mini|Evangelische Stadtkirche Oberndorf a.N. Die Evangelische Stadtkirche in Oberndorf am Neckar, Landkreis Rottweil, Baden-Württemberg, wurde 1914 bis 1916 nach Plänen von Martin Elsaesser errichtet und wirkt durch ihre exponierte Hanglage stadtbildprägend für Oberndorf.

Geschichte In die einst vorderösterreichische rein katholische Stadt Oberndorf zogen nach dem Übergang an Württemberg evangelische Arbeiter der Württembergischen Gewehrfabrik zu. In der bislang als Lager genutzten Augustinerklosterkirche richtete man 1820 einen Betsaal ein. 1836 wurde in Oberndorf eine eigene Pfarrei errichtet.

Am 15. Oktober 1915 wurde der Grundstein für die Evangelische Stadtkirche gelegt, die dann bis 1916 als Neubau errichtet und am 10. Dezember 1916, dem 2. Advent, eingeweiht wurde.

1953 brannte die Kirche. Durch das Löschwasser und die daraus folgende hohe Luftfeuchtigkeit erlitten der Raum und insbesondere die Orgel schwere Schäden. Wegen der Hanglage und der damit verbundenen schlechten Erreichbarkeit wurde in den 1960er-Jahren erwogen, die Stadtkirche abzubrechen. Dieses Unterfangen wurde aber wieder verworfen. 1992 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Da sie vom Verfall bedroht war, wurde die Stadtkirche von 2002 bis 2008 grundlegend saniert. Dabei wurde zur besseren Zugänglichkeit eine Aufzugsanlage angebaut.

Zur evangelischen Kirchengemeinde gehören die Ortsteile Altoberndorf, die Talstadt mit der Webertalsiedlung, die Oberstadt, der alte und neue Lindenhof sowie der Ortsteil Beffendorf.

Architektur und Ausstattung mini|Kirchturm Elsaesser kombinierte Jugendstil-Elemente und die Formensprache der Reformarchitektur. Der weiß verputzte, mit schmalen Seitenfenstern versehene Bau wurde aus Backsteinmauerwerk auf Umfassungsmauern aus Stampfbeton errichtet. Der Kirchenraum ist als dreischiffige Wandpfeilerkirche gegliedert. Die Quertonnengewölbe der Seitenschiffe strecken den Raum in die Breite, während die Seitenemporen die Längsachse strecken.

An der halbhohen Wand hinter dem Altar befinden sich Wandgemälde von Rudolf Yelin d. Ä. Das Schnitzwerk an der Kanzel erzählt die Schöpfungsgeschichte.

Das große Bogenfenster an der Ostseite ist mit vielgestaltigen Glasmalereien von Käte Schaller-Härlin gestaltet.

Orgel 1916 errichtete die Orgelbaufirma Walcker als Opus 1876 eine spätromantische Orgel mit 28 Registern auf zwei Manualen und Pedal; die Prospektgestaltung wurde von Martin Elsaesser entworfen, an der Disposition wirkten der Stuttgarter Stiftskirchenorganist Arnold Strebel und Sigfrid Karg-Elert mit, der auch 1920 ein Konzert auf dieser Orgel gab. Nachdem die Orgel beim Kirchenbrand 1953 schwer beschädigt worden war, wurde als Ersatz eine digitale Orgel angeschafft; das verbleibende Orgelwerk (ca. 30 %) wurde in den 1970er-Jahren abgebaut und eingelagert. Da die Digitalorgel klanglich unbefriedigend ist, plant die Gemeinde den Wiederaufbau der Pfeifenorgel am alten Standort auf der Empore und unter Verwendung der noch vorhandenen alten Walcker-Orgelpfeifen mit Ergänzung eines Fernwerks zur Erweiterung der Klangfarbenpalette im Sinne des in Oberndorf geborenen Komponisten Sigfrid Karg-Elert. Zu diesem Zweck gründeten sich 2017 die „Orgelfreunde Stadtkirche Oberndorf“. 2022 stellten die Orgelbaufirmen Mühleisen, Klais und Lenter ihre Entwürfe vor.

Literatur

Weblinks

Website der Kirchengemeinde

Einzelnachweise

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