Sita Devi, Maharanée Seethadevi Gaekwar de Baroda (* 12. Mai 1917 in Madras, Britisch-Indien; † 15. Februar 1989 in Paris, Frankreich) war eine indische Adlige und ein Mitglied der internationalen High Society. Sie erlangte internationale Bekanntheit durch ihre Ehe mit dem Maharadscha von Baroda, Pratap Singh Rao Gaekwar, sowie durch die damit verbundenen Kontroversen um Vermögenswerte aus dem Besitz des Hauses Gaekwar. In der internationalen Presse wurde sie wiederholt als die „indische Wallis Simpson“ bezeichnet.

Herkunft und erste Ehe Sita Devi entstammte der Herrscherfamilie von Pithapuram. Ihr Vater wird in den Quellen als „Sri Raja Rao Venkata Kumara Mahipati Surya Rau Bahadur Garu, Zamindar (bzw. Maharaja) von Pithapuram“ und ihre Mutter als „Sri Rani Chinnamamba Devi von Mirzapuram“ bezeichnet. In erster Ehe war sie mit Meka Rangaiah Appa Rao (auch Apparao Bahadur), Zamindar von Vuyyuru (auch Vayyur), verheiratet. Aus dieser Verbindung gingen je nach Quelle ein oder mehrere Kinder hervor. Die Ehe wurde später aufgelöst.

Ehe mit dem Maharadscha von Baroda 1943 lernte Sita Devi den Maharadscha von Baroda bei Pferderennen in Madras kennen. Um ihre erste Ehe rechtlich auflösen zu können, konvertierte sie laut zeitgenössischer Berichte kurzzeitig zum Islam (und kehrte später zum Hinduismus zurück). Danach heiratete sie den Maharadscha als zweite Ehefrau. Die Eheschließung war umstritten, da sie im Widerspruch zu Anti-Bigamie-Regelungen stand, die von einem früheren Herrscher Barodas erlassen worden waren. Der britische Vizekönig in Neu-Delhi ließ die Angelegenheit prüfen. Nach juristischer Beratung akzeptierte die britische Kolonialverwaltung die Ehe, allerdings erhielt Sita Devi nicht die protokollarische Anrede „Ihre Hoheit“.

Leben in Europa und Vermögensfragen mini|Edgar Degas, Die rosa Tänzerin, Pastell auf Leinwand, 93 × 73 cm ca. 1877–1890. Ex-Sammlung Maharani Seethadevi Gaekwar de Baroda Ab 1946 hielten sich Sita Devi und der Maharadscha überwiegend außerhalb Indiens auf. Nach einer Europareise erwarben sie eine Villa in Monte Carlo, Monaco, in der Sita Devi dauerhaft lebte. Der Maharadscha besuchte sie regelmäßig. Zeitgleich wurden bedeutende Schmuck- und Kunstgegenstände aus dem Besitz des Hauses Gaekwar nach Europa gebracht. Ihre Verwahrung und spätere Verfügung werden vielfach mit Sita Devi in Verbindung gebracht.

Nach Kriegsende unternahm das Paar mehrere Reisen in die Vereinigten Staaten. Zeitgenössische Presseberichte sprachen von außergewöhnlich hohen Ausgaben, wobei die Quellen unterschiedliche Beträge angaben. In der Folge leitete die Regierung Indiens eine Prüfung der Finanzen des Fürstenstaates Baroda ein und stellte fest, dass der Maharadscha umfangreiche zinslose Entnahmen aus der Staatskasse vorgenommen hatte. Die Rückzahlung erfolgte in mehreren Tranchen aus seinen persönlichen Einkünften.

Zu den aus Baroda transferierten Vermögenswerten zählten übereinstimmenden Berichten zufolge unter anderem mehrere Perlenteppiche, das als „Baroda-Perlen“ bekannte mehrreihige Perlcollier, bedeutende Diamanten – darunter „Star of the South“, „English Dresden“, „Empress Eugénie“ und „Moon of Baroda“ – sowie weitere Juwelen. Nach der Eingliederung Barodas in die Indische Union stellte man jedoch fest, dass Teile der Schatzkammer fehlten. Einige Objekte konnten später lokalisiert und zurückgeführt werden, während andere in Privatbesitz übergingen oder umgearbeitet wurden.

Absetzung des Maharadschas und spätere Jahre 1951 wurde Pratap Singh Rao Gaekwar aufgrund finanzieller Unregelmäßigkeiten von der indischen Regierung abgesetzt; sein ältester Sohn aus erster Ehe folgte ihm nominell nach. Sita Devi und ihr Ehemann verwendeten ihre früheren Titel weiterhin. Aus der Ehe ging ein Sohn hervor: Sayaji Rao Gaekwar, genannt „Princie“ (* 8. März 1945; † 8. Mai 1985). Die Ehe zwischen Sita Devi und dem Maharadscha wurde Mitte der 1950er Jahre geschieden und Pratap Singh zog anschließend nach London.

Sita Devi lebte danach überwiegend in Monaco und Paris und blieb Teil der internationalen Gesellschaft. Sie unterhielt einen aufwendigen Lebensstil und trat regelmäßig bei gesellschaftlichen Ereignissen in Europa und den USA auf. In der Presse fanden sowohl ihr Schmuck als auch einzelne juristische Auseinandersetzungen Erwähnung, darunter ein Zivilverfahren in Paris im Zusammenhang mit einem Kunstkauf (Maharanee of Baroda vs. Wildenstein). mini|Perlenteppich von Baroda 1961 verkaufte Sita Devi einen Teil ihrer Gemäldesammlung. In den 1970er Jahren veräußerte Sita Devi diskret Teile ihres Schmucks. Nach ihrem Tod wurden weitere Objekte aus dem ehemaligen Besitz von Baroda wiederentdeckt. So tauchten beispielsweise im Jahr 1994 mehrere Perlenteppiche in einem Genfer Tresor auf, die anschließend verkauft wurden, einer bei Sotheby’s in Doha, der Perlenteppich von Baroda. Weitere Juwelen konnten bei europäischen Juwelieren oder im Rahmen von Auktionen, unter anderem bei Christie’s, identifiziert werden. Einzelne Stücke gelangten später in private oder museale Sammlungen, darunter Institutionen in Katar. 1985 nahm sich ihr Sohn „Princie“ das Leben. Sita Devi starb vier Jahre später in Paris eines natürlichen Todes.

Literatur

Collection de S.A.R. la Maharanée Seethadevi Gaekwar de Baroda, Palais Galliéra, Paris, 30. November 1961 (Auktion mit Auktionskatalog).

Weblinks

The most flamboyant Maharani History of Vadodara – Baroda Collection Highlight: The Baroda Carpet (Qatar Museum) GemSelect.com 22 interesting facts about Maharani Sita Devi of Baroda French Sampler

Einzelnachweise

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