Sleep and the Soul (englisch für Schlaf und die Seele) ist eine Science-Fiction-Kurzgeschichte des australischen Schriftstellers Greg Egan, zuerst veröffentlicht in Asimov’s Science Fiction im September/Oktober 2021. Die Kurzgeschichte erschien ebenfalls in der Anthologie The Year’s Top Tales of Space and Time 2, bearbeitet von Allan Kaster, im Jahr 2022 und der gleichnamigen Sammlung Sleep and the Soul im Jahr 2023. Die Kurzgeschichte beschreibt die Bemühungen eines versehentlich für tot erklärten Mannes aus einer tief religiösen Gesellschaft, mithilfe von Schlaf zu beweisen, dass seine Seele dabei nicht verloren gegangen ist.
Handlung In einer Alternativweltgeschichte in Vermont in den Vereinigten Staaten der 1850er sorgte Religion für einen starken Glauben an eine Seele und es gibt entsprechend feste Überzeugungen, was mit dieser nach dem Tod passiert. Menschen schlafen zudem sehr viel seltener. Jesse Sloss wird nach einem Schlag auf den Kopf während der Arbeit für drei Tage bewusstlos, irrtümlich für tot erklärt und lebendig begraben. Unter großen Mühen gelingt ihm der Ausbruch aus seinem Grab. Zwar ist seine Verlobte Felicia überglücklich über seine Rückkehr, doch seine Eltern sind von seinem Anblick zunächst schockiert und gehen vom Werk eines teuflischen Dämons aus. Selbst über alte Erinnerungen zu sprechen hilft Jesse nicht, da laut seinen Eltern auch ein Dämon darauf Zugriff hätte. Jesse erkennt die Aussichtslosigkeit seiner Situation und flieht zusammen mit Felicia, bevor sich die Neuigkeit über seine Auferstehung im Dorf herumspricht und ihm ein angsterfüllter Mob auf den Fersen ist. Zwar versucht Jesse noch, sein Grab wieder in Ordnung zu bringen, doch es wird trotzdem auf Drängen seiner Eltern untersucht. In New York City gibt Jesse fälschlicherweise Cole als seinen Nachnamen an und besorgt sich eine Arbeit zur Instandhaltung von Eisenbahngleisen. Dennoch gelingt es Barnum, dem Inhaber eines Kuriositätenkabinetts, ihm nach dem Vorfall in seinem Heimatdorf aufzuspüren. Barnum bietet Jesse eine noch besser bezahlte Arbeit an, einen Ausbruch aus einem Grab vor einer Glasscheibe vorzuführen und daraufhin von seinen Erlebnissen der drei Tage zu berichten, in denen seine Seele nicht in seinem Körper war. Jesse meint zwar, sich an absolut nichts zu erinnern, doch Barnum drängt ihn zu lügen, um dem Publikum etwas zu bieten. Später wandeln sich die Auftritte jedoch immer mehr in Diskussionen um, da zahlreiche Besucher genau wie die Eltern von Jesse nicht glauben, dass sich seine Seele noch in seinem Körper befindet. Erschwert wird Jesse die Verteidigung massiv durch die von Barnum geforderten Lügen, das wäre tatsächlich drei Tage lang der Fall gewesen. Jesse hat schließlich genug und unterstützt Dr. Hollow, einen Zahnarzt, bei Experimenten mit durch Betäubungen verursachten Bewusstseinsverlust. Beide wollen zeigen, dass es dabei effektiv keinen Unterschied zu Schlaf gibt, welcher nach gängiger Ansicht der Öffentlichkeit für die Seele völlig unbedenklich ist. Jedoch wird dadurch die öffentliche Debatte nur noch intensiver angeheizt und es kommt in sieben Bundesstaaten zur Verabschiedung neuer Gesetze, welche Bewusstseinslosigkeit durch künstliche Methoden fortan sogar mit Mord gleichsetzen. Zahnärzte wie Dr. Hollow müssen bei schmerzvollen Eingriffen wie dem Ziehen von Zähnen fortan darauf verzichten und können nur noch auf lokale Betäubungen setzen. Jesse besinnt sich in den Folgen, nun etwa legal tot zu sein, wieder auf die wenigen Menschen an seiner Seite und schreibt einen liebevollen Brief an Felicia.
Hintergrund Im Essay Born Again, Briefly (deutsch Erneut geboren, kurz), veröffentlicht im Jahr 2009 in 50 Voices of Disbelief: Why We Are Atheists (deutsch 50 Stimmen des Unglaubens: Warum wir Atheisten sind), bearbeitet von Russell Blackford und Udo Schüklenk, schildert Greg Egan seine eigenen Erfahrung mit Religion. Sowohl sein Vater, ein dedizierter Anhänger des Anglizismus, als auch sein vier Jahre älterer Bruder, der schließlich zum Katholizismus konvertierte, waren streng gläubig. Greg Egan war in seiner Jugend daher der festen Überzeugung, dass eine Taufe unbedingt notwendig sei, sondern sonst würde die Seele vom Teufel geholt werden. („Anyone who wasn’t baptised in the spirit would be damned, and the fear I felt was being put there by Satan. This had to be done now, or Satan would claim my soul.“) Eine intensivere Beschäftigung damit schrieb Greg Egan in seiner Novelle Ozeanisch im Jahr 1998, welche mit dem Hugo Award und dem Locus Award ausgezeichnet wurde.
Kritik Russel Letson schrieb im Locus Magazine, dass die Kurzgeschichte ein intrigierendes Werk präsentiert als Alternativgeschichte sei, in welche der Jonbar-Punkt eine biologische Veränderung anstatt eine historische ist („an intriguing piece presented as an alternate history where the Jonbar point is a biological change, not a historical one“). Dabei sei die logische Ausarbeitung der Folgen seiner zentralen Idee faszinierenend und die Geschichte reiße mit („Egan’s logical working out of the consequences of his central idea is fascinating, and the story is involving“).
Alexander Wallace schrieb für Sea Lion Press, nicht geglaubt zu haben, dass Greg Egan jemand für Alternativgeschichte sei („not an author I associate with alternate history“) wie etwa in Omphalos von Ted Chiang. („One example of this type of alternate history is Ted Chiang’s short story Omphalos.“) Die Kurzgeschichte konzentriert sich trotzdem viel mehr auf Charaktere und sei dabei so gut wie seine besten Werke in dieser Richtung wie The Cutie und Ozeanisch (Sleep and the Soul is more focused on character than much of Egan’s work („but he has some, which rank as his best work, like The Cutie or Oceanic.“)) Die Entwicklung von Jesse sei die größte Stärke der Kurzgeschichte. („His development is the story’s greatest strength.“)
Einzelnachweise
Kategorie:Sammlung (Literatur) Kategorie:Kurzgeschichte Kategorie:Science-Fiction-Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Australische Literatur