Der Numerus Palmyrenorum Porolissensium [sagittariorum oder sagittaria] [civium Romanorum] [Decianus] () war eine römische Auxiliareinheit. Er ist durch Inschriften und Ziegelstempel belegt. Die Ala Palmyrenorum Porolissensium und die Cohors I Palmyrenorum Porolissensium sind vermutlich im 3. Jhd. n. Chr. aus dem Numerus hervorgegangen (siehe unten).

Namensbestandteile Numerus: Der Numerus war eine Einheit der Auxiliartruppen in der römischen Armee.

Palmyrenorum: aus Palmyra stammend. Die Soldaten wurden bei Aufstellung der Einheit aus der Stadt Palmyra und ihrer Umgebung rekrutiert.

Porolissensium: in Porolissum stationiert.

sagittariorum oder sagittaria: Bogenschützen. Der Zusatz kommt in zwei Inschriften vor.

civium Romanorum: der römischen Bürger. Den Soldaten der Einheit war das römische Bürgerrecht zu einem bestimmten Zeitpunkt verliehen worden. Für Soldaten, die nach diesem Zeitpunkt in die Einheit aufgenommen wurden, galt dies aber nicht. Sie erhielten das römische Bürgerrecht erst mit ihrem ehrenvollen Abschied (Honesta missio). Der Zusatz kommt in einer Inschrift vor.

Gordianus: der Gordianische. Eine Ehrenbezeichnung, die sich auf Gordian III. (238–244) bezieht. Der Zusatz ist unsicher; er wurde in einer Inschrift ergänzt.

Decianus: der Decianische. Eine Ehrenbezeichnung, die sich auf Decius (249–251) bezieht. Der Zusatz kommt in einer Inschrift vor.

Geschichte Der Numerus war in den Provinzen Dacia superior und Tres Daciae stationiert. Er ging vermutlich aus den Palmyreni sagittarii hervor, die durch Militärdiplome für die Jahre 120 und 126 n. Chr. belegt sind; die Änderung des Truppennamens und die Aufteilung in einzelne Numeri dürfte vor 159/160, vermutlich unter Antoninus Pius (138–161), durchgeführt worden sein.

Die Geschichte des Numerus während des 2. und 3. Jhds. liegt weitgehend im Dunkeln. Durch eine Inschrift ist belegt, dass die Einheit unter Caracalla (211–217) einen Tempel wiederherstellte, der durch ein Feuer zerstört worden war (templum vi ignis consumptum pecunia sua restituerunt). Der letzte Nachweis des Numerus beruht auf einer Inschrift, die auf 249/251 datiert ist; in dieser Inschrift trägt die Einheit den Ehrentitel civium Romanorum. Laut Marcus Reuter wurde diese Ehrenbezeichnung für tapferes Verhalten, vermutlich in einem Zeitraum zwischen 212 und 251 verliehen.

Laut Marcus Reuter wird allgemein angenommen, dass die Ala Palmyrenorum Porolissensium und die Cohors I Palmyrenorum Porolissensium zu einem unbestimmten Zeitpunkt nach 249/251 aus dem Numerus hervorgegangen sind. Für Ovidiu Țentea ist dies eine Hypothese, die mit weiteren Inschriften belegt werden müsste.

Standorte Standorte des Numerus in Dacia superior waren:

Porolissum: mehrere Inschriften und zahlreiche Ziegelstempel wurden hier gefunden. Die Einheit ist an dem Standort durch zwei Inschriften für die Jahre 212/217 und 249/251 belegt.

Angehörige des Numerus Folgende Angehörige des Numerus sind bekannt:

[?] () [?], ein Soldat () [?], ein Soldat () [?], ein Veteran () Ael(ius) Bolhas Bannaeus, ein Veteran () Aurel(ius) Iustin[us], ein Reiter () L Aur(elius) Celsinianus, ein Soldat Mucianus, ein Optio () Nepos, ein Centurio () Salmas Rami, ein Veteran () Val(erius) Them(o?), ein Veteran ()

Durch eine Inschrift ist ein P(ublius) Ael(ius) Malachu(s) belegt, der Priester für den numerus war (flamen et sacerdos dei numeri Palmyrenorum Porolissensium).

Siehe auch Liste der römischen Auxiliareinheiten

Literatur Marcus Reuter: Studien zu den numeri des Römischen Heeres in der Mittleren Kaiserzeit, Dissertation, In: Berichte der Römisch-Germanischen Kommission 80, 1999, S. 359–569, hier S. 394–398, 529–532. Ovidiu Țentea: Ex Oriente ad Danubium. The Syrian auxiliary units on the Danube frontier of the Roman Empire Publisher: Mega Publishing House, Editor: Centre of Roman Military Studies 6, ISBN 978-606-543-206-2, hier S. 73–75, 148–151 (Online).

Anmerkungen Laut Ovidiu Țentea war G. Mestrius Servilianus Kommandeur (Präfekt) der Ala Palmyrenorum Porolissensium (έπαρχος είλης ιππέον άριφμού Παλμυρηνών Πορολισσηνών).

Marcus Reuter ordnet die Inschrift der Cohors I Palmyrenorum Porolissensium zu. Bei der Epigraphik-Datenbank Clauss-Slaby (EDCS) wird die Inschrift mit L Aur(elius) Celsinianus mil(es) c(o)h(ortis) I (centuria) p(rimi) p(ili) angegeben.

Ovidiu Țentea ordnet Aelius Bolhas Bannaeus dem Numerus zu; aus der Inschrift geht nicht hervor, in welchem numerus Palmyrenorum der Veteran gedient hat. Bei der EDCS steht vet(eranus) ex n(umero) Palm<y=U>r(enorum).

Ovidiu Țentea ordnet Val(erius) Them(us) dem Numerus zu. In der Inschrift ist der Name der Einheit nicht angegeben; bei der EDCS wird der Name des Veteranen mit Val(erius) Them(o?) angegeben.

Einzelnachweise Inschrift mit civium Romanorum (). Inschriften mit sagittariorum (, ).

Inschrift mit Decianus (). Inschrift mit Gordianus ().

Inschriften aus Moigrad-Porolissum / Mirsid / Porolissum (, , , , , , , , , ).

Inschrift aus Moigrad-Porolissum / Mirsid / Porolissum (). Inschrift (ILS 9472). Inschrift aus Turda / Potaissa (). Inschrift aus Moigrad-Porolissum / Mirsid / Porolissum ().

Marcus Reuter, Studien zu den numeri des Römischen Heeres in der Mittleren Kaiserzeit, S. 394–398, 529–532.

Ovidiu Țentea, Ex Oriente ad Danubium. The Syrian auxiliary units on the Danube frontier of the Roman Empire, S. 73–75, 148–151.

Ziegel aus Moigrad-Porolissum / Mirsid / Porolissum mit folgenden Stempeln: N P, z. B. () und N P P, z. B. ().

Kategorie:Numerus (Hilfstruppe)