mini|Wappen derer von (der) Cappel in Siebmachers Wappenbuch Die Herren von der Cappel waren ein fränkisches Rittergeschlecht, das seine Besitzungen vorwiegend im heutigen Landkreis Kronach in Oberfranken hatte (Burghaßlach, Ortsteil von Stockheim).

Die Familie ist zu unterscheiden von dem westfälisch-niedersächsischen Adelsgeschlecht Cappel.

Herkunft Ihre Herkunft lässt sich auf die Stadt Kulmbach (Oberfranken) zurückführen: „an der Capelle“ meint die 1318 erstmals bezeugte Katharinenkapelle dort, die für die Seelsorge auf der mächtigen Plassenburg oberhalb der Stadt gedacht war. Das mit diesem Rittersitz verbundene Burghutlehen ist bis etwa 1450 im Besitz der Familie nachzuweisen. Burghutlehen lagen immer in der Nähe der wichtigen Burgen, auf die sie sich organisatorisch bezogen. Für ein Burghutlehen hatten die Besitzer Pferde vorzuhalten und bei militärischen Auseinandersetzungen bei deren Burgherren zu erscheinen. Der Bamberger Bischof ließ um 1350 sogar ein spezielles „Registrum Burghutariorum“ anlegen. Die von der Cappel hatten also, wie die von Plassenberg oder die Lochner auf (Neu-)Drossenfeld bei Kulmbach um 1300 Burghutlehen inne, die zur Verteidigung der Plassenburg dientenIn einer Urkunde von 1335 wird Konrad I. von der Cappel als „Kunrad von der Cappeln“ bezeichnet – Staatsarchiv Bamberg = StA BA Bamberger Urkunden 2195 und 2925 - „Registrum Burghutariorum“: Bamberger Urbare von 1323/28 und 1348 im StA BA Rep. 221 720 – www.lochner-genealogie.de / 02A LVP DATEN (Drossenfeld) – Vorfahren bis Mitte des 16. Jahrhunderts der Lochner von Palitz in Böhmen..

Geschichte Die Erstnennung dieser ritterschaftlichen Familie erfolgte am 13. Juli 1294 mit „Otto de Capella“, Otto von der Cappel, der als Zeuge für seinen Schwiegervater Konrad von Schmölz auftrat, der seinen Besitz zu Tauschendorf an das Kloster Langheim (Landkreis Lichtenfels) übergab. Otto von der Cappel war mit dessen Tochter Agnes von Schmölz verheiratet – sie hatten die Söhne Konrad I., Albero, Herdegen und die Tochter Gertrud, die Wolfram von Redwitz (an der Rodach) zum Manne nahm. Der Archivar, Historiker und Mitbegründer der modernen fränkischen Landesgeschichte als Disziplin, Erich von Guttenberg (27. Februar 1888 – 1. Dezember 1952) hält Otto von der Cappel für einen Sohn Ramungs oder Kunemunds von Plassenberg, also für eine Seitenlinie dieses RittergeschlechtsBayerisches Hauptstaatsarchiv München, BayHStA, Bamberger Urkunden Nr. 1133 – Abstammung von Plassenberg: im Guttenberg-Nachlass StA BA M7, Verzeichnis II Blatt 14, Nr. 169, Regesten der von Plassenberg und von der Cappel - Stammbaum der von der Cappel auf www.lochner-genealogie.de im Anhang von 03A LVH HISTORIE.. Das Rittergeschlecht war im Ritterkanton Gebürg immatrikuliert. Ihre Lehnsherrn waren der Bischof von Bamberg, die bayerischen Herzöge von Andechs-Meranien und – nach deren Aussterben 1248 – zunächst die Thüringer Grafen von Orlamünde und nach dem Verkauf der Plassenburg bei Kulmbach in Oberfranken durch diese, dann die Burggrafen von Nürnberg, die späteren Markgrafen zu Brandenburg aus dem Hause Hohenzollern, die sie zu ihrem Machtzentrum im Bayreuther Raum ausbautenDie Hohenzollern waren seit 1192 Burggrafen von Nürnberg (fränkische Linie des Hauses) und wurden 1415 zu Markgrafen und damit zu Kurfürsten von Brandenburg ernannt – (Vorfahren des Hauses Preußen) - Immatrikulation Ritterkanton Gebürg: StA BA G 11/1Nr. 1 (Matrikelliste des Kantons Gebürg von 1580).. Albero von der Cappel war mit der Tochter eines Ritters von Haßlach aus der unmittelbaren Umgebung der Stadt Kronach liiert um 1300, die ihm dieses Rittergut – als freies Eigen (Allodial) – in die Ehe einbrachte, d. h. es erschien in keinem damaligen Verzeichnis eines Lehnsherrn. Unter seinen Söhnen wurde es „zur gesamten Hand“ vergeben. Erst 1399, unter Hans II. von der Cappel, wurde Burghaßlach ein abhängiges Lehen vom Bamberger Bischof. Er hatte den Ansitz und das Dorf Stockheim ebenfalls von diesem zu Lehen. Sein Sohn Dietrich wurde 1468 mit diesem Besitz im Haßlachtal belehnt. Weitere Lehen bestanden 1490 in Reitsch (Ortsteil von Stockheim, Landkreis Kronach) von den Kurfürsten von SachsenAuftragung des Lehens: StA BA Rep. 221 Stb. 1 fol. 17v – Stockheim/Hans III.: StA BA Rep. 221 Stb. 4 fol. 172v - Stockheim/Dietrich: StA BA Rep. A221 Stb. 6 fol. 155 – Sachsen: Staatsarchiv Coburg, LA F Nr. 1624 fol. 128.. Der Sohn Alberos, Konrad II. von der Cappel, fungierte 1354 als Vogt zu Kulmbach im Auftrag der Burggrafen von Nürnberg (Haus Hohenzollern) und hatte seinen Sitz „an der Capelle“, ist jedoch ebenso für das untere und mittlere Haßlachtal in der Nähe von Kronach nachweisbar. Demattio sieht ihn „...als einen der bedeutendsten Ritter im Raum Kronach“, eine Urkunde bezeichnet ihn 1327 als „dominus“Johannes Looshorn: Die Geschichte des Bistums Bamberg 4; das Bistum Bamberg von 1400 – 1556, Bamberg, 1900, S. 936 – „Dominus“ = Herr: StA BA, Bamberger Urkunde Nr. 1930. Sein Bruder Erhard hatte stattdessen ein Burghutlehen zu Emtmannsdorf (Ortsteil von Kronach) 1348 vom Bamberger Bischof inneStA BA Rep. 221 Nr 710/I fol. 130v - 132. 1440 wurde der gleichnamige Enkel Konrads II., nämlich Konrad IV. von der Cappel zu Burghaßlach, von Burggraf Friedrich IV. von Nürnberg, dem späteren Markgraf und Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg, mit dem Kulmbacher Burggut belehnt. Er übernahm das Rittergut Haßlach, sowie Besitz in Reitsch (siehe oben) und Seibelsdorf (heute Markt Rodach im Landkreis Kronach). Selbst in der Reichspolitik spielte er an der Seite des Kurfürsten eine wichtige Rolle und war als Hofmeister am Kulmbacher Hof tätig. Auf der Seite seines Lehnsherrn trat er als Ministeriale in einer Auseinandersetzung mit der Reichsstadt Köln in ErscheinungKulmbacher Burggut: StA BA Rep. A222 Standbuch (Stb) 6003 fol. 49 – Rittergut Haßlach: StA BA Rep. A221 Stb. 3 fol. 60 – Reitsch und Seibelsdorf: StA BA Rep. A221 Stb. 4 fol. 70 – Hauptstaatsarchiv, HHStA Wien, Österreich, Reichsgericht Band H, fol. 107v.

Aufteilung in drei Linien zu Burghaßlach, Seibelsdorf und Reislas

Linie Seibelsdorf Einer seiner drei Söhne, Konrad V. von der Cappel, bewohnte den „freieigenen Edelsitz zu Seibelsdorf“, wie es im markgräflichen Lehenbuch des Amtes Mittelberg (Markt Rodach) von 1533 verzeichnet war, und auch seine Söhne Wilhelm, Hans V. und Konrad VI. ihn erbten; bereits deren Großvater Otto II. und sein Bruder Heinrich I. hatten Burghutlehen in Waldbuch bei Seibelsdorf, die im Zusammenhang standen mit der Verwaltung des Amtes Mittelberg auf der gleichnamigen Burg. Die Seibelsdorfer Linie starb bereits in der nächsten Generation mit Dorothea von der Cappel 1547 aus – sie war mit Rudolf von Wildenstein verheiratet gewesenStA BA Rep. A222 Stb. 6740 fol. 322 – StA BA, Rep. A222 Stb. 6250. Die von der Cappel hatten zudem das Rittergut Waizendorf (Ortsteil von Trebgast, Landkreis Kulmbach) in ihrem Besitz unter Hans I. um 1400, der kinderlos starb, wodurch sie ab 1426 an Hans II. und Konrad IV. von der Burghaßlacher Linie ererbt wurden. Schließlich kamen die Söhne des Letzteren, Otto V., Konrad V. und Hans III. in dessen Besitz und wurden 1459 vom Markgraf damit belehntStA BA Rep. A165 Lade 544 Nr. 2215 – Wiedmann, S. 153 (siehe Literatur).

Linie Burghaßlach Hans III., der Sohn Konrads IV., war noch 1463 mit dem Cappel’schen Burggut zu Kulmbach belehnt, lokalisiert als „unter dem Voytt“ (laut Richard Leuker: ein verhältnismäßig großes Burggut am Mönchshof in Kulmbach – siehe Literatur) und seit 1448 bambergischer Amtmann der Stadt Teuschnitz im Landkreis Kronach. Er heiratete 1465 Ursula von Würtzburg, deren Verwandte seit 1359 auf Rothenkirchen saßen (Ortsteil des Marktes Pressig – Landkreis Kronach) und durch Kaiser Karl IV. im Jahre 1377 dort die hohe Gerichtsbarkeit ausüben durften, ein Privileg, das normalerweise dem Hohen Adel ausschließlich zustand. Er saß später auf dem Rittergut Stockheim (Landkreis Kronach) in unmittelbarer Nähe zu Teuschnitz und war dann alleiniger Herr über WaizendorfStA BA Rep. A221 10 fol. 104 - StA BA Rep. A222 Stb. 6004/I fol. 9 – StA BA Stb. 6004/I fol. 9. Die Burghaßlacher Hauptlinie, also die Söhne Hans III. von der Cappel, werden am 7. Februar 1506 vom Bamberger Bischof mit dem Rittergut Haßlach belehnt: Heinrich II., Hans V. und Georg II. Die nach wie vor in Besitz befindlichen Höfe zu Reitsch bei Stockheim wurden dann allerdings nur den beiden ersteren Brüder verliehen durch den Herzog von Sachsen (Haus Wettin)StA BA Rep. A205 Lade 719 Nr. 1363 und A221 Stb. 18 fol. 59f. – Stadtarchiv Coburg, LA F Nr. 1624 fol. 206f. Heinrich II. von der Cappel zu Burghaßlach, einer der drei Söhne Hans III., wurde vom Bischof von Bamberg zum Oberamtmann von Oberscheinfeld ernannt und musste sich verpflichten, dort auch seine Wohnstatt zu nehmen (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim). Er vermählte sich in erster Ehe 1517 mit Margarethe von Zeyern und in zweiter Ehe 1520 mit Rosina Stiebar von Buttenheim, der Tochter Georgs II. zu Aisch und Regensberg – aus dieser zweiten Verbindung stammte seine einzige Tochter Walburga, die, wie ihre nahen Burghaßlacher Verwandten, bei dem Adelsgeschlecht von Schaumberg auf Haig einheiratete (bei Stockheim im Landkreis Kronach)StA BA Rep. A205 Lade 720 Nr. 1371 (Bestallungsurkunde) - Zeyern: StA BA Rep A205 Lade 719 Nr. 1366 und Stadtarchiv Kronach, Urkunde Nr. 15. – Stiebar: siehe www.lochner-genealogie.de / 01 STAMMBAUM Stiebar von Buttenheim (Linie 1).. Heinrich II. war in Fehden verwickelt, die Raubzüge, Überfälle und Geiselnahmen beinhalteten, z. B. half er einem Verwandten seiner Schwester Agnes, die Ludwig Hölein von Steinau zum Mann hatte, in dieser räuberischen Art und Weise. Laut Heinrich Gradl wurde dies im „Buch der Gebrechen“ der Reichsstadt Eger (heute Cheb in Tschechien) konstatiert (siehe Literatur). Weitere Händel und Fehden ergaben sich als Lehenfolge unter Markgraf Albrecht Alcibiades zu Brandenburg-Culmbach im Markgräflerkrieg von 1553. Und 1464 steht beispielsweise Otto V. (Linie Reislas) als Kampfgenosse des Edelfreien Konrad von Aufseß in Fehde mit dem Bischof von Würzburg. Es ging um ein ausstehendes Dienstgeld des Vaters des Aufseßer. Mit weiteren adeligen Freunden, u. a. Wilhelm von Streitberg, fielen sie in würzburgisches Territorium um Schlüsselfeld (heutiger Landkreis Bamberg) „sengend und brennend“ ein, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, wurden jedoch bald arretiert und an Würzburg überstelltStA BA Rep. A 205 Lade 719 Nr. 1359 – Aufseß-Fehde: StA BA Stb. 947 fol. 32/33. In dem um 1573 angelegten Lehenbuch für das Rittergut Haßlach wurde der zum Schloss gehörige Hof durch die von der Cappel selbst bewirtschaftet und laut Stadtarchiv Kronach (B262 fol. 3v) war das Gut „zur gesamten Hand“ vergeben, also an alle Mitglieder der FamilieStA BA Rep. A221 Stb. 8 fol. 20.

Mit Hans VI. von der Cappel setzte sich zunächst die Hauptlinie zu Burghaßlach fort: