Mélanie Lachièze-Rey (* 1962 in Lyon) ist eine französische Bildhauerin und Zeichnerin, die seit 1996 in Stuttgart lebt und arbeitet. Ihr künstlerisches Werk ist geprägt von der Entwicklung skulpturaler Formen aus der Linie und von einer engen Verbindung zwischen Zeichnung und Raum.

Leben Mélanie Lachièze-Rey studierte von 1980 bis 1981 Kunstgeschichte an der Universität Lyon II und absolvierte ein Praktikum als Schriftsetzerin. Von 1980 bis 1986 studierte sie Malerei an der École des Beaux-Arts de Valence und schloss es mit dem Diplôme National Supérieur d'Expression Plastique (DNSEP) ab. Von 1988 bis 1990 folgte ein Studium der Theologie an der Katholischen Universität Lyon. 1991 erhielt Lachièze-Rey im Rahmen eines Austauschprogramms ein Reisestipendium für das Institut français in Stuttgart, wo ihre Werke in ihrer ersten Einzelausstellung vorgestellt wurden. Seit 1996 lebt und arbeitet sie in Stuttgart, ab 2013 zusammen mit dem Künstler Platino. Seit 2020 ist Lachièze-Rey Mitglied im Künstlerbund Baden-Württemberg.

Werk Ab 1989 verlagerte die Künstlerin ihren Schwerpunkt auf den visuellen Körper und dessen skulpturale Form. In den 2000er-Jahren erweiterte sie ihre Praxis um Zeichnung und Skulptur, wobei Linien als Ausgangspunkt dienen, um organische Formen zu entwickeln, die schrittweise räumliches Volumen annehmen. Aus der bewussten Beschränkung auf Linie, Fläche und Raum entstand eine eigene und vielschichtige Formensprache.

Ihre Arbeitsweise beschreibt die Künstlerin selbst als einen Prozess, in dem Linien zu Volumen werden und sich kontinuierlich im Raum entfalten. Die Skulpturen entstehen Schicht für Schicht aus geschnittenen, verleimten und genagelten Furnierplatten, bis sie ihre endgültige Stärke, Tiefe, Bewegung und statische Stabilität erreichen. Jeder Skulptur geht eine Zeichnung als Entwurf voraus, die ihre Struktur bestimmt. Die weiß lackierten Innenflächen tragen dabei wesentlich zu ihrer Beständigkeit bei.

Lachièze-Rey betont den zentralen Stellenwert der Linie in ihrem Werk. Die meist symmetrisch angelegten organischen Formen gehen aus Linien hervor, die sich im Raum entwickeln, bewegen und schließlich materialisieren. Die Zeichnung ermöglicht ihr dabei eine freie Suche nach Formen, noch ohne die Einschränkungen der dritten Dimension. In einem nächsten Schritt wird die zweidimensionale Zeichnung auf dem Papier in eine dreidimensionale Skulptur übersetzt. Die so entstehenden Werke zeichnen sich durch abstrakt-organische und dynamische Formen aus und werden häufig direkt auf dem Boden platziert. Die inneren Flächen sind oft weiß lackiert und verleihen den Skulpturen zusätzliche Stabilität. Trotz ihrer klaren Struktur erscheinen die Arbeiten als rätselhafte Objekte, die weder figurativ noch rein abstrakt sind.

Die Künstlerin verfolgt dabei das Ziel, Formen zu entwickeln, die verschiedene Assoziationen zulassen, sich jedoch einer eindeutigen Deutung entziehen. Auf diese Weise lenken die Skulpturen die Aufmerksamkeit über mögliche Bedeutungen hinaus auf die Form selbst und regen zur reflektierenden Betrachtung an.

Lücke (2018) Mit diesem Werk aus Sperrholz, Leim, Spachtelmasse und Kunstharzlack erzeugt die Künstlerin sowohl bildlich als auch dem Titel nach eine „Lücke“ in der Wand, die ohne das Werk nicht vorhanden wäre. Durch die Spaltungen öffnet sich die Wand zu einem Innen- und Außenraum, was sich im Wechsel zwischen lackierten und unbehandelten Holzflächen ablesen lässt.

Stumm (2021) Die aus Sperrholz, Leim, Spachtelmasse und Kunstharzlack angefertigte Skulptur besteht aus hochglänzend lackierten Scheiben aus hellem und dunklem Sperrholz und bildet einen organisch-symmetrischen Körper mit sichtbarem innerem Hohlraum. Die einzelnen Teile der Skulptur werden abwechselnd größer und kleiner, wobei sich regelmäßige und unregelmäßige Formen miteinander verbinden und verändern. Durch die glänzende Oberfläche wirkt die Skulptur je nach Blickwinkel unterschiedlich und erscheint ständig in Bewegung.

Weitere Werke (Auswahl)

2009: )wss(, Sperrholz, Leim, Spachtelmasse und Kunstharzlack, Kunstmuseum Stuttgart (Dauerleihgabe Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg) 2010: o.w.o.w.o, Sperrholz, Leim, Spachtelmasse und Kunstharzlack 2011: og0, Bleistift und Buntstifte auf Papier 2011: 5X8M, Sperrholz, Leim, Spachtelmasse und Kunstharzlack 2012: (k), Bleistift und Buntstifte auf Papier 2012: 12 modules, Gouache und Bleistift auf Papier 2013: K, Holzskulptur aus Sperrholz, Leim, Spachtelmasse und Kunstharzlack 2013: (8(8)8), Sperrholz, Leim, Spachtelmasse und Kunstharzlack 2013: sondern, Bleistift und Bundstifte auf Papier 2014: (1), Bleistift und Bundstifte auf Papier 2014: (2), Bleistift und Bunstifte auf Papier 2014: (3), Bleistift und Buntstifte auf Papier 2014: dentelles et petites structures, Gouache und Bleistift auf Papier 2014: kind of transparency, Gouache und Bleistift auf Papier 2014: O. T., Gouache und Bleistift auf Papier 2014: petite structure pour rien, Gouache und Bleistift auf Papier 2014: petite structure pour rien II, Gouache und Bleistift auf Papier 2014: planche, Gouache und Bleistift auf Papier 2014: planche III, Gouache und Bleistift auf Papier 2014: profil I, Gouache und Bleistift auf Papier 2014: profil II, Gouache und Bleistift auf Papier 2014: quilles etc…, Gouache und Bleistift auf Papier 2014: 6 modules, Gouache und Bleistift auf Papier 2014: zum Beispiel, Gouache und Bleistift auf Papier 2014: 4 quilles noires, Gouache und Bleistift auf Papier 2015: ob… oder, Gouache und Bleistift auf Papier 2015: ombre portée bleue, Gouache und Bleistift auf Papier 2015: punkt, Gouache und Bleistift auf Papier 2015: quelque chose comme ça, Gouache und Bleistift auf Papier 2015: quelque chose comme ça II, Gouache und Bleistift auf Papier 2015: quilles blanches, Gouache und Bleistift auf Papier 2015: quilles et résilles, Gouache und Bleistift auf Papier 2015: quilles et résilles II, Gouache und Bleistift auf Papier 2015: quilles et viva, Gouache und Bleistift auf Papier 2015: um herum, Gouache und Bleistift auf Papier 2015: un & plus, Sperrholz, Leim, Spachtelmasse und Kunstharzlack 8s8, Holzskulptur aus Sperrholz, Leim und Mastix

Gruppenausstellungen (Auswahl)

1983: Galerie Ekei, Lyon2 1985: Personnages et paysages rapprochés, Châteauvillain 1986: Sculptures – Peintures, École des Beaux-Arts de Valence, Valence 1988: Centre Culturel de Villeurbanne, Villeurbanne 1988: Le métier du peintre, Musée de Valence, Valence 1989: Angle Art Contemporain, Saint-Paul-Trois-Châteaux 1990: Semaine Contemporaine, Montélimar 1991: Galerie Lydie Rekow, Crest 1991: 7 junge Künstler aus Rhône-Alpes, Ausstellung des Künstlerbunds Baden-Württemberg – Galerie Unterm Turm, Stuttgart 1993: Art Basel, Galerie Lydie Rekow, Crest 1994: Six artistes une exposition, Villa du Parc, Annemasse 1994: Fragmente – Lumières, Galerie Christof Weber, Berlin 1995: Traits hors des Chemins, Dessin contemporain, Musée de Valence, Valence 1997: Fonds d’art Contemporain Frontière$, Médiathèque Jean Levy, Lille 1997: Pierrette Bloch/Mélanie Lachièze-Rey, Atelier/Galerie, Lille 1997: Mélanie Lachièze-Rey/Platino, Nouvelle Galerie, Grenoble 1998: Mélanie Lachièze-Rey/Platino, Atelier Wilhelmstrasse 16 e. V., Stuttgart 1999: Der fremde Garten, Württembergischer Kunstverein Stuttgart, Stuttgart 2000: Lettres d’artistes, Galerie Trans, Romans 2000: NahFern, Dortmunder Kunstverein, Dortmund 2001: Mélanie Lachièze-Rey/Platino, Galerie der Stadt Waiblingen & Museum der Stadt Waiblingen, Waiblingen 2001: Pour la beauté du geste, Galerie Trans, Romans 2001: Lettres d’artistes, Espace Pandora, Vénissieux 2001: Rencontre, Galerie Lydie Rekow, Crest 2001: L’intimité à vendre, Jubiläumsausstellung Institut Français, Stuttgart 2002: Langages Plastiques, Médiathèque Publique et Universitaire de Valence und Médiathèque Départementale de la Vallée de la Drôme, Valence 2002: Dedans – Dehors, Galerie Frontière$, Lille 2003: Offene Ateliers, Atelier Wilhelmstrasse 16 e. V., Stuttgart 2004: Comme un serpent qui danse, Sympra GmbH, Stuttgart 2003 »Bildermacher« Kunstverein Neuhausen e. V., Neuhausen auf den Fildern 2004: Atelier Wilhelmstrasse e. V., Stuttgarter Kunstverein e. V., Stuttgart 2004: 20 Jahre Dortmunder Kunstverein, Dortmunder Kunstverein, Dortmund 2005: Sichtung, Jahresausstellung der Künstlermitglieder, Württembergischer Kunstverein Stuttgart, Stuttgart 2006: Zeichnungen, Jahresausstellung der Künstlermitglieder, Württembergischer Kunstverein Stuttgart, Stuttgart 2007: Amour, Médiathèque Jules Verne, La Ricamarie 2007: Wasserzeichen, Shedhalle Tübingen e. V., Tübingen 2009: Nicht Ruhe geben, bevor die Erde quadratisch ist - Skulpturen der Sammlung Marli Hoppe-Ritter, Museum Ritter, Waldenbuch sowie Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund, Berlin 2009: Querschnitt, Kunstbezirk, Galerie im Gustav-Siegle-Haus, Stuttgart 2009: Rites de passages, Kunstverein Neuhausen e. V., Neuhausen auf den Fildern 2011: Body Space, Kunstverein Neuhausen e. V., Neuhausen auf den Fildern 2013: Doppelblock, Kunstverein Neuhausen e. V., Neuhausen auf den Fildern und Kunstverein Gästezimmer e. V., Stuttgart 2013: Das Antlitz!, Ausstellung der Künstlermitglieder des Württembergischer Kunstvereins Stuttgart, Stuttgart 2014: Art Karlsruhe, Galerie Anja Rumig 2014: The French Connection: Martina Kramer, Mélanie Lachièze-Rey, Antje Smollich, Städtische Galerie KUBUS, Hannover 2016: Differenzierbare Mannigfaltigkeiten, Württembergischer Kunstverein, Stuttgart 2016: fabelhaft, Kunstverein Landshut, Landshut 2016: ja natürlich, Städtische Galerie Ostfildern, Ostfildern 2016: Nothing Special, Kontur. Kunstverein Stuttgart e.V. (ADKV), Stuttgart Galerie im Gustav-Siegle-Haus, Stuttgart 2017: näherung, Atelier Wilhelmstraße 16, Stuttgart 2017: Präsenz, Kritik, Utopie, Württembergischer Kunstverein, Stuttgart 2019: Blasenflieger, Städtische Galerie im Kornhaus, Kirchheim unter Teck 2019: Könnte aber doch, Württembergischer Kunstverein, Stuttgart 2019–20: Momente des Übertragens und Speicherns, AKKU Projektraum, Künstlerbund Baden-Württemberg 2020: Künstlerpaare, Galerie Schlichtenmaier, Stuttgart 2023: close distance: Mélanie Lachièze-Rey und Michelin Kober, Kunstraum 34, Stuttgart 2025: Auswärts punkten, Atelier Wilhelmstrasse 16 e. V., Stuttgart 2025–26: Same Place, Different Time - 70 Years of the Künstlerbund Baden-Württemberg, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, Baden-Baden

Einzelausstellungen (Auswahl)

1992: Institut Français, Stuttgart 1993: Galerie Angle, Saint-Paul-Trois-Châteaux 1993: Galerie Lydie Rekow, Crest 1995: Artothèque de Valence, Valence 1995: Galerie Lydie Rekow, Crest 1996: Dessins, peintures, Insa, Villeurbanne 2009: Mélanie Lachièze-Rey: Skulptur, GEDOK, Stuttgart 2013: Mélanie Lachièze-Rey: überbordend, Holzskulpturen, Kunstverein Biberach zu Gast bei Vollmer, Biberach 2014–15: Ähnlich und anders, Galerie Anja Rumig, Stuttgart 2015: die möglichkeit einer form - la possibilité d’une forme, Stiftung Centre Culturel Franco-Alleman, Karlsruhe 2018: moving, Radial Art Contemporain, Straßburg 2022: Mélanie Lachièze-Rey, Galerie der Stadt Tuttlingen, Tuttlingen

Werke in öffentlichen Sammlungen

Kunstmuseum Stuttgart

Preise und Auszeichnungen

1991: Artist-in-Residence am Institut Français Stuttgart im Rahmen eines Austauschprogramms mit der Region Rhônes-Alpes 1995: Stipendium der Direction régionale des affaires culturelles Auvergne Rhône-Alpes 2013–14: Artist-in-Residence in der Cité Internationale des Arts Paris

Rezeption In den Ausstellungskatalogen wird Lachièze-Reys Werk kunsttheoretisch eingeordnet. So beschreibt der Katalog zur Ausstellung Skulptur & Zeichnung ihre Holzskulpturen als „Volumen gewordene Linien“, die sich kontinuierlich im Raum entwickeln und schrittweise in Form und Statik ausgearbeitet werden.