen, Oetingin, Oetingen, 1191 Oettingen, 1203 Oettingen, 1274 Oettingen.Manfred Niemeyer: Deutsches Ortsnamenbuch. 2012, ISBN 978-3-11-018908-7, S. 472.

Frühgeschichte (bis 10. Jahrhundert n. Chr.) mini|Herzogtum Alamannien um das Jahr 1000 - Der Riesgau oben rechts Die Gegend um Oettingen war bereits um 5000 v. Chr. besiedelt, wie jungsteinzeitliche Funde im Bereich der heutigen Grund- und Hauptschule westlich der mittelalterlichen Altstadt belegen.Bodendenkmal D-7-7029-0067 Archäologen entdeckten zudem Reste von Siedlungen aus der Bronzezeit und dem NeolithikumBodendenkmal D-7-7029-0051 sowie Spuren aus der Latènezeit.Bodendenkmal D-7-7029-0051 Eine römische Villa Rustica befand sich im westlichen Ortsteil Kellerfeld.Bodendenkmal: D-7-7029-0058

Die heutige Bahnhof-, Königs-, Schloss- und Mühlstraße folgt dem Verlauf einer römischen Straße aus der Zeit des Kaiserreichs.Bodendenkmal D-7-7029-0076 Römische Siedlungsspuren finden sich im Bereich Augraben – Joseph-Haas-Straße und Am SteinerbachBodendenkmal D-7-7029-0520 sowie im Oettinger Industriegebiet.Bodendenkmal D-7-7029-0549 und D-7-7029-0051 Zwischen dem heutigen Industriegebiet und der Ortschaft Munningen lag an einer römischen Straßenkreuzung das Römerkastell Munningen.Bodendenkmal D-7-7029-0407 In West-Oettingen

Im 3. Jahrhundert begannen die Alamannen mit Raubzügen gegen das Römische Reich und drängten die Römer schließlich über die Alpen zurück. In der Folgezeit besiedelten sie das Riesgebiet. Die Endung vieler Ortsnamen auf -ingen weist auf alamannische Siedlungen und Namensgebungen hin. Gründer und Namensgeber von Oettingen war möglicherweise ein alamannischer Stammesführer namens Oti, Oto oder ähnlich lautender Name. Der Namenszusatz bezeichnete dabei die Zugehörigkeit zur Siedlung des Anführers – Oto-ingen bedeutete also „zu Oto gehörig“.Andrea Weber, Wolfgang Janka: Geschichte Bayerns Historische Ortsnamen – Regierungsbezirk Schwaben

Ein frühmittelalterliches Gräberfeld auf der Gemarkung Oettingens, das auf das 6. Jahrhundert datiert wird, belegt die alamannische Besiedlung. Nach 497, als die Alamannen den Franken in der Schlacht von Zülpich unterlagen, geriet das gesamte alamannische Siedlungsgebiet unter fränkische Oberherrschaft, verblieb zunächst aber noch autonom.

Die früheste Überlieferung, in der Oettingen genannt wird, findet sich im hochmittelalterlichen Kartular des Klosters Fulda, dem sogenannten Codex Eberhardi (12. Jahrhundert). Dort ist eine König Pippin dem Jüngeren zugeschriebene Schenkung an das Kloster Fulda überliefert, in der der Ort unter den Schreibweisen „Otingen“ bzw. „Otinga“ erscheint und im Riesgau nahe dem Fluss Egira (Eger) verortet wird.Codex Eberhardi, Urk. Nr. 165 Digitalisat

Da diese Schenkung ausschließlich in der spät überlieferten Abschrift des Codex Eberhardi bekannt ist und kein entsprechendes karolingisches Originaldiplom erhalten ist, bewertet die Forschung die Nennung Oettingens nicht als gesicherte urkundliche Erwähnung des 8. Jahrhunderts. Vielmehr wird sie als Teil der hochmittelalterlichen Besitz- und Rechtsüberlieferung des Klosters Fulda verstanden, die der nachträglichen Begründung von Herrschaftsansprüchen diente.Edmund E. Stengel, Fuldensia / Über die karolingischen Cartulare Fuldas

Während die dem König Pippin dem Jüngeren zugeschriebene Nennung Oettingens nur in hochmittelalterlicher Überlieferung vorliegt, gilt der Ortsname Otinga/Otingen in der historischen Ortsnamenforschung als spätestens im 9. Jahrhundert belegt. Diese Datierung beruht auf der Einordnung früher Namensformen in karolingische Überlieferungszusammenhänge; eine konkret benennbare Einzelurkunde aus dem 9. Jahrhundert ist nicht erhalten.

Die Hinrichtung des Herzogs Erchanger mini|Hinrichtung des Herzogs Erchanger und seines Bruders BerchtholdZimmermann, Wilhelm: Illustrirte Geschichte des deutschen Volkes, Volume 2. Stuttgart, Verlag von Gustav Weise, 1875 (2nd edition). in Oettingen? Die Hinrichtung des schwäbischen Herzogs Erchanger und seines Bruders Berchthold am 21. Januar 917 war das Ergebnis eines langwierigen politischen und kirchlichen Machtkonflikts im Herzogtum Schwaben. Die Brüder standen zunächst in enger Beziehung zum ostfränkischen Königtum, gerieten jedoch zunehmend in Gegensatz zu König Konrad I. sowie zu Bischof Salomo III. von Konstanz, der als wichtigster Vertreter königlicher Interessen in Schwaben agierte. Der Konflikt eskalierte, nachdem Erchanger den Bischof zeitweise gefangen genommen hatte und sich in der Folge offen gegen die königliche Autorität stellte.

Auf der Synode von Hohenaltheim im September 916 wurden Erchanger und Berchthold wegen ihrer Vergehen gegen König und Kirche in die Reichsacht gesetzt und zu lebenslanger Klosterhaft verurteilt. Beim Versuch, sich im darauffolgenden Jahr erneut mit König Konrad I. zu versöhnen, wurden beide Brüder auf königlichen Befehl hingerichtet.

Die zeitgenössischen und frühmittelalterlichen Quellen nennen als Ort der Hinrichtung einen Platz, der in unterschiedlichen Überlieferungen als „Udingen“Galletti, Johann Georg August: Geschichte von Deutschland. Bd. 1, S. 248–249. oder „Adingam“Hermann von Reichenau Chronik erscheint. Die genaue Lokalisierung dieses Ortsnamens ist in der Forschung umstritten. Während Johann Jakob Heinrich Strelin im späten 18. Jahrhundert den Hinrichtungsort mit Oettingen im Ries identifizierte und dabei unter anderem auf die räumliche Nähe zum Tagungsort der Synode von Hohenaltheim verwiesJohann J Strelin: Genealogische Geschichte der Herren Grafen von Oettingen. Augsburg 1833, S. 12 ff., wird der Ort in der Forschung auch mit Ötlingen (Kirchheim unter Teck) oder Aldingen in Südwestdeutschland beziehungswerise Aldingen (Remseck) in Verbindung gebracht; eine eindeutige Zuordnung ist jedoch nicht möglich.

Die Grafschaft Oettingen mini|Die um 1270 erbaute ehemalige Schlosskirche- heute Gruftkapelle Als Ausgangspunkt des Oettinger Grafentums ist wohl die Verfügung über einen ausgedehnten Forst zu sehen, den König Heinrich III. (regierte 1039–1056, seit 1046 Kaiser) im Jahr 1053 dem Bischof von Eichstätt übertrug.Urkunde vom 17. Mai 1053 – Regesten der Bischöfe von Eichstätt, 1, S. 13 und F. J. Schmale, Störmer: Franken im Ottonischen und Salischen Reich, S. 161. Dieser Bannforst umfasste nicht nur den heutigen „Oettinger Forst“, sondern erstreckte sich beiderseits der Wörnitz nach Norden und Osten bis zum Hesselberg und Hahnenkamm und schloss damit auch bereits altbesiedelte Gebiete ein. Die Entstehung der Grafschaft Oettingen kann somit als Teil königlicher Organisationspolitik verstanden werden, die auf dem Besitz der Reichskirche aufbaute und darauf abzielte, zwischen dem staufischen Machtzentrum um Büren/Hohenstaufen und dem Nürnberger Reichsland ein kleineres, eigenständiges Herrschaftsgebiet zu schaffen. Urkundlich tritt dieser Verwaltungsbezirk um 1140 in Erscheinung und bildet damit den frühesten Nachweis der sich entwickelnden Oettinger Herrschaft.Dieter Kudorfer: Historisches Lexikon - Oettingen, Grafschaft/Fürstentum

Bereits im Hochmittelalter, vom späten 12. bis ins frühe 13. Jahrhundert, spielte Oettingen im Rahmen der staufischen Hausmachtpolitik eine bedeutende Rolle. Das Ries war als fruchtbarer und strategisch wichtiger Landschaftsraum von hoher Bedeutung, da es als Bindeglied zwischen den süddeutschen Reichsgebieten und den schwäbischen Stammlanden der Staufer diente. Maßgeblich für diese Entwicklung waren Friedrich, Herzog von Schwaben, und seine Söhne Friedrich II., genannt der Einäugige, sowie Konrad I., der spätere deutsche König. Aus der Linie von Friedrich II. dem Einäugigen entstammte sein Sohn Friedrich III., besser bekannt als Barbarossa. Unter ihrem Einfluss entwickelte sich Oettingen zu einem kleineren, aber bedeutenden Zentrum administrativer und militärischer Kontrolle, das die staufischen Interessen in der Region sicherte.

mini|Verbliebener Mauerrest der Deutschordenskommende mini|Schloßstrasse – rechts (Westen) der einst katholische Teil mit Fachwerkhäusern links (Osten) der einst protestantische Teil mit barocken Fassaden Von 1242 bis 1805 bestand in Oettingen ein Kloster des Deutschen Ritterordens. Die Gründung geht vermutlich auf eine Stiftung des Ludwig von Oettingen zurück, der selbst Mitglied des Ordens war und sich bis zur Stellung des stellvertretenden Hochmeisters (1236) erhoben hatte.Andreas Kraus: Geschichte Schwabens bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts, S. 342. Im Jahr 1294 erlaubte Ludwig VII. von Oettingen, verheiratet mit Maria, der Burggräfin von Nürnberg, den Bau einer Deutschordenskommende östlich der Burg Oettingen und der Stadtmauer, unter der Bedingung, dass der Durchgang frei blieb. Den Ordensmitgliedern war es gestattet, Teile der Stadtmauer in ihre Gebäude zu integrieren.Johann J. Strelin: Genealogische Geschichte der Herren Grafen von Oettingen. Augsburg 1833, S. 7. Mit dem genannten „Durchgang“ ist vermutlich eine etwa 2,5 Meter breite Gasse gemeint, die entlang der Stadtmauer und des östlichen Gebäudes der Kommende zum Mittleren Tor führte. Geringfügige Reste dieser Gasse und dieses Ordensgebäudes haben sich bis heute erhalten. Das Mittlere Tor befand sich damals noch auf Höhe der Stadtmauer; Überreste dieses „alten Tors“ sind in den Gebäuden Zwinger 2 und Zwinger 7 erkennbar.

Bereits 1270 hatte Ludwig südlich seiner Burg die Schlosskirche errichten lassen. Obwohl sie Ende des 18. Jahrhunderts teilweise abgebrochen wurde, besteht sie als Oettingische Gruftkapelle bis heute und zählt zu den ältesten erhaltenen Gebäuden der Stadt. Die angrenzenden Ordensgebäude blieben bis 1945 bestehen: Das Torhaus erhielt während der Operation Clarion der Alliierten einen Volltreffer, die übrigen Bauten wurden in den Nachkriegsjahren abgetragen. Geringe Mauerreste der Kommende sowie Teile der Stadtmauer sind bis heute sichtbar.