Das Firman von Mir Muhammad war ein Ferman des Muhammad Pascha von Rawanduz, das die Völkermordkampagne gegen die jesidische religiöse Minderheit von 1832 bis 1834 auslöste. Dabei veranlasste Muhammad Pascha von Rawanduz die Tötung Tausender Jesiden in der Region Baadre und Sheikhan. Es gilt als das blutigste Ereignis in der Geschichte der Jesiden, an das man sich noch heute erinnert. Schätzungen zufolge wurden 70.000 bis 135.000 Jesiden getötet. Sadiq al Damaluji beziffert die Zahl der Überlebenden des Firman auf etwa 5 % der betroffenen Bevölkerung.
Hintergrund Mullah Yahya, ein Angehöriger des Mzuri-Stammes aus dem Fürstentum Bahdinan, bat Mohammed Pascha in einer Fehde um Hilfe. Der Mzuri-Stammesführer Ali Agha war vom jesidischen Stammesführer Mir Ali Beg ermordet worden. Prinz Said Pascha von Bahdinan verweigerte den Mzuri jedoch die Möglichkeit zur Rache. Daraufhin wandte sich Mullah Yahya an Mohammed Pascha und bat ihn, Rache an den Jesiden von Dschabal Sindschar zu nehmen. Mohammed Pascha nutzte diese Strafexpedition zur Eroberung des Fürstentums Badinan. Er erließ durch seinen Mufti Mullah Mohammed Khalti eine Fatwa gegen die „ungläubigen“ Jesiden und überquerte 1832 den Großen Zab.
Ermordung von Ali Agha und Sndjan Agha
Zwischen dem Anführer des kurdischen Stammes der Mzuri Ali Agha Balatai und dem jesidischen Emir Mir Ali Beg bestanden Spannungen. Der Fürst von Akrê Ismail Pascha versuchte den Konflikt beizulegen. Mir Ali Beg begab sich zu Ali Agha Balatai um sich zu versöhnen. Der Fürst von Bahdinan Said Pascha soll Mir Ali Beg jedoch dazu bewegt haben Ali Agha Balatai zu töten. Mir Ali Beg tötete daraufhin Ali Agha Balatai und sein Sohn Sndjan Agha.
Die Massaker Bedirkhan Bey von Bhotan hatte zuvor gegen die Osmanen und Perser gekämpft, um seine Unabhängigkeit zu erlangen. Er hatte zudem zahlreiche kurdische Stämme unter seine Führung gebracht. Die Jesiden unter der Führung von Ali Beg waren zahlenmäßig deutlich unterlegen und wurden trotz ihres Widerstands besiegt. Ali Beg wurde auf Befehl von Mir Muhammad gefangen genommen und hingerichtet. Die Einwohner von Sheikhan flohen aus Angst vor den Folgen nach Mossul, um dort Zuflucht zu suchen. Im Frühjahr trat der Tigris über die Ufer und zerstörte die Pontonbrücke. Während einige Jesiden schwimmend ans andere Ufer gelangen konnten, suchten Ältere, Frauen und Kinder Schutz auf dem Hügel von Kujụndjik (Ninive). Der Mir von Rawanduz verfolgte sie, was zu einem Massaker führte, bei dem schätzungsweise 12 000 Jesiden getötet wurden. Einige der überlebenden Jesiden flohen in Richtung Tur Abdin und Mosul. Der russische Reisende Ilja Beresin notierte während seiner Forschungsreisen im Jahr 1843, dass 7.000 Jesiden kurz vor seiner Ankunft in den Hügeln von Ninive bei Mosul von Kurden aus Rawanduz getötet worden seien. Fast die gesamte jesidische Bevölkerung von Sheikhan wurde getötet. Frauen und Kinder wurden gefangen genommen, zwangsweise zum Islam bekehrt und versklavt. Auch er heiratete während der Massaker eine Jesidin. Christen und andere Minderheiten wurden ebenfalls nicht verschont. Nachdem er den Stammesführer „gerächt“ hatte, nahm er die Stadt Akrê ein. Nach der Eroberung von Akre, der Hauptstadt des Fürstentums Bahdinan, fiel Amediye, und Prinz Said Pascha floh. Mit dem Fall Amediyes geriet das gesamte Fürstentum unter die Herrschaft von Mohammed Pascha. Auch christliche Gemeinden, die im Vormarschgebiet von Muhammad Paschas Armee lagen, fielen den Massakern zum Opfer. Die Stadt Alqosch wurde geplündert, zahlreiche Einwohner getötet, und das Kloster Rabban Hormizd wurde geplündert und seine Mönche, darunter der Abt Gabriel Dambo, ermordet. Viele alte Handschriften wurden zerstört oder gingen verloren. Das Mor-Mattai-Kloster erlitt dasselbe Schicksal. Nachdem Bedir Khan die meisten Jesiden in Sheikhan angegriffen und getötet hatte und die Überlebenden nach Sindschar geflohen waren, beschloss Mohammed Pascha 1833, Sindschar anzugreifen. Hunderte Jesiden fielen dem Massaker zum Opfer. Jahrelange gewaltsame Feldzüge gegen die Jesiden brachten ihm beträchtliche Unterstützung und zunehmende Macht in der Region ein, bis er schließlich beschloss, gegen die Osmanen zu rebellieren.
Einzelnachweise
Kategorie:Kurdische Geschichte Kategorie:Jesiden Kategorie:Völkermord Kategorie:Massaker Kategorie:1832 Kategorie:Recht (Osmanisches Reich)