Die Kohlebahn Tagebau Greifenhain–Brikettfabrik Marie II war eine normalspurige elektrische Förderbahn der Lausitzer Grubenbahn und für den Kohlentransport vom Tagebau Greifenhain zur Brikettfabrik in Großräschen (urspr. Marie II, später Aufstieg) gebaut worden. Sie berührt die heutigen Ortsbereiche von Freienhufen, Großräschen, Woschkow und Greifenhain. Sie entstand 1936 und war zuerst mit 1100 V Gleichspannung, nach dem Zweiten Weltkrieg mit 1200 V und nach 1970 mit 2400 V elektrifiziert. Die Strecke war bis zum Jahr 2000 in Betrieb und wurde dann abgebaut. Heute sind von der Strecke noch vereinzelt Dammreste, besonders im Raum Großräschen-Nord zu sehen.
Geschichte Vorkriegsgeschichte mini|links|Kohlezug bei der Beladung im Tagebau Greifenhain (1937) Vor dem Aufschluss des Tagebaues des Tagebaues Greifenhain gab es im Raum Senftenberg bereits eine normalspurige Kohlenbahn der Anhaltischen Kohlenwerke (AKW), die verschiedene Werke im Raum Senftenberg versorgte.Holger Neumann, Matthias Fiedler: Der Tagebau Meuro und die Kohlebahnen um Senftenberg, Herdam Verlag, Quedlinburg-Gernrode, ISBN 978-3-933178-49-7. Als die Senftenberger Stadtgrube (Grube „Marie III“) erschöpft war, wurde der nördlicher gelegene Tagebau Greifenhain aufgeschlossen und mit einer normalspurigen Verbindungsbahn an die Brikettfabrik Marie II in Großräschen angeschlossen. Um den Transport ökonomisch vertretbar zu gestalten, sollten auch andere Werke im Raum Großräschen und Senftenberg mit Kohle aus Greifenhain versorgt werden. Es wurde eine etwa 15 km lange Strecke gebaut, als Kunstbauten wurden je eine Brücke über die Verbindungsstraße Großräschen–Altdöbern und die Bahnstrecke Lübbenau–Kamenz angelegt.Autorenkollektiv: 30 Jahre Braunkohlenwerk Greifenhain, VEB Braunkohlenwerk Greifenhain, Cottbus, 1965
1934 erfolgte der Aufschluss des ersten Feldes im Tagebau Greifenhain, der eine Mächtigkeit des Deckgebirges von 30 bis 38 m sowie eine Mächtigkeit des Kohleflözes von 10 bis 12 m besaß.Dr.-Ing. Otto Gold: Der Aufschluß von Braunkohletagebauen, Verlag Wilhelm Knapp, Halle, 1952. Nachdem der Abraum im Aufschlussfeld mit Förderbahnen mit 900 mm Spurweite auf eine Außenkippe geführtAndreas Schild: Die Geschichte der Eisenbahn im Braunkohlenrevier der Lausitz, Selbstverlag Andreas Schild, Cottbus, 2010. und 1936 die erste Kohle freigelegt wurde, wurde eine Rampe von der Tagebausohle angelegt, die eine Steigung von 40 ‰ besaß. 1937 konnte die erste Kohle gefördert werden, damals noch mit Löffelbaggern. Für den Transport der Kohle beschaffte die AKW bei Henschel und den Siemens-Schuckertwerken bis 1943 insgesamt fünf vierachsige und eine zweiachsige elektrische Lokomotive. Die vierachsigen Loks waren ähnlich der erhaltenen Henschel/SSW Typ Theodor mit insgesamt 800 kW ausgeführt und wogen 72 t. Für den Kohletransport wurden bei Talbot Sattelboden-Selbstentladewagen mit einem Fassungsvermögen von 84 m³ beschafft.Holger Neumann, Matthias Fiedler: Der Tagebau Meuro und die Kohlebahnen um Senftenberg, Herdam Verlag, Quedlinburg-Gernrode, ISBN 978-3-933178-49-7. Diese Wagen besaßen ein Gesamtgewicht von 60 Tonnen. Für das Befahren der Steilrampe war eine Last von vier Kohlewagen zugelassen.
Im November 1937 rollte der erste Kohlezug über die Fernbahn zur Brikettfabrik Marie II. In den 1930er Jahren wurde auch die ursprüngliche normalspurige AKW-Bahn mit der Greifenhainer Strecke verbunden, sodass eine Lieferung von Kohle an weitere Senftenberger Verarbeitungsbetriebe möglich war. Während der Kriegszeit gab es gelegentlich Einschränkungen durch Bombenabwürfe. Im April 1945 förderte der Tagebau noch Kohle. Durch Kampfhandlungen während der Zeit wurde die Stromversorgung unterbrochen, was einen Ausfall der Pumpen und damit ein Volllaufen der Grube zur Folge hatte.
Nachkriegsgeschichte mini|links|Kohlezug aus dem Tagebau Greifenhain beim Tagebau Meuro (1999) mini|rechts|Ehemalige Brücke der Kohlebahn über die Verbindungsstraße Großräschen-Barzig Nach Kriegsende kam es nach Behebung der Schäden zu einem unverzüglichen Wiederaufbau und der Kohleförderung sowie des Transportbetriebes. Im September 1945 wurde die Kohleförderung über die Steilstrecke wieder aufgenommen. Es dauerte bis März 1946, bis alle beschädigten Großfördergeräte wieder voll betriebsfähig waren.
1957 kam es zu einem Anschluss des Kraftwerkes Sonne mit einem Normalspurbunker, sodass auch hierher Kohle aus Greifenhain geliefert werden konnte. Ein Jahr später wurde die Verbindungsstrecke vom Tagebau Greifenhain bis zur Deutschen Reichsbahn am Bahnhof Drebkau in Betrieb genommen. Damit war es möglich, Kohlezüge direkt von der Reichsbahn aus im Tagebau zu verladen.
Die ersten Lokomotiven vom Typ EL 2 erreichten Ende der 1950er Jahre den Tagebau Greifenhain und wurden umgehend auf der Strecke nach Großräschen eingesetzt. Vermutlich kam es in dem Zusammenhang zu einer vollständigen Umlagerung der Altbaulokomotiven auf die alte AKW-Strecke im Raum Senftenberg, da diese für die erhöhte Achslast der EL 2 nicht zulässig waren.
In dem Zusammenhang wurde die Betriebsspannung der Bahnstrecke auf 1200 V erhöht. 1964 wurde die Einfahrt Richtung Pritzen mit einer Reparaturwerkstatt und einer neuen zusätzlichen Steigungsstrecke in die Grube eröffnet. In den 1970er Jahren erfolgte die nördliche Anbindung der Bahnstrecke an das Normalspurnetz im Raum Cottbus mit Direktverbindung zum Tagebau Welzow-Süd und dem Kraftwerk Schwarze Pumpe, wobei auch die Betriebsspannung auf 2400 V erhöht wurde.
Die eingesetzten El 2 hatten einen Umschalter für diese Spannungssysteme, zahlreiche im Raum Senftenberg damals eingesetzten Lokomotiven jedoch nicht. Aus diesem Grund musste nördlich des Kraftwerkes Sonne eine Systemtrennstelle eingerichtet werden, bei der die Richtung/von Greifenhain fahrenden Lokomotiven nur mit abgezogenen Stromabnehmer passieren durften.
1976 bis 1979 wurde der Tagebau Greifenhain auf Bandförderung umgebaut.Bild auf Ostkohle vom Tagebau Greifenhain. Die Kohle wurde bis 1994 gefördert. Danach diente die Strecke von Greifenhain über Jahre als Verbindungslinie zwischen dem Tagebau Meuro und den Kohlebahnen im Cottbuser Raum. Bis 2000 wurden regelmäßig Kohlezüge mit bis 16 Wagen überführt. Während des Sanierungsbetriebes vieler Tagebaue im Senftenberger Revier diente die Strecke für verschiedene Aufgaben im Sanierungsgeschäft bei abgeschalteter Fahrleitung. Danach wurden die Gleise abgebaut und die Brücken über die Straße Großräschen–Altdöbern sowie die Bahnstrecke Lübbenau–Kamenz abgerissen. Heute ist der Damm der Bahnlinie an einigen Stellen noch gut zu erkennen.
Literatur
Dr.-Ing. Otto Gold: Der Aufschluß von Braunkohletagebauen, Verlag Wilhelm Knapp, Halle, 1952, S. 116–127 Autorenkollektiv: 30 Jahre Braunkohlenwerk Greifenhain, VEB Braunkohlenwerk Greifenhain, Cottbus, 1965 Holger Neumann, Matthias Fiedler: Der Tagebau Meuro und die Kohlebahnen um Senftenberg, Herdam Verlag, Quedlinburg-Gernrode, ISBN 978-3-933178-49-7 Andreas Schild: Die Geschichte der Eisenbahn im Braunkohlenrevier der Lausitz, Selbstverlag Andreas Schild, Cottbus, 2010
Weblinks
Dokumentation des LMBV über die Lausitzer Grubenbahnen Karte über die Bahnstrecke Meuro-Greifenhain mit der Weiterverbindung nach Schwarze Pumpe und Welzow-Süd Internetseite auf Ostkohle über den Tagebau Greifenhain Internetseite über die ehemalige Kohlebahn Greifenhain-Großräschen/Freienhufen auf www.Kuladig
Einzelnachweise
Kategorie:Bahnstrecke in Brandenburg Kategorie:Werksbahn Kategorie:Montanbahn Kategorie:Lausitzer Braunkohlerevier