Talal Afifi (arabisch: ; * 1976 in Hamburg) ist ein sudanesischer Filmproduzent und Kurator. 2013 gründeten er und andere Filmemacher die Sudan Film Factory und im folgenden Jahr das Sudan Independent Film Festival. Afifi ist seit 2009 für seine Rolle bei der Förderung einer neuen Generation sudanesischer Filmemacher bekannt.
Auch nach dem Beginn des sudanesischen Bürgerkriegs im Jahr 2023 nimmt er weiterhin an internationalen Filmfestivals teil. Daneben hat er als Koproduzent für sudanesische Dokumentarfilme mit Produktionsfirmen in Großbritannien, Deutschland und Ägypten zusammengearbeitet.
Leben und Wirken Afifi begann 2009 in Khartum mit der Organisation von Workshops für angehende sudanesische Filmemacher. Zu dieser Zeit gab es im Sudan keine Ausbildungs- und Produktionsstätten für Filmemacher, und die meisten Kinos des Landes waren während der 30-jährigen Herrschaft der islamistischen und militärischen Regierung unter Umar al-Baschir vernachlässigt oder geschlossen worden.
Im Rahmen der Aktivitäten des deutschen Kulturzentrums - Goethe-Institut - im Sudan war Afifi von 2009 bis 2012 als Koordinator des neu gegründeten Filmproduktions- und Ausbildungsprojekts des Instituts tätig. Nachdem er zuvor als Kulturmanager in Ägypten und im Sudan gearbeitet hatte, leitete Afifi Workshops und die Produktion einer Reihe von Kurzfilmen junger sudanesischer Filmemacher.
Als Direktor der 2013 gegründeten Sudan Film Factory (SFF) hat Afifi aktuelle Trends und Produktionen des sudanesischen Kinos in zahlreichen internationalen Foren vertreten. Neben seinen Aktivitäten zur Förderung des sudanesischen Kinos war Afifi auch Mitglied der sudanesischen Schriftstellervereinigung.
Sudan Film Factory Da es im Sudan keine spezialisierte Filmschule für die Ausbildung und keine öffentlichen Mittel für die Produktion und Präsentation von Filmen gab, gründeten Afifi und andere Filmemacher 2013 die Sudan Film Factory (SFF) als unabhängige Plattform, „um die Fähigkeiten junger sudanesischer Talente zu fördern, Filme zu produzieren und dem sudanesischen Publikum das Filmemachen und Kino näherzubringen.“ Begünstigt durch die Einführung digitaler Filmbearbeitung, zahlreicher Workshops, unabhängiger Finanzierungen und wachsender Anerkennung auf internationalen Festivals gab es in den 2010er Jahren mehrere erfolgreiche Initiativen zur Wiederbelebung der seit den 1960er Jahren zum Erliegen gekommenen Filmproduktion im Sudan. Im Jahr 2014 gründeten Afifi und andere Filmemacher das Sudan Independent Film Festival, dessen jährliche Wiederholungen sich bis 2020 wachsender Beliebtheit erfreuten.
In weniger als zehn Jahren seit seiner Gründung hatte die SFF mehr als 300 junge Männer und Frauen in verschiedenen Bereichen des Filmemachens ausgebildet. Insbesondere wurden rund 30 Workshops für Drehbuch, Regie und Schnitt organisiert und mehr als 60 Kurzfilme produziert, von denen einige auf internationalen Festivals ausgezeichnet wurden. Darüber hinaus half die SFF sudanesischen Filmemachern dabei, Fördermöglichkeiten und Weiterbildungsangebote des British Council und anderer Kulturorganisationen wie dem Arab Fund for Arts and Culture (AFAC) zu erlangen. Im Jahr 2016 veranstaltete die SFF einen Workshop der Afrikanischen Regionalorganisation für geistiges Eigentum (ARIPO), in dem die Notwendigkeit der Einführung von Urheberrechtsgesetzen im Sudan betont wurde. Die SFF wurde Mitglied des Netzwerks arabischer alternativer Kinos und des Arab Network for Human Rights Films.
Neben anderen Produktionen arbeitete die SFF 2018 an dem Kurzfilm A Handful of Dates mit, der auf einer Geschichte des sudanesischen Schriftstellers at-Tayyib Salih basiert. Im Jahr 2019 waren Afifi und die SFF an der Produktion des preisgekrönten Spielfilms You Will Die at Twenty von Amjad Abu Alala beteiligt, in dem Afifi die Rolle des Alnoor spielte.
Laut der 2021 von der UNESCO veröffentlichten Studie „The African film industry“ (Die afrikanische Filmindustrie) hatte sich die Sudan Film Factory unter der Leitung von Afifi zu einer der etabliertesten Produktionsfirmen des Sudan entwickelt.
Aktivitäten nach 2023 Seit dem Ausbruch des sudanesischen Bürgerkriegs im April 2023 fördert Afifi weiterhin Filme aus und über den Sudan. In Zusammenarbeit mit Produktionsteams aus Großbritannien, Deutschland und Ägypten produzierte er mehrere Dokumentarfilme. Hierzu gehören Al-Sit, The Art of Sin, From Sudan to Argentina und der 2025 auf der Berlinale preisgekrönte Dokumentarfilm Khartoum.
Für das Safar Film Festival 2025 in London präsentierte er ein Programm mit dem Titel „Voices and Visions of Sudan“ („Stimmen und Visionen des Sudan“), in dem er sudanesische Filme aus den 1970er- und 1980er-Jahren sowie zeitgenössische Produktionen ausgewählt hatte, die die Folgen der Revolution im Sudan von 2019 widerspiegeln. Dieses Programm wurde von Oktober bis Dezember 2025 auch in anderen Städten des Vereinigten Königreichs präsentiert. Darüber hinaus war Afifi weiterhin als Jurymitglied und Kurator bei internationalen Festivals tätig, darunter beim International Documentary Association Award (IDA), für den Arab Fund for Arts and Culture (AFAC) und beim Sharjah Film Platform Feature Fund.
Weblinks
Interview mit Talal Afifi über Film im Sudan im Goethe-Institut Khartum (2012) (englisch)
Einzelnachweise
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