mini|Der römische Sarkophag der Villa Rustica Köln-Zollstock
Die Villa Rustica Köln-Zollstock war ein römisches Landgut, dessen Überreste 1974 während der Bautätigkeiten zur Errichtung einer Gesamtschule – auf dem Gelände der heutigen Europaschule Köln – am Raderthalgürtel 3/Zollstockgürtel entdeckt wurde. Zu den Überresten gehörte auch ein Brunnenschacht, dessen dendrochronologische Untersuchung der Brunnenhölzer eine Datierung in das 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr. ergab.
Entstehung und Weiterentwicklung Während der römischen Zeit war die CCAA – Hauptstadt der Provinz Niedergermanien – in ihrem Umland halbkreisförmig von römischen Gutshöfen (Villae Rusticae) umgeben. Jedoch war es der Forschung nur in wenigen Ausnahmefällen möglich, anhand festgestellter Befunde zu entscheiden, ob Veteranen einer Legion, Landwirte der angesiedelten Ubier oder verbliebene keltische Bewohner den Anfang einer Bewirtschaftung machten. Hermann Schmitz Stadt und Imperium. Köln in römischer Zeit. Die ubischen Grundbesitzer im attribuierten Gebiet, S141 ff.
Ein Sarkophag der Römerzeit Im Kölner Stadtteil Zollstock stieß man im Jahr 1936 während Bauarbeiten am dortigen Höninger Weg auf ein Grab, in dem sich ein Sarkophag aus rotem Sandstein befand. Der recht anspruchsvoll gestaltete Sarkophag hatte seitliche Verzierungen, und seine Abdeckung ruhte zwischen vier würfelförmigen Eckaufsetzen, sodass der Eindruck eines mit Giebeln versehenen Hauses erzeugt worden war. Die auffallend tief angelegte Grube, die für den Sarkophag ausgehoben worden war, kann dafür gesorgt haben, dass dieser unangetastet blieb und nicht – wie in vielen Fällen dokumentiert – schon in der Antike ausgeraubt wurde. Der vorzüglich erhaltene Sarg barg erhaltene Knochenreste des Leichnams und diverse Beigaben. Darunter befanden sich zehn Gefäße aus Glas und Keramik, Münzen und ein silberner Griffel. So konnten Sarkophag und Beigaben zwar zeitlich in das 4. Jahrhundert eingeordnet werden, jedoch war man vorerst nicht in der Lage, den vormaligen Wohnort des oder der bestatteten Leiche zu benennen.
Lokalisierung des Landgutes 1974 konnte der Archäologe Walter Meier-Arendt auf einem Baugelände im Südwesten des Stadtteils – auf dem Gelände der heutigen Europa-Schule am Raderthalgürtel in Köln-Zollstock – eine sogenannte römische Trümmerstelle erkennen. Auf dem weitläufigen Gelände zwischen Gürtel und Markusstraße fand man u. a. einen Brunnen römischer Zeit, der einer ehemaligen Villa Rustica zugeschrieben wurde.
Artefakte der Brunnenverfüllung, zum Teil ohne Verbleibangabe Der teilweise mit Ziegel- und Keramikbruch verfüllte Brunnen barg neben dem Überrest eines Tierkadavers auch eine Anzahl von Artefakten römischer Zeit. Darunter befanden sich mehrere Säulenfragmente aus Kalkstein mit den Maßen (H 0,92 m), ein Torso eines thronenden Jupiter aus Kalkstein (H 0,30 m), zwei Säulentrommeln und eine Basis aus Sandstein sowie weitere Architekturteile, ein Sockel aus Kalkstein, versehen mit einer Weiheinschrift für die germanische Göttin Travalaha, so auch der Rest eines Grabsteines. Galsterer 39, Nr. 144:1975
Der Grabstein und seine Inschrift Der Grabstein, ein Bruchstück mit den Maßen H 42 cm x B 30 cm x T 6,5 cm, wies nur noch eine unvollständige Inschrift in allen fünf Zeilenstücken auf. Diese Reste ließen vom Ductus her vermuten, dass es sich möglicherweise bei dem Bestatteten um eine Person gehandelt hat, die nicht nur das Landgut bewirtschaftete, sondern auch als Händler des 2. Jahrhunderts erfolgreich tätig war. Er wäre, nach Galsterer, auch in der „Colonia“ nicht der Alleinige in dieser Doppelfunktion tätige Geschäftsmann.Galsterer verweist in diesem Zusammenhang auf die Publikation von O. Schlippschuh Die verbliebene Inschrift des Grabsteins:
Das sich auf antike Steininschriften spezialisierte Duo Galsterer merkt an, dass ein Zusammenwirken von Landwirtschaft und Tuchhandel in röm. Zeit offenbar kein Einzelfall war, und verwies auf die Igeler Säule an der Mosel bei Trier. Der Stein erhielt im Römisch-Germanischen Museum Köln (RGM) die Inventar Nr. 74, 8263.Neue Inschriften aus Köln III B. u. H. Galsterer S. 83 ff.
Der Brunnenschacht mini|hochkant|Der Brunnenschaht, Detail
Die in originaler Lage angetroffene Brunnenanlage der Villa war offenbar Mittelpunkt eines recht ausgedehnten Landgutes. Es war eine Fläche, wie sie sich noch heute in den die Schule umgebenden Grünanlagen zeigt. Der Brunnen wurde zwar nach seiner Entdeckung freigelegt, blieb aber in seiner Originalform unverändert erhalten. Erbaut wurde er aus präzise behauenen, ringförmig angeordneten Tuffsteinblöcken, die im untersten Bereich – nach Erreichen einer aus der Eiszeit herrührenden Schicht aus angeschwemmten Rheinsanden – auf dort verlegten Eichenholzbohlen aufsetzten.
Durch diesen hölzernen Unterbau gelang es, die erhaltenen Bohlen mittels einer dendrochronologischen Untersuchung eine bestmögliche Datierung zu erhalten.
Brunnen und Verfüllung, Grab, Sarkophag Der Brunnen – heutiges Prachtstück der Schule – ist, abgedeckt unter einem pyramidenförmigen gläsernen Aufbau, in der Aula der Europaschule zu besichtigen. Am Boden des Schachtes wurde eine Lichtquelle installiert, um so die Tiefe des Brunnens zu verdeutlichen. Eine Wandtafel der Stadt Köln informiert den Besucher mit wesentlichen Daten zur antiken Anlage.
Das Fragment eines Votivsteins, möglicherweise ein kleiner Altarstein, soll sich im Depot des Römisch-Germanischen Museums Köln befinden. Die Fragmente des Jupiter Anathem befinden sich ebenfalls im RGM Köln und erhielten die Inventar-Nr. 74, 1694-96.Fund Bericht 74.16 Elisabeth Maria Spiegel 1980, 81125; Walter Meier-Arendt in: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen DenkmälernPeter Noelke 1980, Anhang 1, Nr. 10, S. 743 f.
Auf das von E. M. Spiegel auf der S. 81, Fundbericht Nr. 125 angeführte Körpergrab wurde nicht weiter eingegangen. Der ebenfalls dieser Villa Rustica zugehörige Steinsarkophag des 4. Jahrhunderts befindet sich auf dem vorderen Gelände des Südfriedhofs in Zollstock.
Literatur Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern in Köln. Band I.1, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1980. ISBN 3805303009. Brigitte Galsterer, Hartmut Galsterer: Die römischen Steininschriften aus Köln (I Köln²) (= Kölner Forschungen 10), unter Mitwirkung von Stefan Breuer, Bettina Goffin, Michael Herchenbach, Stefan Meusel, Sabine Schmall und Stefan Schrumpf. Philipp von Zabern, Mainz 2010, ISBN 978-3-8053-4229-2, S. 184 Nr. 205. Brigitte und Hartmut Galsterer, Köln, Kölner Jahrbuch Band 20 1987, S. 101 f., Nr. 29 Abb. 29. Hermann Schmitzː Stadt und Imperium. Köln in römischer Zeit. Erster Band: Die Anfänge der Stadt Köln und die Ubier. Kölner Universitätsverlag Balduin Pick, Köln 1948. Schmitzː Colonia Claudia Ara Agrippinensium (= Veröffentlichungen des Kölnischen Geschichtsvereins Band 18). Verlag Der Löwe, Köln 1956. Walter Meier-Arendt: Führer zu vorgeschichtlichen Denkmälern Köln III (Maipnz 1980) Band 39, Teil III Exkursionen, südliche Innenstadt und Vororte: Köln. Otto Schlippschuhː Die Händler im Römischen Kaiserreich in Gallien, Germanien und den Donauprovinzen Rätien, Noricum und Pannonien. Verlag: Amsterdam, Hakkert, 1974. ISBN 9025606970 / ISBN 9789025606978. Peter Noelkeː Jupitersäulen und-pfeiler in Niedergermanien – Neufunde aus 25 Jahren, in: Heinz Günter Horn, Hansgerd Hellenkemper, Gabriele Isenberg, Jürgen Kunow: (Hrsg.)ː Von Anfang an – Archäologie in, Verlag: Verlag Phillip von Zabern in Wissenschaftliche Buchgesellschaft; 2005, ISBN 3-8053-3467-2. Peter Noelke 1980, Anhang 1, Nr. 10, S.417 f., in: Kölner Jahrbuch Jahrgang: 2002, Band: 35.
Weblinks Foto des Altarsteinfragments
Einzelnachweise
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