mini|Mabe Fratti (2024) Mabe Fratti (* 13. Februar 1992) ist eine guatemaltekische Cellistin, Sängerin und Komponistin. Sie ist für ihre experimentelle Pop- und Avantrock-Musik bekannt. Hierzu zählen die Solowerke Se ve desde aquí und Sentir que no sabes sowie Stücke des Duo-Projekts Titanic mit Héctor Tosta.
Leben und Wirken Fratti wuchs in Guatemala in einem neo-pfingstkirchlichen Umfeld auf, erhielt eine klassische Cellistinnenausbildung und erlebte frühe Ekstase- und Improvisationspraxis im Kirchenkontext. In ihrer Jugend weitete sie ihre Hörgewohnheiten über das Elternhaus hinaus aus und entdeckte über Tauschbörsen und Zufallsfunde – von György Ligeti bis zu Jacqueline du Pré – neue Klangwelten. Über eine Residenz des Goethe-Instituts gelangte sie erstmals nach Mexiko-Stadt, wo sie die dortige Impro-Szene kennenlernte und sich bald dauerhaft niederließ. Dort arbeitete sie mit Gudrun Gut und dem Noise-Künstler Julian Bonequi und fand in der Szene um das Venue Jazzorca eine kollaborative Basis.
Sie lernte den venezolanischen Gitarristen Héctor Tosta kennen, mit dem sie privat und künstlerisch verbunden ist. Neben ihrer Solokarriere ist sie Teil des improvisationsbasierten Quartetts Amor Muere (mit Camille Mandoki, Gibrana Cervantes und Concepción Huerta). Als Gastkuratorin prägte Fratti 2024 das niederländische Festival Le Guess Who? mit einem Fokus auf die experimentelle Szene Mexikos.
Frattis Ästhetik liegt zwischen elektroakustischer Cello-Arbeit, freier Improvisation und spanischsprachiger Liedkunst; als Referenzen fallen häufig Arthur Russell und Talk Talk. Mit Se ve desde aquí schärfte sie diese Sprache zu einer kargeren, zugleich intensiven Form und arbeitete mit Héctor Tosta und Gibrán Andrade. Auf Sentir que no sabes bewegte sie sich 2024 stärker in Richtung klarer Pop- und Rock-Silhouetten, ohne ihre Neigung zum Rätselhaften aufzugeben. Zugleich erschien 2023 das von Tosta komponierte Duo-Debüt Vidrio des Projekts Titanic und kurz darauf das Album A Time to Love, a Time to Die von Amor Muere. Beim Rewire Festival 2024 zeigte Fratti diese beiden Formate in Den Haag – ein gefeiertes Amor Muere-Set sowie die Premiere von Titanic – und erhielt herausragende Resonanz.
Als Titanic veröffentlichten Fratti und Tosta anschließend das zweite Album Hagen, das ihre barock-artpopaffinen Arrangements in detailreiche Popsongs bündelt. Kritiken hoben Hagen als subgenre-übergreifendes Pop-Labor hervor. Frattis künstlerisches Selbstverständnis betont den produktiven Wert von Zweifel und Instinkt; Unsicherheit begreift sie als Antriebskraft ihrer Arbeit. Sie ist bei großen Festivals präsent, darunter Primavera Sound und das Roskilde Festival.
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