mini|hochkant Die Liste der Stolpersteine in Herne enthält Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Kunst-Projekts von Gunter Demnig in Herne verlegt werden oder wurden. Die im Boden verlegten kleinen quadratischen Tafeln aus Messing sollen an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Herne ist die letzte Stadt des Ruhrgebiets, die sich nach einem Ratsbeschluss zur Einführung des Projekts im April 2024 am Gedenkprojekt „Stolpersteine“ beteiligt. Die Stolpersteine bilden eine Ergänzung zu den bestehenden Projekten innerhalb des städtischen Konzeptes zur Erinnerungskultur, wie etwa das Projekt „Nahtstellen, fühlbar, hier ...“, in dessen Rahmen von 2004 bis 2019 zwölf dezentrale Gedenktafeln zur Geschichte des jüdischen Lebens in Herne und Wanne-Eickel aufgestellt wurden, und die zentrale Gedenkstätte Shoa-Mahnmal.

Aus Herne und Wanne-Eickel fielen etwa 400 Menschen dem deutschen Genozid an der jüdischen Bevölkerung in Europa zum Opfer. Nach der Gedenkfeier am 27. Januar zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am Shoa-Mahnmal auf dem Willi-Pohlmann-Platz wurden die ersten Stolpersteine am 28. Januar 2026 auf dem Gebiet der ehemaligen Stadt Wanne-Eickel verlegt, die im Rahmen des Ruhrgebiet-Gesetzes zum 1. Januar 1975 mit der kreisfreien Stadt Herne zusammengeschlossen worden war. Die ersten elf Steine erinnern an verfolgte jüdische Mitbürger, an Menschen aus Herne, die sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus engagierten, an Menschen, die durch die Euthanasieprogramme der Nazis ermordet wurden, und an wegen ihres Glaubens verfolgte Herner Zeugen Jehovas.

Verlegte Stolpersteine Bild Name sowie Details zur Inschrift Adresse / Verlegedatum Zusätzliche Informationen Gedenktafel / Verlegeort 140px|Stolperstein für Chaim Hecht (Hauptstraße 293) Hier wohnteChaim Hecht Jahrgang 1890 Verhaftet 1939 Gefängnis Bochum 1940 KZ Sachsenhausen Deportiert 1942 Auschwitz Ermordet 5. November 1942 Hauptstraße 293() Verlegedatum: 28. Januar 2026 Ehemann von Jutta Malka Hecht und Vater von Simon und Jeannette Hecht. Er besaß ein großes Kaufhaus für Möbel und Haushaltswaren an der Hauptstraße 293 (früher Hindenburgstraße), wo die Familie auch wohnte. Während der Reichspogromnacht 1938 wurde das Geschäft vollständig geplündert. Als jüdischer Verfolgter wurde er 1939 verhaftet, 1940 vom Gefängnis Bochum in das KZ Sachsenhausen und 1942 in das KZ Auschwitz deportiert, wo er am 5. November 1942 ermordet wurde.140px|Hauptstraße 293, Herne

140px|Hauptstraße 293, Herne

140px|Stolpersteine Familie Hecht

140px|Gedenktafel Hauptstraße 140px|Stolperstein für Jutta Hecht (Hauptstraße 293) Hier wohnteJutta Malka Hecht Geb. Welzer Jahrgang 1893 Deportiert 1942 Ghetto Riga 1943 KZ Riga-Kaiserwald 1944 KZ Stutthof Befreit Hauptstraße 293() Verlegedatum: 28. Januar 2026 Ehefrau von Chaim Hecht und Mutter von Simon und Jeannette Hecht. Sie wurde als jüdische Verfolgte mit ihrer Tochter 1942 über Dortmund in das Ghetto Riga, 1943 in das KZ Riga-Kaiserwald und 1944, als die Front näherrückte, in das KZ Stutthof deportiert. Ende Januar 1945 wurde das Lager geräumt und die Häftlinge, darunter Jutta Hecht und ihre Tochter, auf einen Todesmarsch geschickt. Sie überlebte und kehrte 1945 nach Wanne-Eickel zurück. 1948 emigrierte sie zusammen mit ihrer Tochter nach Australien. 140px|Stolperstein für Simon Hecht (Hauptstraße 293) Hier wohnteSimon Hecht Jahrgang 1921 'Polenaktion' 1938 Ermordet Hauptstraße 293() Verlegedatum: 28. Januar 2026 Sohn von Chaim und Jutta Malka Hecht und Bruder von Jeannette Hecht. Er wurde als jüdischer Verfolgter im Rahmen der „Polenaktion“ im Oktober 1938 nach Polen zwangsdeportiert und ermordet. 140px|Stolperstein für Jeannette Hecht (Hauptstraße 293) Hier wohnteJeannette Hecht Jahrgang 1926 Deportiert 1942 Ghetto Riga 1943 KZ Riga-Kaiserwald 1944 KZ Stutthof Befreit Hauptstraße 293() Verlegedatum: 28. Januar 2026 Tochter von Chaim und Jutta Malka Hecht, Schwester von Simon Hecht. Ab 1938 war ihr als Jüdin der Schulbesuch verwehrt und sie meldete sich freiwillig zur Arbeit in der Krupp-Fabrik. Sie wurde mit ihrer Mutter 1942 über Dortmund in das Ghetto Riga, 1943 in das KZ Riga-Kaiserwald und 1944 in das KZ Stutthof deportiert. Ende Januar 1945 wurde das Lager geräumt und die Häftlinge, darunter Jeannette Hecht und ihre Mutter, auf einen Todesmarsch geschickt. Sie überlebte, kehrte 1945 nach Wanne-Eickel zurück und emigrierte 1948 mit ihrer Mutter nach Australien. 140px|Stolperstein für Samuel Neugarten (Bahnhofstraße 27–29a) Hier wohnteSamuel Neugarten Jahrgang 1882 Schutzhaft 1938 KZ Sachsenhausen Deportiert 1943 Auschwitz Ermordet Bahnhofstraße 27–29() Verlegedatum: 17. Februar 2026 Samuel „Sally“ Neugarten war der Ehemann von Frieda Neugarten. In den 1930er Jahren wurden Sally und Frieda Neugarten Teilhaber des Textilhandelsgeschäfts Gebr. Rindskopf von Martha und Oskar Schiffmann an der Bahnhofstraße 27–29. Im September 1938 wurde das Kaufhaus unter massivem Druck und weit unter Wert als letztes jüdisches Geschäft in der Bahnhofstraße „arisiert“. Als Sally und Frieda Neugarten 1940 bereit waren, Deutschland zu verlassen, war ihnen eine Flucht bereits unmöglich. 1942 begannen die Deportationen der Herner Juden in die Ghettos und Konzentrationslager des Ostens. Sally Neugarten betreute bis zu seiner Deportation die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde. Am 28. Februar 1943 wurden Sally und Frieda Neugarten in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und ermordet.140px|Textilgeschäft Rindskopf (1923)

140px| Das modernisierte Gebäude

140px|Gedenktafel Bahnhofstraße 27–29 140px|Stolperstein für Frieda Neugarten (Bahnhofstraße 27–29a) Hier wohnteFrieda Neugarten Geb. Isaak Jahrgang 1893 Deportiert 1943 Auschwitz Ermordet Bahnhofstraße 27–29() Verlegedatum: 17. Februar 2026 Ehefrau von Sally Neugarten; jüdische Verfolgte und Opfer der Shoah. In den 1930er Jahren wurden Frieda und Sally Neugarten Teilhaber des Textilhandelsgeschäfts Gebr. Rindskopf von Martha und Oskar Schiffmann an der Bahnhofstraße 27–29. Im September 1938 wurde das Kaufhaus unter massivem Druck und weit unter Wert als letztes jüdisches Geschäft in der Bahnhofstraße „arisiert“. Als Frieda Neugarten und ihr Mann 1940 bereit waren, Deutschland zu verlassen, war ihnen eine Flucht bereits unmöglich. 1942 begannen die Deportationen der Herner Juden in die Ghettos und Konzentrationslager des Ostens. Am 28. Februar 1943 wurden Frieda und Sally Neugarten in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und ermordet. 140px|Stolperstein für Emma Schlewitz Hier wohnteEmma Schlewitz Jahrgang 1895 Eingewiesen 1935 Heilanstalt Warstein Verlegt 14. August 1941 Eichberg Ermordet 23. Dezember 1941

Bruchstraße 136() Verlegedatum: 21. Februar 2026 Emma Schlewitz kam 1921 mit ihrem Mann Ernst Schlewitz und ihrem Kind aus Westpreußen nach Herne, bekam zwei weitere Töchter und wohnte nach mehreren Wohnungswechseln mit ihrem Mann, der auf der Zeche Erin arbeitete, in der Bruchstraße 136. Ihr Mann gehörte, wie viele Bergleute damals, der KPD an. 1935 wurde sie schwanger. Otto Meyer, Medizinalrat der Stadt Herne, wies sie in die Heil- und Pflegeanstalt Warstein ein. Ihre dort 1936 geborene Tochter wurde sofort in ein Kinderheim gegeben. Emma Schlewitz wurde vom Anstaltsleiter Provinzialmedizinalrat Petermann, einem NSDAP-Mitglied seit 1933, auf eine Selektionsliste für die Tötungsanstalten gesetzt und am 14. August 1941 in die Heil- und Pflegeanstalt Eichberg verlegt. Der Leiter Hauptsturmführer Friedrich Mennecke ordnete ihre Tötung durch Nahrungsentzug und Medikamenten­überdosierung an. Am 23. Dezember 1943 starb Emma Schlewitz im Rahmen des „Euthanasie-Programms“ der Nazis. Verlegeort vor dem Gebäude Bruchstraße 134c. Das Wohnhaus von Emma Schlewitz existiert nicht mehr. Die Lage entspricht in etwa dem Fachwerkhaus von Emma Schlewitz. 140px|Stolperstein August Schuster Hier wohnteAugust Schuster Jahrgang 1887 Im Widerstand / KPD Verhaftet 1935 Zuchthaus Butzbach Ermordet 22. Dezember 1944 Altenhöfener Straße 47() Verlegedatum: 21. Februar 2026 Carl August Schuster wurde am 1. April 1887 in der Herner Vödestraße geboren. Er war Bergmann auf der Zeche Constantin. Im Juni 1912 heiratete er Wilhelmine „Mimi“ Klopoteck, 1924 trat er der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bei und wurde ins Herner Stadtparlament gewählt. 1929 arbeitete er als Hauer auf der Zeche Shamrock 1/2 und wurde in den Betriebsrat gewählt. Er engagierte sich ab September 1933 als Leiter des illegalen KPD-Unterbezirks Herne im Widerstand, organisierte geheime Versammlungen und kümmerte sich um Herstellung und Vertrieb von Kleinzeitungen. Ab 1933 fanden Hausdurchsuchungen durch die Gestapo statt. Die Widerstandsgruppe wurde Ende 1934 entdeckt und August Schuster wurde im Mai 1935 durch das Oberlandesgericht Hamm wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Er starb am 22. Dezember 1944 im Zuchthaus Butzbach unter ungeklärten Umständen.140px|Lage der Stolpersteine

140px|Wohnhaus140px|Stolperstein für Wilhelmine Schuster Hier wohnteWilhelmine ‚Mimmi‘ Schuster Geb. Klopoteck Jahrgang 1893 Im Widerstand / KPD Verhaftet 1935 6 Jahre Zuchthaus 1944 KZ Ravensbrück Ermordet 13. Februar 1945 Altenhöfener Straße 47() Verlegedatum: 21. Februar 2026 Wilhelmine „Mimmi“ Schuster wurde am 11. Januar 1893 in der Herner Stammstraße geboren. Sie war früh Mitglied der Naturfreundejugend und gelernte Schneiderin. Ende Juni 1912 heiratete sie August Schuster. Zwei Kinder starben im Säuglingsalter, Tochter Erna wurde im Oktober 1914 geboren. Mimmi Schuster wurde 1925 Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands und rückte im Sommer 1932 in den Rat der Stadt Herne nach. Sie engagierte sich im Widerstand der KPD, obwohl ab 1933 Hausdurchsuchungen durch die Gestapo stattfanden. Die Widerstandsgruppe wurde Ende 1934 entdeckt und Mimi Schuster wurde wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 11. Mai 1941 wurde sie aus dem Zuchthaus Dreibergen-Bützow entlassen und musste sich wöchentlich im Polizeipräsidium am Rathaus melden. Am 12. September 1944 wurde sie im Rahmen der „Aktion Gewitter“ erneut von der Gestapo verhaftet, ins Polizeigefängnis Steinwache nach Dortmund gebracht und am 15. September ins KZ Ravensbrück. Sie starb dort am 13. Februar 1945 an Unterernährung und Typhus. 140px|Stolperstein für Friedrich Gotthold Hier wohnteFriedrich Gotthold Jahrgang 1896 Zeuge Jehovas verhaftet 1944 'Wehrkraftzersetzung' Zuchthaus Ludwigsburg befreit Düngelstraße 58() Verlegedatum: 23. Februar 2026 Friedrich Gotthold war der Ehemann von Helene Gotthold. Als Zeuge Jehovas, die ihr Leben streng nach den Lehren der Bibel auslegten, wurde er ab 1933 durch das NS-Regime verfolgt und 1936 während einer landesweiten Verhaftungswelle durch die Gestapo erstmals festgenommen. 1944 wurde er aufgrund der Verbreitung des Wachtturms erneut inhaftiert und ins Strafgefängnis Berlin-Plötzensee gebracht. Er wurde zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt und überlebte.140px|Stolpersteine für Friedrich und Helene Gotthold