Der Danziger Pfahlgeldvertrag () vom 26. Februar 1585 war ein Vertrag zwischen der Stadt Danzig und König Stephan Báthory von Polen-Litauen.

Hintergrund Danzig im ersten Jahrhundert unter polnischer Oberhoheit mini|Panorama von Danzig 1573 Im Jahr 1454 hatte sich Danzig zusammen mit anderen Städten des Preußischen Bundes vom Deutschordensstaat losgesagt und sich dem polnischen König unterstellt. Im Zweiten Frieden von Thorn 1466 musste der Ordensstaat die neuen Verhältnisse anerkennen. Das Gebiet des Preußischen Bundes, oder Königlich Preußen (Pomerellen und Ermland), wurde als eigener Ständestaat in Personalunion mit der polnischen Krone organisiert. Dies änderte sich mit der Lubliner Union 1569, in deren Rahmen Königlich Preußen seine Autonomie verlor und ganz mit dem Königreich Polen vereinigt wurde. Die Geschicke Polnisch-Preußens wurden künftig durch den polnischen Sejm und König bestimmt. Diese Entwicklung fand gegen den Widerstand der preußischen Städte statt, die nicht nur eine mehrheitlich ganz überwiegend deutsche Bürgerschaft aufwiesen, sondern inzwischen auch meist die Reformation angenommen hatten, und somit auch in einen religiösen Gegensatz zum katholischen polnischen König geraten waren. Am 4. Juli 1557 erhielt Danzig vom polnischen König ein Religionsprivileg, das die Ausübung des lutherischen Gottesdienstes vorläufig gestattete. Um Vorwürfen einzelner Bürger nachzugehen, dass in Danzig und Elbing eine Misswirtschaft betrieben werde, visitierte 1569 eine von König Sigismund II. August († 1572) eingesetzte Kommission unter dem Bischof Stanisław Karnkowski von Kujawien die beiden Städte. Während Elbing den königlichen Forderungen nachkam, weigerten sich die Danziger zunächst, die königlichen Emissäre in die Stadt zu lassen. Erst am 1. Dezember 1569 konnte die Kommission unter großem Prunk in die Stadt einziehen. Das Interesse der polnischen Krone an einer stärkeren Kontrolle über Danzig war zum einen machtpolitisch begründet, entsprang aber hauptsächlich dem Wunsch, aus der wohlhabenden Hansestadt mehr Abgaben herauszuziehen. Bischof Karnkowski hegte wahrscheinlich auch Hoffnungen auf eine Rekatholisierung der lutherischen Stadt.

Streit um das Pfahlgeld Am 14. März 1570 verkündete die Karnkowski-Kommission die sogenannten Karnkowskischen Statuten oder Konstitutionen, mit denen die Selbstverwaltung Danzigs eingeschränkt und die königlichen Befugnisse in der Stadt vermehrt wurden. Die Stadt war jedoch fest entschlossen, die althergebrachten Freiheiten zu verteidigen. Zunächst unterwarf sich eine städtische Delegation dem König und akzeptierte die Statuten. Später verweigerte die Stadt jedoch deren Umsetzung. Zu einem zentralen Streitpunkt entwickelte sich der Streit um das sogenannte Pfahlgeld. Das Pfahlgeld war eine Hafenabgabe, die seit dem 14. Jahrhundert (erstmals dokumentiert 1341) in Danzig erhoben wurde, gewissermaßen für das Recht, ein Schiff im Danziger Hafen an einem Pfahl (Poller) zu vertäuen. Seit langer Zeit belief es sich auf zwei Pfennig pro Mark exportierter oder importierter Güter. Die Gebühr war traditionell im Untergeschoss des Rathauses in der sogenannten Pfahlkammer, die unter der Aufsicht von zwei Pfahlherren stand, zu entrichten. In einem Privileg vom 2. Juli 1526 hatte König Sigismund I. der Stadt das Recht auf die weitere Erhebung des Pfahlgeldes zugesichert. Im Jahr 1530 beliefen sich die städtischen Einnahmen aus dem Pfahlgeld auf 26 000 Mark, im Jahresdurchschnitt von 1548 bis 1554 waren es bereits mehr als 67 000 Mark und im Jahr 1554 sogar mehr als 92 000 Mark. Allerdings standen dieser Steigerung der Einnahmen auch deutliche Abgabensteigerungen aufgrund Streitigkeiten mit Lübeck und Schweden 1534 und aufgrund des Livländischen Krieges 1558 bis 1583 gegenüber. König Sigismund II. August forderte einen Anteil am Pfahlgeld und die Erhöhung desselben. Danzig weigerte sich jedoch standhaft, dem König einen direkten Zugriff auf die städtischen Finanzen zu gewähren. Zum einen, weil die Stadt fürchtete, dass dadurch dem König ein dauerhaftes Tor zum Eingriff in die inneren Angelegenheiten Danzigs geöffnet würde, und zum anderen, weil durch eine Erhöhung der Pfahlgeldabgabe der Danziger Handel Schaden nehmen konnte.

1577 bis 1578 kam es zur offenen kriegerischen Auseinandersetzung, dem Danziger Krieg, zwischen dem neu gewählten König Stephan Báthory und der Stadt Danzig. Die königlichen Truppen belagerten die Stadt, konnten sie aber nicht einnehmen. Im anschließend geschlossenen Vergleich unterwarf sich die Stadt formal dem König und zahlte einen großen Geldbetrag. Im Gegenzug bestätigte der König die städtischen Privilegien, und verschob seine Forderungen hinsichtlich des Pfahlgelds sowie die Entscheidung über die Karnkowskischen Statuten bis zum nächsten polnischen Sejm.

Pfahlgeldvertrag von 1585 Nachdem weitere Vermittlungsversuche zwischen der Stadt und König Stephan Báthory gescheitert waren, erklärte sich Danzig Ende 1582 schließlich bereit, das Pfahlgeld um zwei Pfennige zu erhöhen und damit zu verdoppeln. Die zusätzlichen Einnahmen sollten in die königliche Kasse fließen. Mit ausschlaggebend für das Einlenken der Stadt war auch die drohende Perspektive, dass die Eastland Company oder Baltic Company, eine mit Privileg von Königin Elisabeth I. 1579 gegründete englische Handelsgesellschaft, im benachbarten Elbing eine Handelsniederlassung einrichten und mit Freihandelsprivilegien ausgestattet, dem Danziger Handel Konkurrenz machen könnte. Im Gegenzug hob der König ausdrücklich den Vergleich mit König Sigismund August auf, verzichtete insbesondere auf die Zahlung der jenem versprochenen 100 000 Gulden und erklärte die Karnkowskischen Statuten für ungültig. Die englische Niederlassung in Elbing erhielt nicht die erhoffte königlich-polnische Privilegierung. Am 1. April 1584 unterschrieb der König den sogenannten Pfahlgeldvertrag (Tractatus portorii), am 24. Februar 1585 wurde dieser auch vom polnischen Sejm genehmigt und am 26. Februar 1585 wurde er als königliches Privileg unter dem großen Reichssiegel feierlich ausgefertigt. Nur wenige Monate nach Inkrafttreten des Vertrags, am 12. Dezember 1585, starb König Stephan Báthory.

Weitere Entwicklung Das folgende halbe Jahrhundert gehört zur glücklichsten Zeit der Danziger Stadtgeschichte. Die Stadt trat in eine Episode des relativen Friedens ein. Der Handel blühte auf, und die Einwohnerzahl wuchs an. Die Bürgerschaft der Stadt leistete sich prachtvolle Renaissancebauten. Mit etwa 77 000 Einwohnern um die Mitte des 17. Jahrhunderts war Danzig nicht nur der mit Abstand bedeutendste Ostseehafen, sondern auch die bevölkerungsreichste Stadt des gesamten Ostseeraums und eine der bevölkerungsreichsten Städte des gesamten deutschen Sprachraums. Danach setzte ein langsamer Abstieg ein, bedingt durch erneute kriegerische Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit dem Aufstieg anderer Ostseemächte (anfänglich Schweden, später Russland und Brandenburg-Preußen) und dem Verfall des polnisch-litauischen Großreiches.

Literatur (Originaltext des Vertrages)

Einzelnachweise

Kategorie:Vertrag (16. Jahrhundert) Pfahlgeldvertrag Kategorie:1585 Kategorie:Vertrag (Polen-Litauen) Pfahlgeldvertrag