mini|300px|Kirche von Osten
Die Kirche Maria Himmelskron ist die römisch-katholische Kirche des Wormser Stadtteils Worms-Horchheim, die älteste erhaltene gotische Kirche in WormsFelix Zillien: Älteste erhaltene gotische Kirche der Nibelungenstadt. In: Glaube und Leben. Kirchenzeitung für das Bistum Mainz, Nr. 23 vom 6. Juni 1993. und die einzig erhaltene Dominikanerkirche im weiteren Umkreis der Stadt.Spille, S. 222. Ihr Patrozinium ist das Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel (15. August).Molter, S. 20.
Geografische Lage mini|Mittelalterliches Wandgemälde: Stifterpaar und Jesus mini|Blick durch das Kirchenschiff nach Osten mini|Hochaltar mini|Deckengemälde von Fritz Muth
Die Kirche lag ursprünglich am westlichen Ortsrand von Hochheim. Durch das Wachstum der Gemeinde liegt sie heute im Ortskern, postalisch: Pfr.-Johannes-W.-Weil Straße 3.
Geschichte Kloster Die Kirche ist der baulich letzte erhaltene Bestand des ehemaligen Dominikanerinnenklosters Maria Himmelskron, das in Folge der Reformation unterging. Das Kloster wurde 1278 gegründet.
Der Grundstein zur Kirche wurde am 8. Juni 1287 gelegt. Am 2. April 1293 war das Gebäude zumindest so weit fertiggestellt, dass der Hochaltar geweiht werden konnte.Böcher: Die Kirchen, S. 14; Spille, S. 220.
Im Städtekrieg 1387–1389 wurden Gebäude des Klosters 1388 beschädigt.Spille, S. 222. Der Wiederaufbau erstreckte sich über mehrere Jahrzehnte. Die erhaltenen gotischen Portal- und Fenstergewände entstammten aber vermutlich noch der ersten Bauphase des 13. Jahrhunderts.Böcher: Maria Himmelskron, S. 9; anders noch einige Jahre zuvor (Böcher: Die Kirchen, S. 15). Sie wurden bei der Renovierung 1905/06 teilweise ausgetauscht. Böcher: Die Kirchen, S. 15.
Während des Bauernkriegs wurden Kloster und Kirche geplündert. Böcher: Die Kirchen, S. 16.
Gemeindekirche Hochheim gehörte seit Mitte des 16. Jahrhunderts zur Kurpfalz und war so deren mehrfachen konfessionellen Wechseln unterworfen.Böcher: Die Kirchen, S. 4. Die Kirche wurde 1556 lutherisch, 1563 reformiert, 1577 erneut lutherisch und 1583 erneut reformiert. Bis 1609 diente die Kirche der reformierten Ortsgemeinde als Winterkirche, was aufgegeben wurde, als diese die Bergkirche umgebaut hatte.Spille, S. 222; Böcher: Die Kirchen, S. 16. Durch die pfälzische Kirchenteilung 1706 wurde die Kirche erneut römisch-katholisch.Böcher: Die Kirchen, S. 6. Bei den anschließenden Renovierungsarbeiten wurde unter anderem der mittelalterliche Kreuzgang abgetragen, um preiswertes Baumaterial zu gewinnen.Böcher: Die Kirchen, S. 16. In den nächsten zwei Jahrhunderten nahmen die Seelsorge zunächst Wormser Karmeliter wahr, ab 1751 dann der Pfeddersheimer, ab 1816 der Herrnsheimer Pfarrer. Das enorme Bevölkerungswachstum durch die Industrialisierung erstreckte sich auch auf Worms-Hochheim, das 1898 in die Stadt Worms eingemeindet worden war. Zum 1. Mai 1904 wurde deshalb die Pfarrei „Maria Himmelskron“ neu errichtet, die ehemalige Klosterkirche so zur Pfarrkirche.Kirchliches Amtsblatt für die Diözese Mainz, 46. Jahrgang (1904), S. 1. Dies hatte auch eine Renovierung und Umgestaltung der Kirche zur Folge und die Kirche erhielt erstmals einen Kirchturm. Das erneuerte Kirchengebäude wurde am 10. November 1907 geweiht.Böcher: Maria Himmelskron, S. 7.
Aufgrund der schwindenden Mitgliederzahlen und der daraus resultierenden Umstrukturierungen im Bistum Mainz schlossen sich zum 1. Januar 2026 die römisch-katholischen Kirchengemeinden in Worms und Umgebung zur neuen Großpfarrei St. Nikolaus Worms-Wonnegau zusammen. Maria Himmelskron gehört innerhalb dieser Großpfarrei zum Gemeindebezirk „Stadt“.Molter, S. 19. Die Kirche Maria Himmelskron hat kirchenrechtlich den Status einer Filialkirche.
Gebäude Außen An der Südostecke des Gebäudes ist ein einzelner, großer Strebepfeiler vorgesetzt, der wohl schon bauzeitlich wegen des feuchten und weichen Baugrundes erforderlich war. Das Kloster und seine Kirche wurden auf dem Gelände einer ehemaligen Wasserburg des Stifterpaares errichtet.Böcher: Maria Himmelskron, S. 9.
Der Dachreiter sitzt mittig auf dem Kirchengebäude und stammt vom Anfang des 18. Jahrhunderts, als die Kirche wieder römisch-katholisch genutzt und dafür renoviert wurde. Erst 1905/06 wurde der Kirchturm in barockisierenden Formen im Südosten an die Langseite angefügt.Böcher: Maria Himmelskron, S. 7.
Innen Die Kirche ist im Innern ein langgestreckter Saal aus der Gotik. Er war – auch im Chorbereich – niemals eingewölbt. Der Kirchenraum hat 2×4 Fensterachsen. Der größere Abstand zwischen den zwei Vierergruppen der Fenster bezeichnet die Stelle, an der zur Zeit des Klosters eine Chorschranke den östlichen, öffentlich zugänglichen Teil der Kirche von dem westlichen Teil mit der Nonnenempore trennte. Unter der Empore befand sich deren Grablege. Die Fensterbänke im Süden liegen höher, weil an dieser Seite ursprünglich der Kreuzgang vorgebaut war. An der Nordwand haben sich Reste von Malerei aus der Zeit um 1300 erhalten.Böcher: Maria Himmelskron, S. 8f.
Der Chor weist einen Fünfachtelschluss auf.
Die flache Decke schmücken barockisierende Gemälde des Malers Fritz Muth von 1907 und geometrischer Stuck aus der gleichen Zeit.
1951 kam es zu einem Umbau am Westende des Gebäudes: Eine Eingangshalle wurde angefügt und die Westempore umgebaut. Die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Grabsteine waren im Zuge der Renovierung 1905/06 aus dem Boden gehoben und zunächst an den Wänden aufgestellt worden.Böcher: Die Kirchen, S. 20. Folgender Schwammbefall in den Wänden wurde auf diese Maßnahme zurückgeführt und sie wurden beim Umbau 1951 entfernt. In der damals neu errichteten Vorhalle stehen seit dieser Zeit auch die Steine des Stifters Dirolf und seiner Schwester Adelheid, der ersten Priorin des Klosters. Weiter wurden bei den Arbeiten 1951 auch einige Gräber freigelegt, ohne dass das allerdings bodendenkmalpflegerisch dokumenmtiert wurde.Schalk, S. 240. Weitere Restaurierungen fanden 1973/74Böcher: Die Kirchen, S. 20f. und 1996–2001 statt.Böcher: Maria Himmelskron, S. 8.
Die Kirche ist ein Kulturdenkmal aufgrund des Denkmalschutzgesetzes des Landes Rheinland-Pfalz.Spille, S. 222.
Ausstattung Der Löwentaufstein stand ursprünglich in der Bergkirche und wurde wohl schon am Anfang des 18. Jahrhunderts in Maria Himmelskron aufgestellt, als die Kirche wieder römisch-katholisch genutzt wurde.Böcher: Maria Himmelskron, S. 12f. Die übrige Neuausstattung der Kirche zog sich dann das ganze 18. Jahrhundert hin. 1712 wurde der Hochaltar geweiht,Böcher: Maria Himmelskron, S. 14f. 1742 erweitert und 1741 eine erste Orgel beschafft.Böcher: Maria Himmelskron, S. 17. Die sieben Buntglasfenster im Chor und dem östlichen Kirchenteil zeigen Szenen aus dem Leben Mariens und stammen aus der Renovierung der Kirche 1906.Böcher: Maria Himmelskron, S. 20. Der Volksaltar stammt von dem in Worms-Hochheim ansässigen Bildhauer Gustav Nonnenmacher.Böcher: Maria Himmelskron, S. 8.
Bestattungen mini|Grabstein aus dem Kloster, heute im Vorraum mini|Grabstein aus dem Kloster, heute im Vorraum
Die Nonnen fanden ihre letzte Ruhestätte unter der Nonnenempore. Für sie gibt es eine gemeinsame Gedenktafel von 1535 mit Inschrift.Schalk, S. 237. Sie ist heute im Vorraum der Kirche aufgestellt.Böcher: Maria Himmelskron, S. 12. Es ist so davon auszugehen, dass auch alle Priorinnen des Klosters hier bestattet wurden. Durch Inschriften bezeugt ist das für Agnes († 1321), Tochter der Klostergründer Dirolf und Agnes.Schalk, S. 222f. Der Stein wurde für Barbara Engelmann († 1579), Ehefrau des Klosterverwalters Philipp Engelmann, zweitverwendet. Er steht heute im Vorraum der Kirche.Böcher: Maria Himmelskron, S. 12. Erlandis von Friesenheim († 1427)Schalk, S. 218.
Eine Reihe von Personen aus der Familie der Klostergründer fand in der Kirche ihre letzte Ruhestätte: Konrad vom Rosenbaum († 1292), Ratsherr in Worms, Vater von Agnes, Frau von Dirolf und Mitstifterin des Klosters.Schalk, S. 206f. Dirolf († 1318), Mitgründer des Klosters.Schalk, S. 219–221. Der Stein steht heute im Vorraum der Kirche.Böcher: Maria Himmelskron, S. 10–12. Agnes († 1329),Schalk, S. 222, gibt im Gegensatz zu allen anderen Quellen 1321 als Todesjahr an. Entweder ist das eine Verwechslung mit ihrer gleichnamigen Tochter, die tatsächlich 1321 starb, oder ein Fehler beim Übertragen der in römischer Zahlschrift gefassten Daten in die „arabische“ Zahlschrift: 21 = XXI, 29 = XXIX. Frau von Dirolf und Mitstifterin des Klosters.Schalk, S. 222. Eva († 1315), Tochter von Dirolf, dem Mitgründer des Klosters.Schalk, S. 224f. Lukardis von Dirmstein († 1319)Schalk, S. 221. – der Name ist teilweise ergänzt. Auch dieser Stein steht heute im Vorraum der Kirche.Böcher: Maria Himmelskron, S. 12. Ritter Gerhard Schmutzel († 1313) war in zweiter Ehe mit Hippela verheiratet, die aus der ersten Ehe der Klostermitgründerin Agnes stammte.Schalk, S. 216f. Hippela († 1338) stammte aus der ersten Ehe der Klostermitgründerin Agnes mit Eberhard von Kropsburg (dessen zweite Ehe). Hippela war mit Ritter Gerhard Schmutzel verheiratet.Schalk, S. 224f. Eberhard Schmutzel († 1307), Sohn des Ritters Gerhard SchmutzelSchalk, S. 213f. Berthold Schmutzel († 1352), Sohn des Ritters Gerhard Schmutzel aus dessen erster EheSchalk, S. 227f. Dirolf Schmutzel († 1356), Sohn des Gerhard Schmutzel aus dessen erster EheSchalk, S. 216f.
Eine Reihe von Angehörigen des niederadeligen Hauses von Wattenheim ließ sich in der Kirche bestatten: Ritter Sigelo (des Älteren) von Wattenheim († 1299)Schalk, S. 208f. Drutlindis, Frau des Sigelo (des Jüngeren) von Wattenheim († 1301)Schalk, S. 210f. Ida, Witwe des Sigelo (des Älteren) von Wattenheim († 1303)Schalk, S. 212. Ritter Gerhard von Wachenheim († 1308)Schalk, S. 214f. Wilhelm von Wattenheim († 1344), Kantor – und damit wohl auch Stiftsherr – des St. Andreasstifts in WormsSchalk, S. 209f. Ritter Druschel von Wachenheim († 1353)Schalk, S. 215. Margareta († 1373), geborene von Wachenheim, verheiratete WeldenSchalk, S. 230. Ritter Druschard von Wachenheim († 1396)Schalk, S. 233. Gerhard Betteler von Wachenheim († 1409)Schalk, S. 240.
Auch einige Mitglieder der Familie der Kämmerer von Worms ließen sich in der Klosterkirche bestatten: Johann VII. Kämmerer von Worms († 1359), verheiratet mit von RannenbergDetlev Schwennicke: Europäische Stammtafeln. Stammtafeln zur Geschichte der europäischen Staaten. Neue Folge, Bd. 9: Familien vom Mittel- und Oberrhein und aus Burgund. Marburg 1986. Ohne ISBN, Tafel 53. Jutta († 1376), geborene von Rannenberg, verheiratet mit Johann VII. Kämmerer von WormsSchalk, S. 231. Friedrich III. († 1388), Kämmerer von Worms, genannt von Boppard, Sohn von Johann VII. und JuttaSchalk, S. 231f. Gud(u)la von Meckenheim († 1346), Ehefrau von Heinrich II. Kämmerer von Worms zu GundheimSchalk, S. 226. Guda († 1403), geborene Landschad von Steinach, verheiratet mit Dieter III. Kämmerer von Worms verheiratet.Schalk, S. 234.
Weiter wurden hier bestattet: Jakob Vendo (Veyndo) († 1296)Schalk, S. 207f. Methildis, Witwe von Jakob Vendo († 1309)Schalk, S. 216. Margareta von Worms († 1301)Schalk, S. 212. Theoderich, genannt Lette († 1301)Schalk, S. 211. Ein(e) Angehörige(r) des „Guawere“ genannten Ritters († 1306)Schalk, S. 213. Margareta († 1355), verheiratet mit dem Edelknecht Peter LockeSchalk, S. 228. Margareta († 1357), geborene von Dirmstein, verheiratet mit Konrad (Malle) StarkeSchalk, S. 228f. Konrad (Malle) Starke († 1357), verheiratet mit Margareta, geborene von DirmsteinSchalk, S. 229f. Margareta Snydelauch († 1381), verheiratet mit Ritter Konrad SnydelauchSchalk, S. 232f. Dr. med Conrad zu Werda aus Kaiserswerth († nach 1453)Schalk, S. 239f. Agnes († 1460), geborene von Gemmingen, verheiratet mit Nikolaus Grick von DirmsteinSchalk, S. 234f. namentlich unbekannter Priester († 1463)Schalk, S. 235f. Bernhard von Westhofen († 1518), Beichtvater des Klosters Maria HimmelskronSchalk, S. 236.