Georg Max Jahn (* 28. Februar 1885 in Leipzig; † 18. Mai 1962 in Berlin) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Hochschullehrer.Jahn, Georg. In: Braunschweiger Professor*innen-Katalog; Georg Jahn. In: Technische Universität Berlin / Catalogus Professorum (beides abgerufen am 1. Februar 2026); Jahn, Georg Max. In: Harald Hagemann, Claus-Dieter Krohn (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen wirtschaftswissenschaftlichen Emigration nach 1933. Band 1: Adler–Lehmann. Saur, München 1999, ISBN 3-598-11284-X, S. 287f.

Leben und Wirken Nach seiner Reifeprüfung am Realgymnasium Leipzig studierte Georg Jahn ab 1904 zunächst Philosophie an der Universität Jena. Zwei Jahre später (1906) wechselte er an die Universität Leipzig, dort widmete er sich schwerpunktmäßig dem Studium den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. 1908 promovierte er mit einer wirtschaftsgeschichtlichen Dissertation in Leipzig. Anschließend war er als Geschäftsführer des Verbands deutscher Bureaubeamten tätig und war ab 1911 mitbeteiligt an der Gründung der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte. Dieser Versicherungsanstalt gehörte er als Vorstandsmitglied an. Während des Ersten Weltkriegs wurde Jahn nach Belgien versetzt, um dort die Zivilverwaltung und insbesondere auch die Industrie dieses Landes zu untersuchen. Einen Teil seiner Untersuchungen dort legte er 1919 an der Universität Leipzig als Habilitationsschrift vor. Ebenfalls 1919 erhielt er eine außerordentliche Professur an der Technischen Hochschule Braunschweig, 1923 wechselte er an die Technische Hochschule Dresden und bereits ein Jahr später (1924) an die Universität Halle-Wittenberg. 1937 wurde Jahn, der mit einer jüdischen Frau verheiratet war, in den Ruhestand versetzt. Seine wissenschaftliche Arbeit behielt er bei. Anfang 1946 konnte er wieder an der Universität Halle lehren, wechselte jedoch im gleichen Jahr an die Technische Universität Berlin. 1954 wurde er emeritiert. Von 1949 bis 1962 war er Herausgeber von Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft. Außerdem gehörte er als Vorstandsmitglied dem Verband Deutscher Wirtschaftsingenieure und der Deutschen Gesellschaft für Soziologie an.

Als Wissenschaftler war Jahn vor allem auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Sozialgeschichte tätig und beschäftigte sich intensiv mit der Ausbildung und dem Studium der Wirtschaftsingenieure.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Zur Gewerbepolitik der deutschen Landesfürsten vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Teichmann, Leipzig 1909 (= Dissertation Universität Leipzig). Die Gehaltsfrage der Bureaubeamten. Verl. d. Verb. Dt. Bureaubeamten, Leipzig 1913. Die Rechtsanwaltbeamten von Hannover-Linden. Sozialstatistische Studie. Verl. d. Verb. Dt. Bureaubeamten, Leipzig 1913.

Die künftige Stellung der deutschen Industrie in der Weltwirtschaft. Handelskammer, Liegnitz 1918. (Mitautor): Hans Gehrig u. a. (Hrsg.): Belgiens Volkswirtschaft. Teubner, Leipzig 1918. (Mitautor): Die Hauptindustrien Belgiens. Hrsg. von der Landesstelle Belgien für Rohstofferhebung. Bd. 4: Die Textilwirtschaft. Oldenbourg, München 1918. Die Lütticher Waffenindustrie. In: Die Hauptindustrien Belgiens. Hrsg. von der Landesstelle Belgien für Rohstofferhebung. Bd. 2. Oldenbourg, München 1919, S. 161–235 (= Habilitationsschrift Universität Leipzig). Neuorganisation der Volkswirtschaft? In: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, Bd. 112 (1919), H. 1, S. 535–546 u. S. 628–641.

Verstaatlichung und Vergesellschaftung. Eine Schicksalsfrage für die deutsche Volkswirtschaft. Simion, Berlin 1920. Grundzüge der Volkswirtschaftslehre (= Aus Natur und Geisteswelt, Bd. 593). Teubner, Leipzig 1921. Die handelspolitische Lage Hollands und Belgiens. In: Franz Eulenburg (Hrsg.): Neue Grundlagen der Handelspolitik. Wissenschaftliche Gutachten. Bd. 3,1. Duncker & Humblot, München 1926, S. 155–228. (Hrsg.): Das deutsche Genossenschaftswesen der Gegenwart (= Beiträge zur Genossenschaftskunde, Bd. 3). Buske, Leipzig 1936. Johann Peter Süßmilch und die Gesellschaftslehre des 18. Jahrhunderts. In: Gerhard Albrecht u. a.: Reine und angewandte Soziologie. Eine Festgabe für Ferdinand Tönnies zu seinem achtzigsten Geburtstage am 26. Juli 1935. Buske, Leipzig 1936, S. 21–34. Die Mechanisierung der Industriearbeit und das Problem der Arbeitsfreude. In: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, Bd. 148 (1938), S. 155–170. Der Verlag als Unternehmungsform und Betriebssystem im ostmitteldeutschen Leinengewerbe des 16. und 17. Jahrhunderts. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Bd. 34 (1941), S. 158–180. Die Entstehung der Fabrik. In: Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaftslehre, Bd. 69 (1949), S. 89–116 u. S. 193–228. (Hrsg.): Franz Eulenburg / Das Geheimnis der Organisation. Ein Versuch über Arten und Formen, Bedingungen und Voraussetzungen, Zwecke, Folgen und Grenzen der Organisation. Aus dem Nachlaß hrsg. Duncker & Humblot, Berlin 1952. Karl Lamprecht als Wirtschafts- und Kulturhistoriker. In: Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaftslehre, Bd. 76 (1956), S. 129–142. (Hrsg.): Internationales Handbuch der Kartellpolitik. Duncker & Humblot, Berlin 1958. Die historische Schule der Nationalökonomie und ihr Ausklang. Von der Wirtschaftsgeschichte zur geschichtlichen Theorie. In: Otto Stammer (Hrsg.): Festgabe für Friedrich Bülow zum 70. Geburtstag. Duncker & Humblot, Berlin 1960, S. 139–150.

Festschrift

Karl Muhs (Hrsg.): Festgabe für Georg Jahn zur Vollendung seines 70. Lebensjahres am 28. Febr. 1955. Duncker & Humblot, Berlin 1955.

Einzelnachweise

Kategorie:Ökonom (20. Jahrhundert) Kategorie:Wirtschaftshistoriker Kategorie:Hochschullehrer (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Berlin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1885 Kategorie:Gestorben 1962 Kategorie:Mann