Ulrike Herdin (geboren am 9. November 1944, gestorben am 22. Dezember 1990 in Berlin) war eine deutsche Filmproduzentin und Filmemacherin.

Leben und Werk Ulrike Herdin flüchtete Anfang der 1968 aus der DDR nach West-Berlin. 1977 war sie Mitgründerin der Initiative Frauen im Kino e. V. Ab 1980 war sie zunächst als Produktionsleiterin und Regieassistentin tätig, später als Produzentin zusammen mit Lilly Grote in der 1986 gemeinsam gegründeten Produktionsfirma SO 36 Film.

Der Film Berlin, Bahnhof Friedrichstraße 1990, dessen Uraufführung Ulrike Herdin durch ihren frühen Tod nicht mehr erlebte, entstand im Kollektiv mit Lilly Grote, Konstanze Binder und Julia Kunert. Herdin übernahm hier neben den erfahreneren Filmregisseurinnen und Kamerafrauen Grote, Binder und Kunert zusätzlich zur Produktion mit SO 36 Film auch die Rolle einer gleichberechtigten Regisseurin und Drehbuchautorin.

Über den Verlauf eines halben Jahres bis zur Währungsunion begleiteten die vier Filmemacherinnen die Veränderungen der Wendezeit am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin: vom gelockerten Grenzverkehr zwischen Ost und West nach dem Mauerfall über die Wiederherstellung der durchgehenden Streckenführung der Bahn bis zum schrittweisen Rückbau der Grenzkontrolleinrichtungen. Das im Rahmen der ZDF-Sendereihe Das kleine Fernsehspiel produzierte Berlin, Bahnhof Friedrichstraße 1990 gilt heute als Zeitdokument des deutschen Wiedervereinigungsprozesses in Berlin. Der Film hatte seine Uraufführung bei den 41. Internationalen Filmfestspielen Berlin 1991 im Rahmen des 21. Internationalen Forums des Jungen Films und wird im Jahr 2026 erneut in einer digitalisierten Fassung auf der Berlinale zu sehen sein.

Filmografie (Auswahl) 1984: Der Schlaf der Vernunft, Regie: Ula Stöckl (Regieassistenz, Produktionsleitung) 1986: Oranisches Tor, Regie: Lilly Grote (Produktion) 1988: Jenseits von Blau, Regie: Christoph Eichhorn (Produktionsleitung) 1989: Mondjäger, Regie: Jens-Peter Behrend (Herstellungsleitung) 1991: Berlin, Bahnhof Friedrichstraße 1990 (Dokumentarfilm; Regie, Drehbuch, Interviews, Produktion) 1991: Djarama Boé. Danke Boé, sei mir gegrüßt, Regie: Sophie Kotanyi (Produktionsleitung) 1992: Yaray Yesso, Regie: Sophie Kotanyi (Produktion) 1992: BeFreier und Befreite, Regie: Helke Sander (Produktion, Produktionsleitung) 1992: Das alte Lied, Regie: Ula Stöckl (Drehbuch-Mitarbeit)

Publikationen mit Annette Reinhorst, Irene Portugall, Susi Karcher, Petra Klein, Lena: Die Wahrnehmung des Sichtbaren und die Sichtbarmachung der Wahrnehmung: Initiativen Frauen im Kino. In: Frauen und Film. Nummer 18, Dezember 1978, S. 48–54, (PDF; 1,5 MB).

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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