Bertha Emilie Mehlig (verheiratete Brunner; * 2. November 1860 in Stuttgart; † 6. Mai 1920 in MagdeburgSterbeeintrag 1179/20 vom 7. Mai 1920 im Sterbeverzeichnis Magdeburg-Altstadt, Band 3, 1920) war eine deutsche Pianistin.
mini|Bertha Mehlig vor 1880
Leben Bertha Mehlig wurde als letztes von fünf Kindern von Heinrich Mehlig und Emilie Mehlig (geb. List) in Stuttgart geboren. Ihr Vater war Chorist am Stuttgarter Hoftheater, und die Familie verfügte nur über sehr bescheidene finanzielle Mittel. Ihre älteste Schwester Anna Mehlig war zum Zeitpunkt von Berthas Geburt seit zwei Jahren Vorzeigeschülerin des neugegründeten Stuttgarter Konservatoriums und ihres Klavierlehrers Sigmund Lebert.
Über Mehligs frühe Jahre und erste musikalische Bildung ist wenig bekannt. Fest steht, dass sie ab 1874 bei den jährlich stattfindenden Prüfungskonzerten des Stuttgarter Konservatoriums auftrat und sofort das Interesse der Fachpresse erlangte.
Künstlerische Karriere Im Jahr 1878 trat sie zu Ehren des Geburtstags von König Karl (Württemberg) in einem Konzert auf. Am 11. Oktober 1878 durfte sie zum ersten Mal in einem Konzert ihrer Schwester Anna Mehlig in der Stuttgarter Liederhalle mitwirken. Sie spielten gemeinsam ein Werk für zwei Klaviere von Carl Reinecke über Motive aus Robert Schumanns „Manfred“. Besonders der Rezensent der Musikzeitschrift Signale für die musikalische Welt war vom Talent beider Schwestern gleichermaßen begeistert. Auch der Schwäbische Merkur hebt die hohe Qualität der musikalischen Darbietungen besonders hervor. Das Neue Tagblatt schrieb über den Auftritt:
Bald darauf gastierten die Schwestern in Karlsruhe, Heidelberg, Pforzheim und Herrenalb. Bertha trat dabei auch mit Solo-Darbietungen hervor. Meist wählte sie dafür Kompositionen von Johann Nepomuk Hummel, Adolf von Henselt, Frédéric Chopin oder eine von Franz Liszt bearbeitete Bach-Fuge.
In den ersten zwei Monaten des Jahres 1880 gastierten Bertha und Anna Mehlig in Tübingen, Karlsruhe, Mainz, Magdeburg, Berlin, Halle an der Saale und Leipzig. Überall feierte die Presse sie für die Ebenbürtigkeit der beiden Pianistinnen. Am 21. Februar 1880 traten sie gemeinsam in der Berliner Sing-Akademie (Maxim Gorki-Theater) zusammen mit dem Cellisten Robert Hausmann auf. Das Leipziger Konzert im Gewandhaus wurde von Carl Reinecke dirigiert, unter dessen Leitung die Schwestern seine „Manfred“-Bearbeitung für zwei Klaviere und Orchester aufführten.
Leben nach Ende ihrer Konzerttätigkeit Während ihres Engagements in Magdeburg lernte Bertha Mehlig den Kaufmann Johannes Brunner (Winnebergsches Palais) kennen, der im März um ihre Hand anhielt. Mit der Verlobung war ein sofortiges Auftrittsverbot verbunden, weshalb sie nicht wie geplant mit ihrer Schwester nach London reisen konnte. Offenbar wollte Johannes Brunner mit dieser Vorbedingung zur Heirat die sozialen Erwartungen, die mit einer bürgerlichen Ehe verknüpft waren, erfüllen. Am 24. Februar 1886 wurde ihre Tochter Marianne Brunner geboren und 1891 der Sohn Adolf Heinrich „Hans“ Brunner. 1908 wurde Johannes Brunner zum Vorsitzenden der Handelskammer Magdeburg gewählt. 1906 erhielt er den Roten Adlerorden dritter Klasse.
Mit seinem Tod im Jahr 1910 übernahm Bertha Mehlig die gesetzliche Vertretung ihres Sohnes, um die Übertragung des Familienunternehmens auf ihn zu ermöglichen. Sie starb 1920 im Winnebergschen Palais (Domplatz 7) in Magdeburg und wurde auf dem Magdeburger Westfriedhof, dessen Mitstifterin sie war, begraben.
Weblinks Freia Hoffmann: Mehlig, Bertha (Elise), verh. Brunner Sophie Drinker Institut
Einzelnachweise
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