mini|hochkant|Wappen der Schönhals im Wappenbuch des Westfälischen Adels Schönhals (auch Schönhals von Albrechtsrode, Schönhals von Westerburg o. ä.) ist der Name eines erloschenen rheinländischen Adelsgeschlechts. In der Herrschaft Westerburg war es eine der bedeutendsten ritterlichen Burgmannenfamilien und auch für das Haus Nassau-Beilstein gehörte es zur Spitze der ritterlichen Führungselite.Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau, Band 13), Wiesbaden 1958 (3., unveränderter Nachdruck 1999), S. 256, 310, 331 und 341.
Geschichte Das Geschlecht gehörte zum nassauischen Adel und stammte aus Albrechtsrode, dem heutigen Alpenrod im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Dort kommt es schon 1277 vor,Goeckingk (1882), S. 37. mit Gisilbert (I.), der 1277 bis 1292 urkundete. Dessen Vater war nach dem Historiker Gensicke Heidenrich (I.) Schönhals, Burgmann zu Sayn, der schon 1264 bis 1273 urkundlich vorkam, 1269 mit seinem Bruder, wahrscheinlich seinem 1273 auch namentlich genanntem Bruder Theoderich.Hellmuth Gensicke: Zur Geschichte des nassauischen Adels: Die Schönhals von Alpenrod, in: Nassauische Annalen. Jahrbuch des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, Band 70, Wiesbaden 1959, S. 175–180. (Mit Stammtafel und Besitzlistung)
Giselbert Schönhals (urkundlich 1327–1328) hatte bereits einen Sitz in der Kölner Diözese, wohl bereits zu Alpenrod, da sein Sohn Heinrich 1327 als Kölner Kleriker bezeichnet wird.Hellmuth Gensicke: Zur Geschichte des nassauischen Adels: Die Schönhals von Alpenrod, in: Nassauische Annalen (1959), S. 176. Die Familie teilte sich in zwei Linien. Eine verblieb in Albrechtsrode/Alpenrod und nannte sich entsprechend auch Schönhals von Albrechtsrode. Eine zweite Linie saß zu Westerburg, ebenfalls im heutigen Westerwaldkreis, und erscheint auch als Schönhals von Westerburg. Auch im Dillenburgischen, Beilsteinischen, Diezischen und im Siegerland war die Familie begütert,Spießen (1901–1903), S. 115. so dass Zweige auch nach dortigen Sitzen benannt wurden, wie 1364 in einer Urkunde von Kuno Erzbischof von Trier, in der ein Erbvertrag zwischen den Schönhals von Westerburg und den Schönhals von Dillenburg festgelegt wurde.HHStAW, 340, U 10206 a (Abgerufen am 1. Februar 2026.)
Reinhart Herr zu Westerburg, Kanonikus zu Köln, und sein Neffe, der Ritter Reinhardt Herr zu Westerburg, verpfändeten 1335 mit lehnsherrlicher Zustimmung des Erzbischofs „Walrabe zu Köln“ um 1200 Mark Limburger Währung dem Grafen Johann von Nassau und seinen Erben die Schaumburg nebst zugehörigen Dörfern. Besiegelt wurde die Urkunde von sechs Sieglern: Kanonikus Reinhart Herr zu Westerburg, Ritter Reinhart Herr zu Westerburg, Ritter Gyselbrecht Schonhals [Schönhals], Johann Schonhals, Johann vom Stein (Steyne) und Burgmann Heinrich von Cramburg.HHStAW, 337, U 3 (Abgerufen am 29. Januar 2026.) Der Ritter Giselbrecht Schönhals (Schonhaltz, auch Giselbrecht Schönhals van Ailbrechts RoedeAnnalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere die Alte Erzdiözese Köln, Band 12, 1916, S. 48.) trat auch in weiteren Urkunden neben Reinhard Herr zu Westerburg als Siegler auf.Jost Kloft: Inventar des Urkundenarchivs der Fürsten von Hatzfeldt-Wildenburg zu Schönstein/Sieg: Regesten Nr. 1 bis 450, 1217-1467, 1975, S. 24. Karl Watz: Geschichte der jüdischen Gemeinde in Wetzlar von ihren Anfängen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts (1200-1850), 1966, S. 74. Urkundenbuch der Stadt Wetzlar, herausgegeben von Ernst Wiese, Bände 1–2, 1911, S. 235. Aus den Jahren 1340 bis 1343 sind einige Quittungen Gottfrieds von Sayn, Herrn zu Vallendar und Homburg, des Herrn Gerlach von Isenburg-Arenfels und des Ritters Giselbrecht Schönhals über größere Summen, wohl Dienstgelder, erhalten.Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Bände 1–3, 1951, S. 139 ff. Johann Schönhals tritt gelegentlich zusammen mit Giselbrecht Schönhals in Urkunden auf, dem Giselbrecht stets nachgeordnet.Wolf-Heino Struck: Quellen zur Geschichte der Klöster und Stifte im Gebiet der mittleren Lahn bis zum Ausgang des Mittelalters: Das St. Georgenstift, die Klöster, das Hospital und die Kapellen in Limburg an der Lahn; Regesten 910-1500, 1956, S. 180.
Heinrich Schönhals war 1338 Deutschordenskomtur; Werner Schönhals urkundete 1348 als Deutschordenskomtur zu Koblenz.Hellmuth Gensicke: Zur Geschichte des nassauischen Adels: Die Schönhals von Alpenrod, in: Nassauische Annalen (1959), S. 175. Konrad Schönhals (urkundlich 1338–1356) war Vogt zu Westerburg.
In einer Urkunde von 1355 wird auf ein Haus der Schönhals, nämlich der Lyse von Merenberg, Witwe des Gilbrecht Schönhals, und ihres Sohnes Johann, “zu Beilstein, daz vür der burg stat” Bezug genommen („das vor der Burg steht“, vor der Burg Beilstein) – ausgestellt im Kontext mit „Graf Heinrich von Nassau und seiner Frau Mene“ in Beilstein. Heinrich von Nassau-Beilstein hatte 1339 „Mene/Meyna“ (=Imagina) von Westerburg geheiratet.HHStAW, 3036, HHStAW Abt. 170 I Nr. 491 (Abgerufen am 28. Januar 2026.) 1356 bekannte Johann Herr zu Westerburg, dass er mit dem Grafen Heinrich von Nassau, seinem Schwager, einen Aussöhnungsvertrag über die früheren Streitigkeiten geschlossen habe und dass für künftige Fälle gekorene Schiedsleute, und zwar von Seiten Johanns Konrad Schönhals und Wilhelm von Aventrode und von Seiten Heinrichs Wilhelm Walpod und Ruker von Mengerskirchen die Entscheidung treffen sollen.HHStAW, 170 I, U 506 (Abgerufen am 1. Februar 2026.) Die 1355 genannte Witwe des Gilbrecht Schönhals, Lyse von Merenberg, war eine Schwester des Peter von Merenberg. 1369 entschied Graf Johann zu Nassau, Herr zu Merenberg, als Schiedsrichter in den Streitigkeiten zwischen seinem Vetter, dem Grafen Johann von Nassau-Dillenburg, und der Stadt Herborn einerseits und Frau Grete, Witwe des Peter von Merenberg, und ihren Söhnen Johann, Gilbrecht und Heinrich von Merenberg anderseits, und zwar betreffend Forderungen der Merenberger an den Grafen und Herborn wegen Nichtauszahlung einer Gülte und sonstiger Kosten und betreffend der Gegenforderungen des Grafen und der Stadt wegen erlittener Schädigung durch die Merenberger -diese sollen sich gegenseitig aufheben, die Stadt soll eine erhöhte Gülte zahlen -ferner betreffend Schädigung der gräflichen Hofleute zu Odersbach im Amt Löhnberg durch den verstorbenen Peter von Merenberg, worüber sich die Merenberger mit dem verstorbenen Eberhard Daube, dem ehemaligen Pfandinhaber des Amtes Löhnberg auseinandergesetzt haben wollen; ferner betreffend ein gräfliches Vogtgut zu Edingen, das die Merenberger von ihrem Oheim Gilbrecht Schönhals überkommen haben wollen, der Graf aber eingezogen hat -worüber die zuständigen Gerichte und der Vogthof entscheiden sollen.HHStAW, 170 I, U 648 (Abgerufen am 1. Februar 2026.)
Erembert (Ermbrecht) Schönhals (urkundlich 1447–1469) urkundete 1451 als Amtmann der Grafschaft Sayn. Godhard Schönhals (urkundlich 1451–1479, † vor 1487), war 1464 Vogt und Burgmann zu Westerburg.Hellmuth Gensicke: Zur Geschichte des nassauischen Adels: Die Schönhals von Alpenrod, in: Nassauische Annalen (1959), S. 177.
In einer weiteren Urkunde, des Jahres 1489, werden Johann Schönhals der Alte und Johann Schönhals, des verstorbenen Herman Schönhals Sohn, von Alpenrod (Albrechterodde), Vettern, genannt. Sie bekunden, dass Heinrich Graf zu Nassau, Herr zu Beilstein, sie als Burgmannen in allen seinen Schlössern aufgenommen hat.HHStAW, 3036, HHStAW Abt. 170 I Nr. 2044 (Abgerufen am 28. Januar 2026.)
Der bei Goeckingk als Letzter des Geschlechts geltende war Johann Schönhals. Er stiftete 1520 den Liebfrauenaltar in der Kirche in Albrechtsrode. Nach 1520 ist noch ein namensgleicher Schönhals urkundlich in Erscheinung getreten: Johann Schönhals von Alpenrod. Er trat im Jahr 1541 in den Deutschen Orden ein. Sein Einsatzgebiet als Ritterbruder war zwischen 1546 und 1556 die Ballei Livland, ein autonomer Teil des Ordensstaates im Baltikum, möglicherweise in Segewold. Wie bei Deutschordensrittern üblich, leistete er bei Ordenseintritt 1541 einen Erbverzicht, um seine Bindung an die Gemeinschaft zu festigen.Klaus Militzer und Lutz Fenske: Ritterbrüder im livländischen Zweig des Deutschen Ordens, 1993, S. 338. Nach Gensicke war Philipp Schönhals († vor/bzw. 1581Hellmuth Gensicke: Zur Geschichte des nassauischen Adels: Die Schönhals von Alpenrod, in: Nassauische Annalen (1959), S. 180.) der Sohn des Johann Schönhals (urkundlich 1488–1520). Philipp ⚭ Anna Maria von Irmtraut († 1610), Tochter des Adam von Irmtraut.
Wappen Blasonierung: Von Silber über Schwarz geteilt, oben drei rote Kugeln balkenweise gestellt. Auf dem Helm mit rechts schwarz-silbernen und links rot-silbernen Helmdecken ein silberner Fuchskopf mit schwarzem Hals.
Der Schild des Giselbrecht Schönhals von der Westerburger Linie zeigte in der unteren Schildhälfte zusätzlich noch einen Schrägbalken. Für die Helmzier sind verschiedene Varianten überliefert. Von der Albrechtsroder Linie führte Johann Schönhals 1344 einen Brackenkopf mit Hals, Hermann Schönhals 1454 dagegen einen Adlerkopf mit Hals. Von der Westerburger Linie führte der bereits genannte Giselbrecht Schönhals 1350 einen hohen Spitzhut.
Literatur Hermann von Goeckingk: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 6 (Abgestorbene, erloschene Geschlechter), 7. Abt.: Der abgestorbene Nassauische Adel, Nürnberg 1882, S. 37 (uni-goettingen.de) und Tfl. 60 (uni-goettingen.de). Herbert M. Schleicher: Ernst von Oidtman und seine genealogisch-heraldische Sammlung in der Universitäts-Bibliothek zu Köln, Band 14 (Mappe 1071–1150; Schellart von Dudeldorf–Spatgen) (= Veröffentlichungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde, Nr. 93), Köln 1997, S. 367–371. Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 115 (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfl. 287 (hhu.de).
Weblinks Wappen derer von Schönhals in Heinrich Strodtmanns Wappenbuch von 1640, S. 49 im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, W 001 / Msc. I ("Ältere Sammlung"), Nr. 263.
Einzelnachweise
Kategorie:Adelsgeschlecht (Rheinland-Pfalz) Kategorie:Rheinländisches Adelsgeschlecht Kategorie:Ersterwähnung 1264