Die Ismailia war ein 1870 in Dienst gestelltes britisches Passagierfrachtschiff der im schottischen Glasgow ansässigen Reederei Anchor Line. Der nach der ägyptischen Stadt Ismailia benannte Segeldampfer wurde im Herbst 1869 auf der Werft von Robert Duncan and Company in Glasgow auf Kiel gelegt und lief am 30. Juni 1870 von Stapel. Die Indienstnahme und die Jungfernfahrt erfolgten Ende August 1870. Das Schiff geriet bereits im Oktober 1873 im Nordatlantik aus ungeklärten Gründen in Verlust und gilt als verschollen.

Technische Aspekte Die aus Eisen gebaute Ismailia war maximal 91,57 Meter lang und 10,11 Meter breit. Der durchschnittliche Tiefgang lag bei 7,20 Meter, konnte aber bei voller Beladung auf bis zu 8,94 Meter anwachsen. Das Passagierfrachtschiff war mit 1.630 BRT vermessen und diente vorzugsweise dem Transport von Getreide und teils auch Stückgut zwischen den Vereinigten Staaten und Europa. Die Antriebsanlage bestand aus drei Dampfkesseln sowie einer von der Finnieston Steam Ship Works Company in Glasgow gebauten Zwei-Zylinder-Zweifach-Expansionsmaschine, die eine maximale Leistung von rund 1.300 PSi besaß, womit das Schiff eine Höchstfahrt von rund 12 Knoten (etwa 22 km/h) erreichen konnte. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit im voll beladenen Zustand lag bei etwa 11 Knoten.Henderson, Richard & Henderson, Francis: History of the Anchor Line 1852–1911. John Horn Ltd., Glasgow 1911, S. 108. Darüber hinaus verfügte der Segeldampfer über zwei Masten mit einer Rahsegler-Takelage.

Die Ismailia war außerdem für die Mitnahme von bis zu 500 Passagieren ausgelegt, wobei die Masse der Reisenden indessen nur als Zwischendeckpassagiere aufgenommen werden konnte. Die Besatzungsstärke lag bei 44 Mann.

Dienstzeit Das Schiff wurde zunächst auf der Route zwischen Ägypten und dem Vereinigten Königreich eingesetzt und bediente verschiedene Häfen in der Levante. Im Winter 1870/71 befuhr die Ismailia erstmals die nordatlantische Route zwischen New York und Glasgow. Auf der Rückreise von einer der ersten Fahrten nach den Vereinigten Staaten lief das Schiff im Frühjahr 1871 Le Havre an und lieferte Getreide (und somit Nachschub) für die französischen Streitkräfte,Henderson: Anchor Line, S. 102. die zu diesem Zeitpunkt in den Deutsch-Französischen Krieg verwickelt waren.

Eine der lukrativsten Fahrten absolvierte das Schiff 1872, als die aus den USA mitgebrachten Güter im Vereinigten Königreich für insgesamt £ 500.000 (inflationsbereinigt und im Jahr 2025 knapp 50 Millionen £) veräußert werden konnten. Neben New York wurden 1872/73 unter anderem auch die Häfen von Halifax und St. John’s angelaufen.

Untergang Die Ismailia verließ am 30. September 1873 (nach anderen Angaben bereits am 27. September 1873Mansell, John N. K.: Merchant Shipping Law. Development of National and Customary Law for Safety of Life at Sea. Ethics International Press Limited. Cambridge 2023, S. 142.) den Hafen von New York, der Zielhafen der Reise war Glasgow.

An Bord des von Kapitän John Ovenstone geführten Schiffes befanden sich mehr als 1.500 Tonnen Getreide, Presskuchen, Stückgut und acht Reisende. Am 2. Oktober 1870 wurde der Segeldampfer vor Nantucket beziehungsweise grob auf der Position letztmals von einem anderen Schiff gesichtet, danach verlor sich die Spur des Schiffes in den Weiten des Nordatlantik. Das Schiff und die Personen an Bord gelten als verschollen. Beim Untergang des Schiffes kamen alle 52 Personen (44 Crewangehörige und acht Passagiere) an Bord ums Leben.Maginnis, Arthur J.: The Atlantic ferry, its ships, men and working. 1. Edition. Whittaker & Company. London 1900, S. 276.

Die genaue Unglücksursache, der Zeitpunkt des Sinkens sowie der Untergangsort sind nicht bekannt. Möglich wäre, dass im Falle von Sturmschäden an den Lukendeckeln es zu einer nachfolgenden Quellung der Getreideladung mit entsprechenden Folgeschäden gekommen ist. Auch eine sogenannte Monsterwelle oder ein Maschinenschaden, die Ismailia wurde nur von einer (zum damaligen Zeitpunkt) vergleichsweise leistungsschwachen Zweifachexpansionsmaschine angetrieben, deren Ausfall im Sturm zu einem Querschlagen und zu einem damit verbundenen Kentern hätte führen können, könnten den Untergang verursacht haben. Ferner wurde auch eine Kollision mit einem Eisberg für möglich erachtet.

Darüber hinaus soll das Schiff Gerüchten zufolge auf seiner letzten Reise überladen gewesen sein und einen Tiefgang aufgewiesen haben, der rund 60 Zentimeter über dem Normalwert gelegen hatte,Salsbury, Elwood (Hrsg.): Annals of Cleveland 1818–1935. Work Projects Administration (Ohio) No. 16492. Cleveland Public Library. Cleveland (OH) 1937, S. 23. was möglicherweise zum Untergang mit beigetragen haben könnte.

Im Oktober 1874, mehr als ein Jahr nach dem Verschwinden des Schiffes, sollen Trümmerteile, die möglicherweise von der Ismailia stammten, auf der zu den Äußeren Hebriden gehörenden Insel Uist angeschwemmt worden sein.

Literatur Maginnis, Arthur J.: The Atlantic ferry, its ships, men and working. 1. Edition. Whittaker & Company. London 1900. Henderson, Richard & Henderson, Francis: History of the Anchor Line 1852–1911. John Horn Ltd., Glasgow 1911.

Weblinks Die Ismailia auf der Seite des Caledonian Maritime Research Trust (englisch). Das Schiff auf norwayheritage.com (englisch).

Einzelnachweise

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