Der Krefelder Wanderbund von 1883 ist ein deutscher Wanderverein. Er wurde im Jahr 1883 in Krefeld als reiner Männerbund gegründet.

Geschichte In den Jahren nach der Gründerzeit genannten Epoche forderten zahlreiche Pädagogen, dass neben die Pflege des Geistes auch die körperliche Ertüchtigung der Bevölkerung treten sollte. Abgeleitet von Carl Diems Werk Körpererziehung bei Goethe (1948) und dem darin enthaltenen Kapitel Goethe als Wanderer sah sich die Wanderbewegung in der Wandernachfolge des 50 Jahre zuvor verstorbenen Dichters und Wanderers.Gerhard Krause: 100 Jahre Krefelder Wanderbund 1883–1983. Mit Grußwort des Bundespräsidenten Karl Carstens gedrucktes Manuskript für die Mitglieder und Freunde des Wanderbundes, gedruckt von Richard Scherpe in Krefeld, Krefeld 1983. mini|hochkant|Johannes Junkers, Gründer des Krefelder Wanderbundes mini|hochkant|Junkers-Denkmal Der Krefelder Seidenhändler Johannes Junkers (8. September 1828–30. März 1899) gründete den Wanderbund am 18. Oktober 1883 (Protokolldatum der ersten Wanderung) aus „Liebe zur Natur, vor allem auch, weil das Wandern so gesund ist“ – und auch auf dringende Empfehlung seines Arztes zu sportlicher Betätigung.Krefelder Wanderbund (Hrsg.): 125 Jahre Krefelder Wanderbund 1883–2008. Es handelte sich um einen Männerbund mit dem Ziel „zur Erheiterung und Belehrung sowie zur Stärkung der Gesundheit“. Hervorgegangen war er aus der Gesellschaft „Verein“ (gegründet 1821 als Zusammenschluss der Gesellschaften „Resource“ und „Harmonie“) – mehr als ein Jahrhundert lang das gesellschaftliche Zentrum der führenden Schicht von Krefeld. Der Bund gehört damit zu den ältesten Gruppen der deutschen Wanderbewegung, darunter der Badische Schwarzwaldverein von 1864, der Düsseldorfer Wanderbund von 1881 und der Kölner Eifelverein 1888. Erst im Mai 1883 hatten sich 15 Vereine in Fulda zum „Verband Deutscher Touristen-Vereine“ (heute Deutscher Wanderverband) zusammengeschlossen.

Die erste Wanderung des Krefelder Wanderbundes führte „nach Kempen via Schicks, Bockdorf“. Fortan wurde regelmäßig – zunächst donnerstags – gewandert. Organisiert wurden wöchentliche Wanderungen im Großraum Krefeld. Dabei galt bis Anfang des 20. Jahrhunderts der Wahlspruch „Keinerlei Unwetter hindert“ (handschriftlicher Zusatz J. Junkers auf dem Protokoll der ersten Wanderung). Nach mehrfachen Änderungen lautet dieses Motto heute: „Ob es stürmt oder schneit, ob es regnet oder gewittert, es wird gewandert, und nicht gezittert.“

Bis Februar 2026 wurden mehr als 7.500 Wanderungen dokumentiert.

Vereinsleben Mitgliedschaft Dem Ursprungsgedanken eines Honoratiorenbundes folgend, wählen die Wanderfreunde seit der Gründerzeit nur Herren als Mitglieder aus, die in ihrem Berufsleben an verantwortlicher Stelle stehen oder standen. Heute erfolgt die Aufnahme meist erst nach Eintritt in den Ruhestand. Die Aufnahmevorschläge erfolgen aus den Reihen der Mitglieder. Die Baasschaft und der Kandidat führen ein Gespräch, nach dem in gegenseitigem Einverständnis der Kandidat den Mitgliedern zur Aufnahme vorgeschlagen wird. Danach schließen sich drei „Probewanderungen“ an, im Rahmen derer Kandidat und Wanderbund ihre Eignung füreinander testen können.

Unabhängig von diesem Aufnahmeverfahren bietet der Bund für interessierte Herren unverbindliche „Gastwanderungen“ an.

Baasschaft Geleitet wird der Bund von der sogenannten „Baasschaft“: Der alle vier Jahre von den Mitgliedern gewählte „Baas“ trägt die Verantwortung, beispielsweise für die Festlegung der Wanderziele und die Terminorganisation; seine Entscheidungen sind bindend. Zu seiner Unterstützung wählt er den Vize-Baas, den Kassenwart (Mitgliederliste, Kontoführung), den Wanderführer (legt quartalsweise die Wanderpläne fest), den Kartenwart (pflegt und digitalisiert das vorhandene Kartenmaterial) und den „Kulinarikwart“ (zuständig für die Organisation des körperlichen Wiederaufbaus nach Wanderungen durch Speis und Trank).

Wanderziele Gewandert wird jeden Mittwoch, hauptsächlich im erweiterten Großraum Krefeld, aber auch bis in holländisches Grenzgebiet. Die zweistündigen, zwischen 10 und 8 km langen Wanderungen enden stets mit gemeinsamen Gesprächen bei einer Kaffeerast. Zusätzlich werden pro Jahr vier Ganztages- und zwei Dreitageswanderungen zu landschaftlich und kulturell besonders reizvollen Zielen angeboten.

Vereinsleben Neben der Teilnahme an den Wanderungen und der nachwanderlichen Kaffeerast wird der soziale Zusammenhalt durch eine Reihe Veranstaltungen zusammen mit den Partnerinnen der Mitglieder gefördert. Nach gemeinsamen Wanderungen finden gesellige Veranstaltungen mit gemeinsamem Essen statt. Diese Veranstaltungen sind wesentliche Höhepunkte des Wanderjahres. Das Mitwirken der Partnerinnen hat einen erheblichen Anteil am sozialen Zusammenhalt.

Ehrungen mini|Eichendorff-Plakette mit Verleihungsurkunde Im Jahr 1900 wurde für den Gründer des Krefelder Wanderbundes, Johannes Junkers, auf dem Hülser Berg an der Bergschänke ein Denkmal errichtet.

Am 23. November 1984 verlieh der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker dem Krefelder Wanderbund die Eichendorff-Plakette, die höchste staatliche Auszeichnung für Gebirgs- und Wandervereine in Deutschland. Der Auszeichnung erfolgte „für die in langjährigem Wirken erworbenen besonderen Verdienste um die Pflege und Förderung des Wanderns, des Heimatgedankens und des Umweltbewußtseins“.Eichendorff-Plakette in Etui und Verleihungsurkunde des Bundespräsidenten; Verzeichnungseinheit Stadtarchiv Krefeld, 80/22 / Krefelder Wanderbund, Nr. 80/22/62.

Publikationen (Auswahl) 300ste bis 500ste Wanderung des Krefelder Wanderbundes. Dezember 1889 bis Oktober 1893 nebst Mitgliederverzeichnis und Reihenfolge der Wanderungen. Kramer & Baum, Krefeld 1893. 500ste bis 700ste Wanderung des Krefelder Wanderbundes. Oktober 1893 bis August 1897 nebst Mitgliederverzeichnis und Reihenfolge der Wanderungen. Kramer & Baum, Krefeld 1898. 700ste bis 1000ste Wanderung des Krefelder Wanderbundes. August 1897 bis Mai 1903 nebst Mitgliederverzeichnis. Kramer & Baum, Krefeld 1903. Zum 25jährigen Bestehen des Krefelder Wanderbundes den 18. Oktober 1908; 1883–1908. Kramer & Baum, Krefeld 1908. 1000ste bis 1500ste Wanderung des Krefelder Wanderbundes. Mai 1903 bis September 1912 nebst Mitgliederverzeichnis. Kramer & Baum, Krefeld 1912. 100 Jahre Krefelder Wanderbund 1883–1983. Gerhard Krause, mit Grußwort des Bundespräsidenten Karl Carstens, gedrucktes Manuskript für die Mitglieder und Freunde des Wanderbundes, gedruckt von Richard Scherpe. Krefeld 1983. 125 Jahre Krefelder Wanderbund 1883–2008. Scan + Proof GmbH, Krefeld 2008.

Einzelnachweise

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