Voices of Israel (VoI, deutsch: „Stimmen Israels“) ist eine israelische Nonprofit-Organisation, die 2018 zur Bekämpfung der BDS-Bewegung und der „Delegitimierung“ Israels gegründet wurde. Die Organisation entstand auf Initiative des israelischen Ministeriums für strategische Angelegenheiten zunächst unter dem Namen Kela Shlomo (hebräisch für „Salomons Schleuder“), wurde später in Concert umbenannt und firmiert seit 2022 unter dem aktuellen Namen. Sie sollte pro-israelische Advocacy-Aktivitäten koordinieren und durch staatliche Matching Funds private Spenden verstärken. Die Organisation war mehreren israelischen Ministerien zugeordnet, zuletzt dem Ministerium für Diaspora, das 2024 die Zusammenarbeit beendete.
Ihre Aktivitäten und Finanzierungsstrukturen wurden kontrovers diskutiert, insbesondere im Hinblick auf die Verschleierung staatlicher Herkunft von Geldern. Um rechtliche Hürden in den USA zu umgehen, wurden möglicherweise enge Verbindungen zum 2019 gegründeten Combat Antisemitism Movement aufgebaut, dessen genaue Rolle jedoch umstritten ist.
Gründung und Struktur
VoI wurde 2018 auf Initiative des israelischen Ministeriums für strategische Angelegenheiten zur Bekämpfung der BDS-Bewegung und der „Delegitimierung“ Israels als die public-benefit company Kela Shlomo (hebräisch für „Salomons Schleuder“) gegründet. In den folgenden Jahren wurde sie zweimal neu aufgelegt – zunächst unter dem Namen Concert, dann unter dem Namen Voices of Israel (VoI) – und jeweils anderen Ministerien zugeordnet, zunächst nämlich dem israelischen Außenministerium, zuletzt dem Ministerium für Diaspora, das schließlich Anfang 2024 die Zusammenarbeit beendete.
Die Organisation wurde geleitet durch einen unabhängigen Vorstand unter Micah Avni, dem Leiter des israelischen Kreditinstituts Peninsula Company, dessen Firmensitz auch als Sitz der Organisation eingetragen wurde; der Vorstand wiederum unterstand allerdings einem Lenkungsausschuss, zu dem als ständige Mitglieder auch der Generaldirektor, der Rechnungsprüfer und der Rechtsberater des Ministeriums für strategische Angelegenheiten gehörten.Vergleiche Die Zeitung Haaretz deckte außerdem auf, dass zur Führungsriege neben Avni auch politische Größen wie der ehemalige Generaldirektor des Außenministeriums Dore Gold, der ehemalige UN-Botschafter Israels Ron Prosor und der ehemalige Leiter des IDF-Nachrichtendienstes Amos Yadlin gehörten.Vergleiche
Die Organisation und das Strategieministerium selbst machten Mitarbeiterlisten, Spendernamen und viele geförderte Organisationen nicht öffentlich. Avni begründete dies mit dem Schutz vor „BDS-Angriffen“ auf Mitarbeiter und Spender. Das Ministerium selbst bekundete, dass die Verschleierung der Verbindung zur israelischen Regierung „ein wesentlicher Bestandteil“ der Operationen sei, da die „Identifizierung der Aktivitäten mit einer eindeutig mit dem Staat Israel verbundenen Einrichtung die erwartete Effektivität ihrer Aktivitäten erheblich beeinträchtigen“ würde. Kritiker sahen in der Organisation insgesamt den Versuch, die staatliche Herkunft von Advocacy-Aktivitäten zu verschleiern. Über ihr Wirken ist nur wenig bekannt.
Aktivitäten und Finanzierung
Nach eigenen Angaben sollte die Organisation die bisher fragmentierte Arbeit von pro-israelischen Organisationen strategisch bündeln und deren Effektivität durch gemeinsame Planung und Datenanalyse steigern. Dafür sollte zunächst analysiert werden, welche Organisationen mit der „Delegitimierung“ Israels befasst seien und wie jeweils am besten gegen sie vorgegangen werden könne. Daraufhin sollten Gegenmaßnahmen finanziert werden, indem private Spenden durch die gleiche Summe an staatlichen Mitteln („Matching Funds“) erhöht würden.
Durch die Zwischenschaltung von Concert sollten rechtliche Hürden zur Unterstützung dieser Organisationen in den USA umgangen werden. Insbesondere umgangen werden sollte der Foreign Agents Registration Act (FARA), der Organisationen in den USA, die im Auftrag ausländischer Regierungen tätig sind, darauf verpflichtet sich als „ausländische Agenten“ zu registrieren und ihre Aktivitäten offenzulegen. Zudem sollte sie es Spendern und Empfängern erleichtern, Gelder zu spenden und zu empfangen. Der damalige Direktor des Strategieministeriums, Ronen Manelis, erklärte: „Am Ende sieht man eine Banküberweisung von einer gemeinnützigen Organisation und keine Banküberweisung von der israelischen Regierung. Das ist die Idee dahinter“.Vergleiche Die israelische Regierung stellte bis zu 128 Millionen Schekel bereit, die dieselbe Summe privater Spenden matchen sollten.
Belegt sind unter den Aktivitäten von VoI in den Anfangsjahren die Finanzierung von Bildungsreisen nach Israel für Influencer und christliche Geistliche und vor allem von Recherchen durch die von Yossi Kuperwasser, einem ehemaligen Generaldirektor des Strategieministeriums, geführte und kurz nach Gründung ausgegliederte Schwesterorganisation Keshet David (hebräisch für „Davids Bogen“). Weitere dokumentierte Empfänger von Geldern sind zum Beispiel Christians United for Israel, Hasbara Fellowships, ELNET und verschiedene andere pro-israelische Advocacy-Gruppen; darunter auch die Organisation National Vision, die mit dem Fördergeld eine pro-israelische Perspektive in die englische Wikipedia einbringen und Advocacy-Videos auf Russisch produzieren sollte. Auch die Denkfabrik Institute for the Study of Global Antisemitism and Policy (ISGAP), die auch über andere Kanäle wesentlich durch die israelische Regierung finanziert wird, erhielt zeitweise den größten Teil ihrer Gelder über VoI. 2019 flossen zusätzliche Mittel über den Genesis-Preis an 26 Organisationen.
Verhältnis zum Combat Antisemitism Movement
Auch nach Gründung von Concert lehnten viele amerikanische Organisationen angebotene Gelder ab und spendeten Philanthropen nicht, da sie aufgrund von FARA befürchteten, als „ausländische Agenten“ registriert werden zu müssen oder der „doppelten Loyalität“ beschuldigt zu werden. Von den angezielten 256 Millionen Schekel wurden bis 2022 letztlich nur 23 Millionen Schekel von Spendern und Regierung eingeworben.
Im Strategieministerium wurde daher 2018 vorgeschlagen, eine weitere Nonprofit-Organisation zwischenzuschalten, die ihren Sitz in den USA haben sollte. Ein Jahr später wurde in den USA das Combat Antisemitism Movement gegründet. Es wurde von VoI als Partner einer Shared-Venture-Vereinbarung mit dem Ministerium genanntVergleiche noch und listete ihrerseits Concert und das Strategieministerium unter ihren Partnern; in ihrem Vorstand saßen neben israelischen Spitzenpolitikern und Sima Vaknin-Gill, die 2018 Generaldirektorin des Strategieministeriums gewesen war, noch mindestens zwei weitere Personen, die zuvor wichtige Funktionen im oder für das Ministerium wahrgenommen hatten.
Die Journalisten Lee Fang und Jack Poulson, die als erste auf diese Zusammenhänge hingewiesen hatten, beließen es bei diesen Hinweisen und machten zu Umfang und konkreter Ausgestaltung der Rolle von CAM keine weiteren Angaben.Ebenso Der Lobbyforscher David Miller dagegen bezeichnete im irannahen Medium Al Mayadeen auf dieser Grundlage CAM als „Front“ Israels, das in den USA als Bindeglied für Finanzflüsse zwischen VoI und amerikanischen Partnern fungiere.
Auf die Recherche von Fang und Poulson entgegnete CAM, man sei weder gegründet worden noch beeinflusst von der israelischen Regierung. Millers Artikel war parallel vom iranischen Sender Press TV zu einer Reportage ausgearbeitet worden; diese wies CAMs CEO Sacha Roytman als „schlecht gemachte Propaganda“ zurück.
Weblinks Homepage: voicesofisrael.org
Literatur
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Organisation (Israel) Kategorie:Interessenverband Kategorie:Gründung einer politischen Organisation 2018