Sir Albert Edward Patrick Duffy (* 17. Juni 1920 in Wigan, Lancashire, England; † 2. Januar 2026 in Doncaster, South Yorkshire, England) war ein britischer Wirtschaftswissenschaftler, Hochschullehrer und Politiker der Labour Party, der unter anderem zwischen 1963 und 1966 sowie erneut von 1970 bis 1992 Mitglied des House of Commons war. Er war zudem zwischen 1976 und 1979 zuständiger Marineminister im Verteidigungsministerium sowie von 1988 bis 1990 Präsident der Parlamentarischen Versammlung der NATO und wurde 1991 als Knight Bachelor nobilitiert, wodurch er fortan das Prädikat „Sir“ führte.
Leben Albert Edward Patrick Duffy war das älteste von vier Kindern der aus dem County Mayo in Irland stammenden Eltern James und Margaret Duffy. Sein Vater arbeitete als Bergmann und zog 1925 mit seiner Familie nach Rossington bei Doncaster, nachdem dort eine Zeche erschlossen wurde. Er selbst besuchte die Grund- und weiterführende Schule in Rossington, war Ministrant in der örtlichen römisch-katholischen Kirche und lernte Latein von seinem Pfarrer. Während seines sechsjährigen Militärdienstes im Zweiten Weltkrieg, den er unter anderem bei der Marinefliegertruppe FAA (Fleet Air Arm) auf dem Flugzeugträger HMS Implacable absolvierte, wurde er schwer verwundet und zuletzt zum Fregattenkapitän (Commander). Eine Invalidenrente ermöglichte ihm nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst ab 1946 ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der London School of Economics (LSE), wo er einen Bachelor of Science (B.Sc. Eceonomics) und einen Doktortitel (Ph.D. Economics) erwarb. Er studierte außerdem an der Columbia University in New York City und lehrte von 1950 bis 1963 als Dozent für Ökonomie an der University of Leeds.
Duffy kandidierte bei den Unterhauswahlen 1950, 1951 und 1955 im sicheren konservativen Wahlkreis „Tiverton“, unterlag dabei aber jeweils dem Wahlkreisinhaber und Minister Derick Heathcoat-Amory. Nach dem Tode von Glenvil Hall am 13. Oktober 1962 wurde er bei der dadurch notwendigen Nachwahl am 21. März 1963 im Wahlkreis „Colne Valley“ schließlich erstmals Mitglied des House of Commons, des Unterhauses des britischen Parlaments. Bei der Unterhauswahl 1964 verteidigte er seinen Sitz – mit nur 187 Stimmen Vorsprung –, war aber der einzige amtierende Labour-Abgeordnete, der bei der Wahl am 31. März 1966 eine Niederlage erlitt und seinen Sitz an Richard Wainwright von der Liberal Party verlor.
Patrick Duffy nahm daraufhin seine Lehrtätigkeit an der University of Leeds wieder auf und lehrte zudem als Wirtschaftsdozent an der Drew University in Madison, New Jersey. Bei der Unterhauswahl am 18. Juni 1970 wurde er im komfortablen Labour-Wahlkreis „Sheffield Attercliffe“ als Nachfolger von John Burns Hynd wieder zum Mitglied des Unterhauses gewählt und gehörte diesem nach seinen darauf folgenden Wiederwahlen bis zu seinem Verzicht auf eine erneute Kandidatur bei der Unterhauswahl am 9. April 1992 an, woraufhin Clive Betts neuer Abgeordneter wurde. Während dieser Zeit war er zwischen 1974 und 1976 Parlamentarischer Privatsekretär von Verteidigungsminister Roy Mason sowie im Anschluss vom 14. April 1976 bis zum 4. Mai 1979 als Nachfolger von Frank Judd im Kabinett Callaghan als Under-Secretary of State for the Navy zuständiger Marineminister im Verteidigungsministerium.
Nach der Niederlage der Labour Party bei der Unterhauswahl am 3. Mai 1979 bis zum Amtsantritt von Michael Foot als Labour-Vorsitzender 1980 und erneut kurzzeitig 1983 verteidigungspolitischer Sprecher der Opposition. Duffy kritisierte viele linke Parteipolitiken, was in den 1980er Jahren, während der internen Probleme der Labour-Partei, zu einer Herausforderung seiner Kandidatur als Abgeordneter durch lokale Aktivisten führte. Er überstand einen Versuch, ihn abzuwählen, mit nur fünf Stimmen Vorsprung. Als gläubiger Katholik lehnte er Schwangerschaftsabbrüche und Embryonenforschung entschieden ab. Er stimmte außerdem gegen die Sonntagsöffnung und die Fernsehübertragung der Sitzungen des Unterhauses. In Bezug auf irische Angelegenheiten äußerte er sich unmissverständlich und kritisierte die „kolossale und kriminelle Inkompetenz“ der konservativen Politik in Nordirland zum Zeitpunkt des Hungertodes des IRA-Mitglieds Bobby Sands, eines gewählten Abgeordneten, am 5. Mai 1981. Er kritisierte auch die Inhaftierung der „Birmingham Six“, bevor diese nach einem IRA-Bombenanschlag in Birmingham am 21. November 1974 unrechtmäßig freigelassen wurden, sowie die Tötung dreier Mitglieder der Provisional IRA durch den Special Air Service (SAS) in Gibraltar 1988. Er stimmte gegen das anglo-irische Abkommen vom 15. November 1985, da es die Teilung Irlands legitimierte.
Nach der Niederlage der Labour Party bei der Unterhauswahl am 3. Mai 1979 wurde Patrick Duffy ferner Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der NATO, der er bis 1992 angehörte. Als Nachfolger des Niederländers Ton Frinking war er von 1988 bis zu seiner Ablösung durch den US-Amerikaners Charles Grandison Rose Präsident der Parlamentarischen Versammlung der NATO. Auf Vorschlag des damaligen konservativen Premierministers John Major – der Labour-Vorsitzende Neil Kinnock hatte sich geweigert, Kandidaten für die Ritterwürde vorzuschlagen – wurde er am 16. Juli als Knight Bachelor (Kt) nobilitiert, wodurch er fortan das Prädikat „Sir“ führte.
Nach seinem Ausscheiden aus dem Parlament nahm Duffy seine akademische Tätigkeit in den USA sowie an der University of Hull und der Lancaster University wieder auf. 2013 veröffentlichte er seine Autobiografie „Growing Up Irish in Britain and British in Ireland“ und 2024 einen zweiten Band mit dem Titel „From Wigan to Westminster“. Zum Zeitpunkt seines Todes war er mit 105 Jahren der älteste noch lebende ehemalige Abgeordnete des Unterhauses.
Veröffentlichungen Growing Up Irish in Britain and British in Ireland, 2013 From Wigan to Westminster, 2024
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Einzelnachweise
Kategorie:Abgeordneter des House of Commons (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Knight Bachelor Kategorie:Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der NATO Kategorie:Politiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Labour-Mitglied Kategorie:Commander (Royal Navy) Kategorie:Militärperson (Royal Naval Air Service) Kategorie:Person im Zweiten Weltkrieg (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Hochschullehrer (University of Leeds) Kategorie:Absolvent der London School of Economics and Political Science Kategorie:Absolvent der Columbia University Kategorie:Hundertjähriger Kategorie:Brite Kategorie:Engländer Kategorie:Geboren 1920 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Mann