Vibidia war eine römische Vestalin des 1. Jahrhunderts n. Chr.
Vibidia entstammte der Familie der Vibidier; ihr Vater war Sextus Vibidius Virro. Dieser stammte möglicherweise aus Corfinium und wurde im Jahr 17 wegen sittlicher Verfehlungen und Verschwendungssucht unter Kaiser Tiberius aus dem Senat entfernt.
Vibidia bekleidete das Amt einer virgo Vestalis und gehörte zu den dienstältesten – und damit ranghöchsten – Mitgliedern des Vestakollegiums. Tacitus bezeichnet sie als virgo Vestalium vetustissima.Tacitus, Annalen 11,32,2.
Vibidia tritt im Zusammenhang mit dem Sturz der Kaiserin Valeria Messalina im Jahr 48 hervor. Als Messalina wegen ihrer Bigamie mit Gaius Silius des Hochverrats und des Ehebruchs beschuldigt wurde, versuchte sie in letzter Verzweiflung, über Vibidia Kaiser Claudius um Gnade zu bitten.Tacitus, Annalen 11,32,2. Tacitus schildert, wie Messalina Vibidia beauftragte, sich an „das Ohr des Pontifex Maximus“ — also des Kaisers selbst — zu wenden, um für Milde zu flehen. Auch später trat Vibidia nochmals als eindringliche Fürsprecherin auf und verlangte, dass Messalina nicht ohne Anhörung und Verteidigung dem Tod ausgeliefert werde. Narcissus wies sie jedoch ab und forderte sie auf, zu ihren heiligen Pflichten zurückzukehren.Tacitus, Annalen 11,34,4. Messalina wurde noch am selben Tag hingerichtet.
In einem zeitlich nicht genau bestimmbaren Jahr wurde Vibidia vom Volk der Athener öffentlich durch eine Statue geehrt. Eine Inschrift nennt sie als ἱερὰ παρθένος („heilige Jungfrau“) und Tochter des Sextus Vibidius Virro, ausgezeichnet wegen ihrer „Frömmigkeit“ (εὐσεβείας ἕνεκα).Inscriptiones Graecae (IG) II² 3532. Auch ihr Vater erhielt in Athen eine Ehrenstatue.IG II² 4161.
Literatur
Prosopographia Imperii Romani (PIR) ² (2015) V 532.
Einzelnachweise
Kategorie:Vestalin Kategorie:Römer Kategorie:Geboren im 1. Jahrhundert v. Chr. oder 1. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 1. Jahrhundert Kategorie:Frau