Eva Gaehtgens (geboren 4. November 1872 in der Gemeinde Stameriena, Gouvernement Livland, heute Lettland, nach den Unterlagen des Friedhofs soll der Geburtsort jedoch Riga gewesen sein; gestorben 31. Januar 1951 in Hamburg) war eine deutsche Schriftstellerin und Verfasserin von Kinderbüchern.
Leben Eva Gaehtgens wurde in Lettland geboren. Ihr Vater war der Gutsbesitzer Johann Friedrich Gaehtgens, der zudem Staatsrat und Kreischef von Wenden war, ihre Mutter Caroline war eine geborene Schilling und sie hatte sieben Geschwister. Sie soll in der Nähe des legendären Schlosses Stomersee im damaligen Livland bzw. Kurland aufgewachsen sein. Nach einer anderen Quelle jedoch soll sie auf den Gütern Stomersee, Mahlenhof und Lubey aufgewachsen sein. Über ihren Vater war sie mit dem Dramatiker und Erzähler Hermann Gaehtgens, der seit 1897 Behördenangestellter in Hamburg sowie seit etwa 1909 Oberlehrer der Realschule in Altona und Feuilletonredakteur des Altonaer Tageblatts war, verwandt. Hermann Gaehtgens war ihr Cousin. Sie lebte zwischen 1906 und 1914 im deutschsprachigen Livland, welches bis 1919 zu Südrussland gehörte.
Ihre Kindheit beschrieb sie in ihren Erzählungen „Alt Livland. Heitere Bilder aus dem Baltikum“, „Großmutters Landgut“ und „Winterleben“, die in der Verlagsdruckerei „Agentur des Rauhen Hauses“ erschienen. Ihre autobiografischen Erinnerungen, in denen sie z. B. auch volkskundliche Skizzen von Festen im Jahreslauf beschreibt, beziehen sich auf die Zeit etwa zwischen 1885 und dem Ende des 19. Jahrhunderts. Sie erschienen in einer Reihe von Publikationen, die der Verlag im Rahmen der „Inneren Mission“ als pädagogische Literatur vertrieb. Sie beschrieb in „Livland“ das Schloss Stomersee:
Am 9. Februar 1906 heiratete sie in Wenden Julius Alexander Wilhelm Bertels. Sie zog zu ihm nach Rostow am Don und begleitete ihn auf Reisen durch das damalige Südrussland und Persien. Das Paar soll sechs Kinder gehabt haben. Vor dem Beginn des Ersten Weltkriegs lebte Eva Gaehtgens erneut in Wenden, während des Kriegs zog sie zu ihrem Schwager, einem Pastor, nach Hamburg. Kurz war sie zwischen 1918 und 1919 erneut in Wenden. Ihr Mann wurde am 22. November 1918 auf dem Gut seines Vetters Jentsch von den Bolschewiki ermordet und 1919 zog sie endgültig nach Hamburg. Dort verarbeitete sie ihre Revolutionserlebnisse in der Schrift „Unter dem roten Grauen“. Das Buch erschien 1925. In Hamburg wurde Eva Gaehtgens zweimal ausgebombt und lebte zeitweise in Posen.
Vermutlich basieren auch die weiteren Werke von Eva Gaehtgens auf autobiografischen Quellen. Ihre Bücher wurden teils mit Kupferstichen von Elisabeth Voigt illustriert. In ihren Werken, sie schrieb Kinderbücher, ließ sie ihre Lebenserinnerungen gemeinsam mit ihren volkskundlichen Interessen über Feste und Bräuche bis zum Ersten Weltkrieg einfließen. Dies machte sie später mit ihrer Hamburg-Literatur genau so. Sie sparte dabei auch den Zweiten Weltkrieg nicht aus und arbeitete ihn „kindgerecht“ und tröstlich als soziales Ereignis auf, das den Vater von zu Hause wegnimmt bzw. verändert zurückkehren lässt.
Ihre Hamburger Familie verbringt in „Tante Adas Pflegekinder“ die Sommerferien auf die Insel Föhr, Nähe Nieblum, auf der Hallig Langeness oder bricht zur Sommerfrische ins Ostseebad Timmendorf auf. Dabei wechseln die Orte, an denen die Handlung spielt, zwischen den Gütern der Verwandten in Livland, Hamburgs vornehmen Villenadressen in Eppendorf oder Harvestehude und es gibt Ausflüge nach Schleswig-Holstein oder an die Ost- und Nordsee. Ihre jungen Leser lernen dabei in „Kleine Hamburger daheim“ oder in dem 1946 erschienenen Buch „Sind der Kinder dreie“ ihre Heimatstadt Hamburg kennen. Spielorte sind dabei das Pastorat an der Ernst-Merck-Straße, die Alster auf der eine Bootstour stattfindet, der Gänsemarkt und der Jungfernstieg. Auch fahren sie mit der Straßenbahn nach Stellingen in den Tierpark Hagenbeck. Auf dem Friedhof Ohlsdorf halten sie andächtig ein Picknick und unternehmen einen Ausflug zum Anwesen der von Bismarcks nach Friedrichsruh. Stets sind Eltern und Erwachsene einfühlsam, verständnisvoll und nachsichtig, belehrend.
In ihren Romanen „Hansel und Heino“ oder „Dita Frohmut“ arbeitete Eva Gaehtgens das Kriegserleben ein. Allgemein weisen die Verlage Agentur des Rauhen Hauses und Ernte-Verlag darauf hin, dass diese Schriften religionspädagogische Kinder- und Jugendschriften waren. Die Bücher erschienen in hohen Auflagen von 10.000 Stück. Kinder sollten in Erzählungen zu Fairness, Mut, Sparsamkeit und Frömmigkeit angehalten werden.
Eva Gaehtgens starb am 31. Januar 1951 in Hamburg. Ihr historischer Grabstein befindet sich auf dem Friedhof Ohlsdorf im Garten der Frauen.
Werke Verlagsdruckerei „Agentur des Rauhen Hauses“ Auf Großmutters Landgut (1919) Winterleben auf Großmutters Landgut (1911, 4. Aufl. 1913) Tante Adas Pflegekinder (1913) Kleine Hamburger daheim (1916; Nachdruck 8.–10. Tsd. im Ernte Verlag, Hamburg 1923) Dita Frohmut und ihre Geschwister. Was sie im Krieg erlebten. (1917) Alt-Livland, Heitere Bilder aus dem Baltikum (1918) (zitiert als „Livland“) Die goldene Hochzeit. Ihre kleinen Freuden (1919) Sonnenland, Lichtbilder aus einem alten Hause (1920) Tommy-Foxterrier erzählt seine Lebensgeschichte (1921, 1923 Ernte-Verlag) Evamarie (?1922) Tante Lina (1924)
Veröffentlichungen in anderen Verlagen Unter dem roten Grauen, Erlebtes aus Livlands dunklen Tagen (Verlagsbuchhandlung Hellmuth Wollermann, Reihe „Das Echo“, Braunschweig/Leipzig 1925, Anm. 2); Sind der Kinder dreie (mit schönen kolorierten Abbildung, Eckardt + Messtorf Verlag, Hamburg 1946) Hansel und Heino (Eckardt + Messtorf Verlag, Hamburg 1948)
Einzelnachweise
Weblinks Eva Gaehtgens in Baltisches Biografisches Lexikon digital Eva Gaehtgens in Garten der Frauen Eva Gaehtgens auf De Gruyter
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