Die Farmers’ Party (oder Farmers’ Union, ) war eine agrarisch geprägte politische Partei in Irland. Sie bestand von 1922 bis 1932.

Geschichte 1919 entstand als Verband der irischen Landwirte die Irish Farmers’ Union. In der Sinn Féin fanden die Landwirte nur einen geringen Widerhall. Nach der Etablierung eines revolutionären Parlaments, des Dáil Éireann, 1918 und seiner erneuten Wahl 1921, zeigte sich, dass sich die Landwirte mehrheitlich hinter den Anglo-Irischen Vertrag stellten. Um sich von der gespaltenen Sinn Féin abzusetzen, entschied sich die Farmers’ Union, mit eigenen Kandidaten und einer eigenen Partei bei den Wahlen 1922 anzutreten.

Wahlen 1922 Bei den Wahlen 1922 gelang es, sieben Abgeordnete (Teachta Dála) in den Dáil zu bringen. So zogen für die Wahlkreis Cork East John Dinneen und das übrige Umland von Cork Daniel Vaughan, für das Umland von Dublin John Rooney sowie für die Wahlkreise Kildare–Wicklow Richard Wilson, für Carlow–Kilkenny Denis Gorey, für Waterford–Tipperary East Daniel Byrne und für Wexford Michael Doyle ein. Den Vorsitz der Partei nahm Denis Gorey ein.

Schon bei den Wahlen 1922 zeigte sich, dass sich die Wählerschaft der Farmers’ Party vor allem aus den wohlhabenderen ländlichen Gebieten, d. h. im Umland von Cork und dem westlichen und südlichen Bereich um Dublin, rekrutierte.

Wahlen 1923 Bei den Wahlen 1923 erzielte die Farmers’ Party ihren größten Erfolg und konnte insgesamt 15 Abgeordnete in den 4. Dáil entsenden. Sie war damit die drittgrößte Fraktion im Dáil nach der Cumann na nGaedheal und der republikanischen Sinn Féin. Gewählt wurden Denis Gorey, Patrick F. Baxter (Cavan), Conor Hogan (Clare), John Dinneen (Cork East), Daniel Vaughan (Cork North), Timothy J. O’Donovan (Cork West), John White (Donegal), John Conlan (Kildare), Patrick Hogan (Limerick), Patrick McKenna (Longford–Westmeath), Patrick Mulvany (Meath), Michael Heffernan (Tipperary), Nicholas Wall (Waterford), Michael Doyle (Wexford) und Richard Wilson (Wicklow).

Die parlamentarische Gruppe der Farmers’ Party näherte sich unter Denis Gorey der Cumann na nGaedheal an, während Teile der Basis den Protektionismus favorisierten und ab 1926 mit der Gründung der Fianna Fáil eine größere Nähe zu dieser Partei anstrebten. Denis Gorey trat kurz vor den Wahlen 1927 zur Cumann na nGaedheal über.

Wahlen Juni 1927 Als am 9. Juni 1927 der fünfte Dáil gewählt wurde, war die Teilung zwischen den protektionistisch geprägten kleineren Landwirten und den konservativ geprägten Großlandbesitzern. Nachdem Denis Gorey die Partei verlassen hatte, übernahm Timothy O’Donovan die Führung in der parlamentarischen Fraktion. Für die Partei selbst übernahm Patrick Baxter eine kurze Zeit den Vorsitz. Bei den Wahlen im Juni 1927 erzielte die Farmers’ Party noch elf Sitze. Sie wurde damit viertstärkste Kraft im Parlament nach Cumann na nGaedheal, Fianna Fáil und der Labour Party. Gewählt wurden Richard Holohan (Carlow–Kilkenny), Patrick F. Baxter (Cavan), Thomas Falvey (Clare), David O’Gorman (Cork East), Daniel Vaughan (Cork North), Timothy J. O’Donovan (Cork West), John White (Donegal), Michael Carter (Leitrim–Sligo), Hugh Garahan (Longford–Westmeath), Michael Heffernan (Tipperary) und Michael Doyle (Wexford).

Die Mehrheitsverhältnisse im Dáil waren problematisch. Im August 1927 kam es zu einer Vertrauensabstimmung bzw. zu einem Misstrauensantrag gegen die Minderheitsregierung der Cumann na nGaedheal, die von der Famers’ Party gestützt wurde. Der Misstrauensantrag schlug fehl und die Cumann na nGaedheal fühlte sich durch zwei weitere gewonnene Nachwahlen gestärkt. Es kam schon im September 1927 zu Neuwahlen.

Wahlen September 1927 Die Wahlen im September 1927 waren eine weitere Niederlage der Farmers’ Party. Sie büßte weitere fünf Sitze im Vergleich zum Juni 1927 ein und entsendete nur noch sechs Abgeordnete in den Dáil. Den Partei- und Fraktionsvorsitz übernahm Michael Heffernan. Die Farmers’ Party wurde Koalitionspartner in der Regierung mit der Cumann na nGaedheal. Michael Heffernan wurde Parlamentarischer Sekretär im Postministerium.

Gewählt wurden Richard Holohan (Carlow–Kilkenny), Daniel Vaughan (Cork North), Timothy J. O’Donovan (Cork West), John White (Donegal), Michael Heffernan (Tipperary) und Michael Jordan (Wexford).

Die Politik der bis zu den Wahlen 1932 stabilen Regierung bedeutete für die Farmers’ Party ein weiteres Auseinanderklaffen der Strömungen. Die der parlamentarischen Gruppe nahestehenden Großbauern tendierten weiterhin zur Cumann na nGaedheal, während die Kleinbauern der Fianna Fáil zustrebten. Die Farmers’ Party verlor dadurch im Wesentlichen ihre Basis, ohne dass damit ein Bruch im parlamentarischen System provoziert worden wäre. 1932 traten dann auch Heffernan und White schließlich für die Neuwahlen zur Cumann na nGaedheal über. Holohan wechselte zur National Centre Party. Vaughan und Timothy O’Donovan blieben zunächst bei der Farmers’ Party, wechselten später 1932 dann zur National Centre Party (ähnlich John O’Hanlon und John O’Shaughnessy).

Wahlen 1932 Die politischen Spannungen innerhalb der Partei hatten die Farmers’ Party marginalisiert. Sie konnte bei den Wahlen 1932 noch einmal drei Abgeordnete in den 7. Dáil entsenden. Das waren Daniel Vaughan (Cork North), Timothy O’Donovan (Cork West) und John O’Shaughnessy (Limerick). Doch schon im Laufe des Jahres 1932 war klar, dass sich die Farmers’ Party auflösen würde, sodass die parlamentarischen Mitglieder sich zur National Centre Party orientierten.

Auflösung 1932 und vereinzelte Neugründungen Die verbliebenen Vertreter im Dáil hatten keine Basis mehr. Es kam daher zur Auflösung der Partei Ende 1932. Schon zuvor hatten sich protektionistische Kreise abgespalten und regionale Gruppen gegründet. Die National Farmers and Ratepayers League bildete die National Centre Party im September 1932, der die drei verbliebenen Abgeordneten der Farmers’ Party und zahlreiche Unabhängige des Dáils beitraten. Frank MacDermot aus Roscommon und James Dillon aus dem Donegal führten die Partei an, die sich jedoch schon 1933 mit der Cumann na nGaedheal zur Fine Gael zusammenschloss. 1939 versuchten Landwirte, mit der Clann na Talmhan eine neue Bauernpartei aufzusetzen. Aber auch diese endete ähnlich der Farmers’ Party 1965.

Wahlergebnisse + Sitze der Farmers’ Party Wahlen Sitze Veränderung StimmenStimmen nach dem Prinzip der übertragbaren Einzelstimmgebung Parteivorsitzender 1922 +8 48.718 Denis Gorey 1923 +7 127.184 Denis Gorey Juni 1927 −4 101.955 Michael Heffernan September 1927 −5 74.626 Michael Heffernan 1932 −3 22.899

Neugründung einer Farmers’ Alliance 2023 wurde mit der Farmers’ Alliance eine neue agrarisch geprägte Partei unter der Führung von Liam McLaughlin (Donegal) gegründet. Sie zeichnet sich durch ein populistisches, europaskeptisches, einwanderungsfeindliches Programm aus. Bei den Wahlen zum Dáil Éireann 2024 blieb die Partei mit landesweit 234 Erstpräferenz-Stimmen jedoch marginalisiert.

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Historische Partei (Irland) Kategorie:Parteigründung 1922 Kategorie:Aufgelöst 1932