mini|Bewaldete Hügelkuppe mit Schlosshotel «Château Gütsch» von der Kapellbrücke aus, vorne der Rathaussteg Der Gütsch ist ein Hügel und Naherholungsgebiet in der Stadt Luzern in der Schweiz. Er ist grösstenteils bewaldet. Von der Kernstadt prominent sichtbar ist das Hotel «Château Gütsch».
Geographische Lage Die Anhöhe liegt westlich der Kernstadt von Luzern. Im Nordwesten grenzt der Hügel an den Stadtteil Littau, im Westen an die Stadt Kriens. Der Gütsch erstreckt sich von 519 (Bergstation) bis ca. 555 m ü. M. (Obergütsch).
Geschichte mini|Blick auf Luzern mit Gütschbahn und «Château Gütsch» (nach 1884) Der Ort wurde erstmals 1367 urkundlich erwähnt.Angelo Garovi: Die Örtlichkeitsnamen der Stadt Luzern im Mittelalter (= Beiträge zur Luzerner Stadtgeschichte. Band 2). Hrsg. von der Stadt Luzern. Keller, Luzern 1975, S. 84. Der Name stammt aus dem spätlateinischen cucutium für Kapuze, Haube, runder Hügel. Die Kuppe war von alters her bewaldet und dient als städtischer Forst. Ab dem 16. Jahrhundert entstanden städtische Steinbrüche am Rande des Gütschwaldes.Untersuchungsbericht von S. Weingartner am 20. März 1825. In: SALU, B3.43./A1 619, 619 d, f, i, k, l, m, n, Fertigungsakten, Teil I. Hier wurde Sandstein für die Errichtung von Steinhäusern gewonnen. Im 19. Jahrhundert wurden die Steinbrüche als Standorte für Bauwerke wie die Villa «Britannia», die Villa «Wilhelmshöhe», das «Château Gütsch» und die ABL-Wohnsiedlung «Bernstrasse» genutzt.
Die linksufrige Stadtmauer Luzerns wurde 1590 von der Senti-Vorstadt bis auf den Gütsch gezogen. Ein kleiner Befestigungsturm, Lueg id Stadt, diente als militärischer Ausguck und wurde im 19. Jahrhundert von der Luzerner Offiziersgesellschaft als Gesellschaftslokal genutzt; er brannte 1921 ab. Die Ruine des Turms flankiert heute noch den Fussweg zum «Château Gütsch». Der Gütschwald wurde im 19. Jahrhundert zu einem Naherholungsgebiet der wachsenden Touristenstadt Luzern.
Königin Victoria und die «Pension Wallis» mini|Pension Wallis: 1868 während fast fünf Wochen Ferienresidenz von Königin Victoria mini|Prinzessin Louise: Gütsch mit Pension Wallis, 1868 Vom 7. August bis zum 9. September 1868Rigi from Pension Wallis – Lucerne. Royal Collection Trust, abgerufen am 3. April 2026. verbrachte Königin Victoria einen Erholungsaufenthalt auf dem Gütsch, zusammen mit drei Töchtern, einer relativ kleinen Anzahl Bediensteter und zwei Ponys. Mehr als sechs Jahre nach dem Tod ihres Gatten, Prinz Albert, war sie noch immer in tiefer Trauer und litt an Erschöpfungssymptomen. Ein längerer Aufenthalt in einer Gegend, die Prinz Albert geliebt hatte, fern von allen Pflichten, sollte ihre Stimmung aufhellen und ihre Kräfte wiederherstellen.Thomas Stephens: How Queen Victoria transformed the Swiss tourism industry. In: swissinfo.ch. 21. Juli 2018, abgerufen am 3. April 2026.Michael van Orsouw: Die malende Monarchin. In: Blog des Schweizerischen Nationalmuseums. 1. Mai 2025, abgerufen am 3. April 2026. Als Ferienresidenz hatte sie die vornehme «Pension Wallis» gemietet, die zwei Jahre zuvor vom britischen Lithografen Robert Wallis eröffnet worden war.Corinne Holtz: «Queen Victoria in der Schweiz» von Peter Arengo-Jones. In: brefmagazin.ch. 16. November 2018, abgerufen am 3. April 2026.
Wallis hatte eine eher zwielichtige Vergangenheit: Er hatte Freischärler unterstützt und war unter anderem durch Waffenhandel reich geworden; auf die katholisch-konservative Luzerner Regierung war er nicht gut zu sprechen. Die Königin hatte die Pension aber nicht wegen ihres Besitzers ausgewählt, sondern wegen ihrer privilegierten Lage hoch über der Stadt Luzern. Begeistert schrieb sie in ihr Tagebuch: «Die Aussicht … mit Blick über den See, und davor die Stadt, umrandet von den prächtigsten Bergen, & leuchtendem Grün im Vordergrund, ist ideal. Es war wirklich das, was ich erträumt hatte, von dem ich aber kaum glauben konnte, es jetzt in Wirklichkeit zu sehen!»
mini|Königin Victoria: Righi from Pension Wallis, Lucerne, 1868 mini|The Queen's View, Lake of Lucerne, from the Pension Wallis. The Illustrated London News, 3. Juli 1869
Von Luzern aus unternahm die Monarchin zahlreiche Reisen durch die Zentralschweiz und bis zum Furkapass, einschliesslich Besichtigung des Rhonegletschers. Auf dem Vierwaldstättersee stand ihr ein Dampfschiff zur Verfügung, das auch ihre Kutschen und Pferde befördern konnte.Gian Waldvogel: Als die Weltenherrscherin Luzern mit «Winkelried» inkognito bereiste. In: zentralplus.ch. 23. März 2018, abgerufen am 4. April 2026. – Die Königin mietete den Raddampfer «Winkelried», der seit 1864 in Betrieb war. Die künstlerisch begabte Königin fertigte viele Zeichnungen an und malte Aquarelle; ihre ebenso talentierte Tochter Louise, damals 20 Jahre alt, tat es ihr gleich. Der Erholungsaufenthalt erzielte die gewünschte Wirkung: Victoria schöpfte neuen Lebensmut. Ein Jahr später konnten auch die Zeitungsleser in London sehen, welch prächtigen Ausblick ihre Königin in der Pension Wallis genossen hatte; der Tourismus in Luzern erhielt gewaltigen Auftrieb.
Heute wird das Haus «Wallis» privat genutzt.Sandra Monika Ziegler: Das historische Museum Luzern auf den Spuren von Queen Victoria. In: luzernerzeitung.ch. 2. April 2018, abgerufen am 5. April 2026. Es steht zwischen dem zwei Jahrzehnte jüngeren «Château Gütsch» und dem 2012 errichteten, langgestreckten Wohnhaus «Gütschhöhe» der Wohnbaugenossenschaft GEFA.Werner Huber: Wohnband über der Stadt. In: hochparterre.ch. 16. November 2012, abgerufen am 5. April 2026.
Hotel «Château Gütsch»
Das Schlosshotel «Château Gütsch» wurde 1888 eröffnet. Neben dem Hotelbetrieb beherbergt es ein öffentliches Restaurant und eine Bar.
Erschliessung
Der Schräglift zum Hotel «Château Gütsch» ist im öffentlichen Zonenplan der Verkehrsbetriebe Luzern enthalten, da er auch der Erschliessung der Naherholungszone Gütschwald dient. Diese besteht aus Waldwegen, Picknick- und Grillplätzen, der «Gütschhütte» sowie einem Weiher.
Einzelnachweise
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