Andreas Anschlag (* 1957, eigentlich Alexander Abramow) und seine Frau Heidrun Anschlag (* 4. Dezember 1965 in Lima, Peru, eigentlich Olga Abramowa, * 1961) sind russische Spione. Von Ende der 1980er Jahre bis zu ihrer Verhaftung 2011 waren sie in Deutschland eingesetzt.
Leben Alexander und Olga Abramow sind hauptamtliche Mitarbeiter des zivilen russischen Auslandsgeheimdienstes Sluschba wneschnei raswedki (Dienst der Außenaufklärung, SWR). Noch im Auftrag des früheren sowjetischen Geheimdienstes KGB wurden sie 1988 bzw. 1990 als sogenannte Illegale in die Bundesrepublik Deutschland eingeschleust, um hier unter ihrer Legende, also falschen Personalien und konstruierten Biographien, zu leben und Informationen aus dem politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und militärischen Bereich, die für die Sowjetunion bzw. Russland von Interesse sind, zu sammeln und weiterzuleiten. Ihre Legende Andreas und Heidrun Anschlag wurden in Österreich, in Hornstein und in Altaussee, beschafft. Demnach war Andreas vorgeblich in Argentinien geboren, Heidrun in Peru. Ihren hörbar russischen Akzent versuchten sie mit dieser südamerikanischen Herkunft zu begründen.
Ab November 1991 arbeitete das Ehepaar für den SWR, der zu diesem Zeitpunkt die Aufgaben und Strukturen des KGB für den Bereich ziviler Auslandsaufklärung übernommen hatte.
Die Steuerung erfolgte durch Agentenfunk (zunächst Morsefunk, später Kurzwellenfunk mit Tonfolge), wobei auch die Software Kelchblatt genutzt wurde. Nachrichtendienstlich relevante Erkenntnisse wurden auch bei Führungstreffs und mittels Toter Briefkästen übermittelt.
Die Anschlags sammelten nicht nur Informationen in Deutschland, sondern auch aus den Niederlanden, über die EU und aus der NATO. Ebenso tippten sie Personen, die für eine weitere nachrichtendienstliche Bearbeitung interessant sein könnten. Sie führten ab mindestens 2008 als Instrukteure einen Beamten des niederländischen Außenministeriums, die ihnen bei insgesamt mindestens 22 persönlichen Treffs mehrere hundert amtliche niederländische Dokumente überließ. In Deutschland lebten die Anschlags in Meckenheim, Balingen und Marburg.
Am 18. Oktober 2011 wurden die Anschlags von der GSG 9 der Bundespolizei verhaftet. Am 2. Juli 2013 verurteilte der 4. Strafsenat des Oberlandesgerichtes Stuttgart unter Leitung der Vorsitzenden Richterin Sabine Roggenbrod wegen gemeinschaftlicher geheimdienstlicher Agententätigkeit ( StGB) Andreas zu sechs Jahren und sechs Monaten und Heidrun zu fünf Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe.
Andreas saß in der Justizvollzugsanstalt Butzbach ein. Am 3. Juni 2015 wurde er nach Russland abgeschoben. Heidrun konnte bereits 2014 in ihre russische Heimat zurückkehren.
Die Anschlags haben eine Tochter, die bis zu der Verhaftung ihrer Eltern nichts von deren Herkunft und Spionagetätigkeit wusste. Die Tochter lebt weiterhin in Deutschland.
Siehe auch Liste deutscher Spione Liste von Spionagefällen in Deutschland
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Deutsche Geschichte (21. Jahrhundert) Kategorie:Kriminalfall in Deutschland Kategorie:Kriminalfall 2011 Kategorie:Ehepaar