mini|Miniatur aus dem Codex Manesse betitelt: Heinrich von Tettingen Heinrich von Tettingen (urkundlich erwähnt zwischen 1259 und 1291) war Lyriker des Deutschen Mittelalters. Seine Werke sind im Codex Manesse überliefert. Weil er vermutlich um Klingnau/Döttingen in der heutigen Schweiz gelebt hat, wird er als Schweizer Minnesänger bezeichnet.
Leben und historische Einordnung Die Zuordnung Heinrichs zu einer konkreten historischen Person ist nicht zweifelsfrei. In der Forschung werden drei mögliche Familien diskutiert: eine erste an der Aare bei Klingnau, eine zweite am Bodensee und eine dritte im Breisgau. Das Deutsche Literatur-Lexikon verortet Heinrich in der Familie aus Alt-Dettingen, heute ein Stadtteil von Konstanz am Bodensee. Diese Ansicht wird bis heute weitgehend vertreten auch wenn in der dafür zitierten Quelle Zweifel darüber geäussert werden.
Eine neuere Arbeit ordnet Heinrich von Tettingen mit hoher Wahrscheinlichkeit einem anderen Kandidaten zu, nämlich einem Heinrich aus dem aargauischen Ministerialengeschlecht von Tettingen im Raum Klingnau. Dieser Arbeit zufolge stand die Familie des mutmasslichen Minnesängers im Dienst der Freiherren von Klingen und war eng in deren Herrschafts- und Verwaltungsstrukturen eingebunden. Heinrich gehörte damit dem niederen Adel um Klingnau an der Aare an und bewegte sich im politisch wie kulturell aktiven Umfeld der Freiherren von Klingen.
Der Vater dieses Heinrich war Hartlieb von Tettingen, ein Ministerialer, der spätestens in den 1240er Jahren in Klingnau nachweisbar ist und dort Vogteirechte ausübte. Sein Onkel Konrad I. von Tettingen war Ritter, urkundlich zwischen 1247 und 1257 belegt und vor 1259 verstorben. Weitere Verwandte bezeugen die Präsenz derer von Tettingen in der Umgebung von Klingnau, darunter Johannes von Tettingen, ein Johanniterbruder in Leuggern-Klingnau.
Heinrich hatte mehrere Geschwister: einen älteren Bruder Hartlieb II., der offenbar früh verstarb, sowie die Brüder Ortlieb und Berthold, alle drei dokumentarisch belegt. Nach dem Tod des Vaters übernahm Heinrich die führende Rolle innerhalb der Linie seiner Familie. Gemeinsam mit seinen Brüdern trat er 1259 in einem Rechtsstreit mit der Abtei St. Blasien auf, in dem es um Vogteirechte und Entschädigungszahlungen ging – ein frühes Beispiel für seine Einbindung in die rechtlichen und wirtschaftlichen Auseinandersetzungen seiner Zeit.
Zwischen 1259 und 1291 erscheint Heinrich als Ministerialer, Zeuge und Mitinhaber von Vogteirechten und war an zahlreichen Rechtsgeschäften beteiligt. Besonders eng war seine Verbindung zu Walther von Klingen, dem Stadtherrn von Klingnau, Politiker, Kulturförderer und selbst Minnesänger.
Ein historisch bedeutsames Ereignis war der Verkauf der Stadt Klingnau an das Bistum Konstanz im Jahr 1269. Heinrich von Tettingen gehörte zu dem kleinen Kreis vertrauter Dienstleute, die diesen Vorgang bezeugten und mittrugen. Auch in den folgenden Jahren blieb er in Rechtsgeschäfte eingebunden, unter anderem im Zusammenhang mit kirchlichen Institutionen wie der Abtei St. Blasien, dem Johanniterorden und dem Bistum Konstanz. Dies unterstreicht seine feste Stellung innerhalb der regionalen Macht- und Verwaltungsstrukturen des Hochmittelalters.
Dichtung und Werk Heinrichs Minnelieder dürften in den Jahren vor und um 1270 entstanden sein, als Klingnau unter der Herrschaft Walthers von Klingen ein kulturell lebendiges Zentrum war. Seine zwei im Codex Manesse überlieferten Lieder verbinden traditionelle Motive der höfischen Minne mit spielerischen, teils ironischen und parodistischen Elementen, was auf ein gebildetes, eingeweihtes Publikum schließen lässt. Obwohl der Liederkorpus eher mager ist, wird auch in der modernen Literatur auf Einzelheiten der Werke Heinrichs verwiesen was ihre Originalität bezeugt.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Lyrik Kategorie:Autor Kategorie:Geboren im 13. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 13. oder 14. Jahrhundert Kategorie:Mann