mini|Carolina Bunjes-Rosenthal, 1936 Carolina Lini Dorothea Philippine Bunjes-Rosenthal (geboren 13. Februar 1918 in Utrecht; gestorben 25. Mai 2016 in Pontassieve, Toskana) war eine niederländische Fotografin, Spanienkämpferin im Bürgerkrieg und Widerstandskämpferin gegen die deutsche Besatzung der Niederlande.
Leben Carolina Lini Bunjes wurde am 13. Februar 1918 in Utrecht als Tochter von Wilhelm Rudolf Bunjes und Rebecca Jacobs geboren. Ihre Mutter war Jüdin und sie zog in jungen Jahren mit ihren Eltern nach Berlin, dort betrieb ihr Vater ein Geschäft. Ihr Vater war im Ersten Weltkrieg in die Niederlande desertiert. In Berlin besuchte sie die Schule und erlebte die Machtergreifung Adolf Hitlers mit. Sie zog zurück in die Niederlande und mit 16 Jahren zu ihrer älteren Schwester nach Amsterdam. Diese war politisch aktiv, vertrat linke Ansichten und durch ihren Einfluss entwickelte Caroline Bunjes ein politisches Interesse. Sie schloss sich verschiedenen antifaschistischen Organisationen an und lernte Franz Lowenstein kennen. Lowenstein war ein junger deutscher Kommunist und lebte in den Niederlanden im Exil.
Spanischer Bürgerkrieg Gemeinsam gingen sie nach Paris und im Sommer 1936 nach Barcelona. Dort arbeiteten beide als Sport- und Nachrichten-Fotografen. Als der Putsch von Franco im Jahr 1936 zum spanischen Bürgerkrieg führte, schlossen sie sich dem Widerstand an. Lowenstein kämpfte in der Thälmann-Kolonne in Aragón. Er gehörte später dem Generalstab der Internationalen Brigaden in Albacete an und fiel im September 1938 in der Ebroschlacht. Da hatten sich Lini Bunjes und er jedoch bereits getrennt. Lini Bunjes reiste im September 1936 nach Madrid. Dort gehörte sie als Leutnant dem Bataillon der Joven Guardia an und verband ihren Militärdienst mit der Fotografie. Sie soll Bilder nach Paris zu ihrer Schwester Cato geschickt haben, die dort im Büro der Brigaden arbeitete, jedoch sind diese verschwunden. Sie kämpfte in der Schlacht um Madrid und lernte dabei den Spanier Antonio Blas García, einen Kommandanten der republikanischen Armee, kennen. Beide heirateten im November 1936. Im Dezember wurde Lini Bunjes an der Navalcarnero-Front an der Hand verletzt, mit der bandagierten Hand wurde sie später mehrfach für die Titelseiten von Magazinen fotografiert.
Verdächtigung als Spionin Nach der Veröffentlichung der Bilder wurde Lini Bunjes nicht als Kriegsheldin angesehen, sondern der Militärnachrichtendienst fing an sie zu überwachen, da man sie für eine Spionin der Nationalsozialisten hielt. Sie wurde zehn Tage beschattet, dies wurde detailliert in Überwachungsberichten dokumentiert. Dabei wurde festgehalten, mit wem sie sprach, mit wem sie die Nacht verbrachte, ihre Post und Telefongespräche wurden überwacht und obwohl dies alles keine Bestätigung des Verdachtes brachte, wurde ihr befohlen, die Front zu verlassen und nach Valencia zurückzukehren. Dort sollte ihre Vergangenheit eingehend untersucht werden. Schließlich sollte sie aus Spanien ausgewiesen werden. Man hatte zwar keine Beweise für die vermeintliche Spionage gefunden, jedoch, so wurde in einem Bericht festgehalten, sei sie eine Frau, die „unsere Kameraden verführen könnte“: „Sie ist jung und schön, sehr intelligent und spricht unsere Sprache.“ Mit dieser diskriminierenden Begründung wurden Anfang 1937 die meisten Soldatinnen von der Front verbannt.
Auf Anordnung der Generaldirektion für Sicherheit wurde sie am 19. Dezember 1936 als mutmaßliche Spionin in das Frauengefängnis von Valencia eingeliefert. Aufgrund einer Eileiterschwangerschaft wurde sie Ende Januar 1937 in das Provinzkrankenhaus verlegt. Sie verlor das Baby und wurde in ein Gefängnis nach Madrid verlegt. Als Antonio Blas davon erfuhr, forderte er die Kommunistische Partei auf, sie sofort freizulassen. Danach schloss sich Lini Bunjes ihrem Mann Blas, der nun Kommandeur der 109. Gemischten Brigade war, an der Front in Extremadura an. Blas wurde 1938 nördlich von Badajoz gefangen genommen. Er wurde im Sommer 1938 in das Konzentrationslager Logrosán der Franco-Diktatur eingeliefert. Sein Tod wurde nie registriert, jedoch gibt es keine weiteren Aufzeichnungen über ihn. Zu dem Zeitpunkt war Bunjes erneut schwanger. Sie beschloss in Herrera del Duque, in der Extremadura zu bleiben, wo sie bereits in der Nähe der Front gelebt hatte. Ihr Sohn Antonio, benannt nach seinem Vater, wurde im November 1938 in Madrid geboren.
Verhaftung durch die Faschisten und Flucht in die Niederlande Sie kehrte mit ihrem Sohn, den sie Toñino nannte in die Extremadura zurück. Dabei hoffte sie auf die Rückkehr ihres Mannes. Nachdem Herrera del Duque im Januar 1939 von Francos Truppen eingenommen worden war, wurde sie von einem Faschisten verraten. Sie hatte sich zuvor geweigert, mit ihm zu schlafen. Im Mai 1939 wurde sie unter dem Vorwurf, eine linke Fotojournalistin zu sein, verhaftet. Sie wurde freigelassen, nachdem der niederländische Konsul sich für sie eingesetzt hatte und dieser sorgte dafür, dass sie Geld von ihrer Mutter erhielt. Er riet ihr, Spanien zu verlassen. Bunjes reiste mit dem Geld nach Madrid zu ihren Schwiegereltern. Dort lebte sie einige Monate und bat das niederländische Konsulat um Hilfe bei ihrer Heimreise.
Sie fühlte sich in Madrid nicht wohl und versuchte auf eigene Faust die Rückreise in die Niederlande. Mit dem Zug fuhr sie bis Barcelona, sie hatte von dem jüdischen Anwalt Louis Stern gehört, der Flüchtlingen beim Grenzübertritt half. Doch als sie versuchte, die Pyrenäen zu Fuß zu überqueren, wurde sie von der spanischen Polizei verhaftet und erneut inhaftiert, diesmal in Figueres. Ihr kleiner Sohn war dabei erkrankt und wurde mehrere Monate von einem Kinderarzt betreut. Nachdem sie am 1. Januar 1941 freigelassen worden war, wurde sie von einem Mitarbeiter des deutschen Konsulats und einem bewaffneten Wachmann zum Flughafen gebracht und nahm ein Flugzeug nach München. Vorn dort reiste sie mit dem Zug in die besetzten Niederlande.
Widerstand in den Niederlanden Zurück in den Niederlanden ging sie nach Scheveningen und lebte bei ihrer Mutter. Sie schloss sie sich in dort dem Widerstand an und suchte Verstecke für Juden. Nach einiger Zeit wurde sie verhaftet. Ihre Vernehmer wussten, dass sie in Spanien gewesen war, doch ließen sie sie aus Mangeln an Beweisen frei. Da sie meinte, es wäre sicherer, zog sie im Sommer 1944 in die Provinz Friesland. Auch dort versteckte sie Juden vor den Nazis und organisierte Waffenlager für den bewaffneten Widerstand. Sie überlebte genau wie ihre jüdische Mutter den Krieg, weil beide sich nicht als Juden hatten registrieren lassen.
Nach Kriegsende Nach dem Ende des Krieges kehrte Lini Bunjes nach Amsterdam zurück. Dort lernte sie Edward Rosenthal kennen, er hatte Auschwitz überlebt, war Direktor eines Luxuskaufhauses und hatte einen Sohn aus seiner früheren Ehe mit Erna Sara Haurwitz, die von den Nazis ermordet worden war. Sie heirateten am 6. Februar 1947 und im Mai 1949 wurde ihre Tochter Katrin geboren. Die Familie zog nach Luxemburg, doch Bunjes und Rosenthal entfremdeten sich. Dennoch blieben sie bis zu seinem Tod 1957 zusammen.
Kurze Zeit später lernte Bunjes den Italiener Carlo Alvisi kennen. Er hatte wie sie in den Internationalen Brigaden in Spanien gekämpft. Mit den drei Kindern zog sie mit ihm nach Norditalien und dort eröffnete sie ein Hotel. Die anstrengende Arbeit in dem Hotel führte zu einer Herzerkrankung und so kehrte sie 1977 nach Amsterdam zurück, um sich zur Ruhe zu setzen. In den Sommermonaten lebte sie bei ihren Kindern in Italien. Dort starb ihr Sohn Toñino in den 1980er Jahren an Krebs. Bunjes sagte später in einem Interview, dass sie zwar bezweifelte, dass der Spanische Bürgerkrieg irgendeinen Sinn gehabt habe, aber hoffte, als Frau in Erinnerung zu bleiben, die sich dem Faschismus entgegenstellte, als es darauf ankam.
Carolina Bunjes starb am 25. Mai 2016 bei ihrer Tochter in Italien.
Einzelnachweise
Kategorie:Person (niederländischer Widerstand 1940–1945) Kategorie:Person des jüdischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus Kategorie:Interbrigadist Kategorie:Judenretter Kategorie:Fotograf (20. Jahrhundert) Kategorie:Fotograf (Niederlande) Kategorie:Niederländer Kategorie:Geboren 1918 Kategorie:Gestorben 2016 Kategorie:Frau