mini|Madeleine Brès Madeleine Brès (* 25. November 1842 als Madeleine Alexandrine Gebelin in Bouillargues; † 30. November 1921 in Montrouge)Sterberegister 1921, Ansicht 122/137, Urkunde 535, einsehbar bei Archives départementales des Hauts-de-Seine war eine französische Ärztin. Sie war die erste Französin, die 1868 zum Studium der Medizin zugelassen wurde. Sie promovierte 1875.
Leben Ihr Interesse an der Medizin begann bereits in ihrer frühen Kindheit. Sie begleitete ihren Vater, einen Handwerker, oft in das Krankenhaus in Nîmes, wo er regelmäßig arbeitete. Dort brachte ihr eine Ordensschwester kleinere Pflegehandlungen bei, wie die Zubereitung von Kräutertees und Umschlägen.
Sie war zwölf Jahre alt, als die Familie Gebelin nach Paris zog, und fünfzehn, als sie Adrien-Stéphane Brès, einen Pferdeomnibusfahrer, am 12. April 1858 in Lyon heiratete.
Zugang zum Medizinstudium
Kontext mini|Bescheinigung von Adrien Brès, mit der er seiner Ehefrau Madeleine Brès die Immatrikulation an der medizinischen Fakultät von Paris gestattet (24. Oktober 1868) Archives nationales - AJ-16-6885. Im 19. Jahrhundert gab es in Frankreich kein ausdrückliches gesetzliches Hindernis, das Frauen den Zugang zum Medizinstudium verbot. Der Ausschluss ergab sich aus den damaligen Sitten, die rechtliche Frage stellte sich gar nicht.
Es gab jedoch die Hürde des Baccalauréat, um sich für ein Medizinstudium einzuschreiben, das Frauen 1861 zugänglich gemacht wurde. Sie mussten sich jedoch alleine darauf vorbereiten, da keine Mädchenschule einen Lehrplan anbot, der zum Baccalauréat berechtigte (bis 1924 nicht einmal die Mädchen-Gymnasien).
Darüber hinaus mussten sie die Zustimmung des Ehemanns oder Vaters haben, da verheiratete Frauen nach dem damaligen französischen Recht nicht volljährig waren.
Zulassung
Madeleine Brès erscheint 1866 vor dem Dekan der medizinischen Fakultät von Paris, Charles Wurtz, und bittet ihn um die Erlaubnis, sich an der Fakultät einschreiben zu dürfen.
Im Jahr 1868 wurden Frauen schließlich zum Medizinstudium zugelassen. Der Dekan Wurtz war den Frauen wohlgesonnen, der Minister für öffentliche Bildung Victor Duruy befürwortete die Bildung von Mädchen, und den Vorsitz im Ministerrat hatte an diesem Tag eine Frau inne, Kaiserin Eugénie. Unter Berufung auf das Gesetz vom 19. Ventôse des Jahres XI, das die Freiheit der Arbeit verkündete, erreichte sie, dass die Einschreibung von Madeleine Brès nach Beratung im Ministerrat akzeptiert wurde.
In diesem Jahr schrieben sich vier Frauen an der medizinischen Fakultät ein, neben der Französin Madeleine Brès waren es die Amerikanerin Mary Putnam, die Russin Catherine Gontcharoff und die Britin Elizabeth Garrett Anderson – alle drei mit nationalen Abschlüssen, die als gleichwertig mit dem Baccalauréat anerkannt wurden.
Zugang zur Facharztprüfung verweigert mini|Protokoll der Dissertation von Madeleine Brès - Archives nationales - AJ-16-6885-1. Ihre Studienleistungen waren bemerkenswert: Im zweiten Medizinstudienjahr, 1869, war sie Praktikantin in der Abteilung von Paul Broca im Hôpital de la Pitié. Im dritten Jahr, von September 1870 bis Juli 1871, arbeitete sie aufgrund des Deutsch-Französischen Krieges und der Einberufung vieler Krankenhausärzte an die Front als „vorläufige Assistenzärztin“. Während der Belagerung von Paris und unter der Pariser Commune blieb sie ihrem Posten treu und zeichnete sich durch ihren Eifer und ihre Hingabe aus.
Zu Beginn ihres vierten Studienjahres beantragt sie, im Oktober 1871 die Prüfung „Concours de l'externat“ abzulegen. Trotz der Unterstützung von Paul Broca verweigert ihr der Direktor der Pariser Krankenhäuser der Assistance publique diese Möglichkeit. Der Zugang von Medizinstudentinnen zum Externat-Prüfung wurde erst 1882 gewährt, als Blanche Edwards-Pilliet als erste ihre Medizinfachausbildung an einem Krankenhaus in Frankreich absolvieren durfte.
Karriere mini|Klinischer Bericht von Madeleine Brès (1893). Parallel zu ihrem Medizinstudium verbrachte sie vier Jahre im Naturkundemuseum (Muséum national d’histoire naturelle) bei Edmond Frémy und drei Jahre im Labor von Charles Wurtz, wo sie eine Doktorarbeit vorbereitete, die sie am 3. Juni 1875 verteidigte. Ihr Thema lautete „De la mamelle et de l'allaitement“ (Über die Brust und das Stillen): Sie zeigte, dass sich die chemische Zusammensetzung der Muttermilch während der Stillzeit verändert, um den Entwicklungsbedürfnissen des Kindes gerecht zu werden.
Damit war sie die erste Französin mit einem Doktortitel in Medizin. Allerdings war sie nicht die erste Frau in Frankreich, die diesen Titel erlangte: Die Britin Elizabeth Garrett Anderson hatte ihn bereits fünf Jahre zuvor erhalten.
Als Witwe musste sie drei Kinder versorgen. Sie beschloss, sich auf die Beziehung zwischen Mutter und Kind sowie auf die Hygiene von Kleinkindern zu spezialisieren. Sie baute sich einen reichen bürgerlichen Kundenstamm auf.
1885 gründete sie ihre eigene Kinderkrippe im Quartier des Batignolles, wo Kinder bis zum Alter von 3 Jahren kostenlos betreut und versorgt wurden.
Sie leitete die Zeitschrift „Hygiène de la femme et de l'enfant“ (Gesundheit von Frau und Kind) und war Autorin mehrerer Bücher zum Thema Kinderpflege.
Preise und Auszeichnungen 1875: Officier d'académie 1885: Offizier der Instruction publique 2026: unter den 72 Namen von Wissenschaftlerinnen für den Eiffelturm
Veröffentlichungen De la mamelle et de l'allaitement, E. Martinet, 1875 (Dissertation) L'Allaitement artificiel et le biberon, Paris, G. Masson, 1877, 77 p. . Analyse du lait des femmes galibies, 1882. Mamans et bébés, 1899.
Bibliografie « Mme Brès (née Madeleine Gebelin) » in : Dictionnaire national des contemporains : contenant les notices des membres de l'Institut de France, du gouvernement et du parlement français, de l'Académie de médecine. Band 4: C.-E. Curinier, Office général d'éd. de librairie et d'impr. (Paris), 1899–1919, S. 146–147, . J. Poirier, R. Nahon: Médecine et philosophie à la fin du XIXe siècle, L'accession des femmes à la carrière médicale, à la fin du XIXe siècle. Université Paris XII - Val de Marne 1981, S. 25–46. Porträt von Madeleine Brès in Femmes d'exception en Languedoc-Roussillon, Hubert Delobette, Le Papillon Rouge Éditeur, 2010, ISBN 978-2-917875-13-1. Jean-Louis Debré. Les oubliés de la République. Fayard, Paris 2008. Cécile Lambert Briquez: Féminisation de la médecine de 1875 à 1945. Dissertation. 2012. Valérie Bochenek, Jean-Louis Debré: Ces femmes qui ont réveillé la France. Fayard, Paris 2013, ISBN 978-2-213-67180-2.
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Einzelnachweise
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