mini|Isabel Herguera 2024 Isabel Herguera García (* 19. November 1961 in San Sebastian) ist eine Videokünstlerin, Regisseurin und Produzentin für Animationsfilm, die eine Professur für Animationskunst an der Kunsthochschule für Medien Köln innehat.

Biografie Isabel Herguera absolvierte ihr Studium der Bildenden Künste 1980 bis 1985 an der Universität des Baskenlandes. Sie studierte bei Nam June Paik Bildende Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf. Danach ging sie 1990 bis 1993 mit einem Fulbright-Stipendium in die USA und studierte Animation am California Institute of the Arts (Calarts). Sie arbeitete bis 2003 als Animatorin für Acme Filmworks, Klasky Csupo und Regisseure wie Maureen Selwood, Raimund Krumme, Sue Laughlin und Paul Vester. Herguera wirkte an Musikvideos wie All around the world von Oasis (1997) oder der interaktiven CD-ROM All this Time (1996) von Sting mit. 1996 gründete sie Loko Pictures, ein Animationsstudio, in dem sie unter anderem für Kunden wie Philip Morris International, FOX, Procter & Gamble und HBO produzierte und Regie führte.

Zurück in Europa, leitete sie das International Animation Festival of Cataluña ANIMAC von 2003 bis 2012 und koordinierte das Laboratory of Moving Image (LIM) im Center for Contemporary Graphic Art (Arteleku) in San Sebastian von 2005 bis 2014.

Seit 2005 lehrt sie regelmäßig am National Institute of Design (NID) in Ahmedabad und an der China Central Academy of Fine Arts (CAFA) in Peking. Isabel Herguera wurde Ende 2019 zur Professorin für Animation an die Kunsthochschule für Medien Köln berufen.

Herguera war Teil der Jury auf Filmfestivals wie beispielsweise dem Auswahlgremium für Kurzfilme auf dem Annecy International Animation Film Festival 2015. Sie hatte 2014 den Vorsitz in der Jury des Irizar Basque Film Award.

Werk Hergueras Videoinstallation Safari von 1988 thematisiert die Zerstörung der Natur, die Herrschaft des Menschen und die Folgen unkontrollierten Konsums. Cante de ida y vuelta, eine Videoinstallation von 1989, behandelt den Flamenco-Gesang und El sueño de Iñigo von 1990 dreht sich um eine Zeichnung. Alle drei Werke waren 2024 Teil einer Retrospektive in Donostia.

Isabel Herguera inszeniert und produziert Kurzfilme, in denen sich wiederkehrende Themen finden: Es gibt thematische und erzählerische Experimente, eine persönliche Bildsprache, autobiografische und dokumentarische Elemente sowie die besondere Einbindung von Literatur und Musik. Immer wieder tauchen Bäume als strukturierendes Gestaltungselement der Filmszenen auf. Isabel Herguera nimmt in den Filmen eine feministischen Perspektive ein.

Ihr erster Kurzfilm Spain Loves You von 1987 gehört heute zur Sammlung des Museums und Klosters San Telmo. Er zeigt die Mondlandung von Apollo 11 und Francos Tod, verbunden mit dem Fluss Bidasoa als Symbol für eine Grenze. Hergueras Familie ist Teil des Films. Die Eltern und Geschwister werden in Farbfotografien, Zeichnungen, Scherenschnitten und Animationen mit einer 16-mm-Bolex-Kamera gezeigt. Los Muertitos von 1993 setzt sich ebenfalls mit einer Grenze auseinander. Hier ist es Grenze zwischen Mexiko und den US, an der ein Friedhof liegt. Im Film Ámár reist die Protagonistin Inés nach Indien, um ihren Freund Ámár zu besuchen, der seit Jahren in einer psychiatrischen Klinik lebt. Der Kurzfilm Amore d'inverno von 2015 wurde in einer speziellen Mehrebenentechnik mit überlagerten Bildern erstellt. Darin geht ein Paar an einem Fluss entlang. Währenddessen verfolgen Jäger ein Kitz, das sich als Frau entpuppt. Freunde erinnern sich an die Tänzerin aus Clavesana, eine Metapher für freie Liebe. Under the Pillow von 2012 ist ein Dokumentarfilm über eine Klinik in Indien mit HIV-positiven Kindern, die nicht am öffentlichen Leben teilnehmen konnten. Der Film zeigt in aus Kupferdraht nachgebildeten Kinderzeichnungen, was die Kinder unter ihren Kopfkissen aufbewahren und was ihre größten Wünsche sind.

Ihre Filme haben internationale Preise gewonnen, darunter eine Nominierung von La gallina ciega (2005) als bester animierter Kurzfilm für die Goya Awards 2006. Darin verliert ein blinder Mann seinen Blindenhund. Allein und im Dunkeln einer Großstadt entdeckt er seine Stärken.

Der erste Langfilm Sultana’s Dream wurde beim Internationalen Filmfestival in San Sebastián 2023 (SSIFF) uraufgeführt und erhielt den mit 20.000 Euro dotierten Irizar Basque Film Award 2023. Auf dem Filmfest Hamburg wurde Sultana’s Dream 2023 mit dem Hamburger Produktionspreis für Internationale Kino-Koproduktionen ausgezeichnet. Der Film war in der Kategorie Bester europäischer Film für den Europäischer Filmpreis 2024 nominiert. Weitere Auszeichnungen erhielt der Film als bester Animationsfilm bei den Goya Awards 2024, bester Film beim Internationalen Animationsfilmfestival Annecy 2024 (Sektion Contrechamp), bester Animationsfilm bei den Forqué Awards 2024 und bester Animationsfilm bei den Lateinamerikanischen Filmpreisen 2024.

Filmografie (Auswahl)

1987 Spain loves you, Kurzfilm (Produzentin, Regisseurin) 1989 Cante de ida y vuelta. 1994 Los Muertitos, Kurzfilm (Produzentin, Regisseurin) 1996 Safari, Kurzfilm (Regisseurin) 2004 The Ballon, Kurzfilm (Produzentin) 2005 Blindman’s Bluff / La Gallina Ciega, Kurzfilm (Produzentin, Autorin, Regisseurin) 2008 Berbaoc (Produzentin) 2010 Ámár, Kurzfilm (Produzentin, Regisseurin) 2012 Under the pillow / Bajo la Almohada (Produzentin, Autorin, Regisseurin) 2014 La tumba del marinero 2015 Winter Love / Amore d'inverno, Kurzfilm (Produzentin, Autorin, Regisseurin) 2016 Kalebegiak, Kurzfilm (Regisseurin) 2016 Sailor’s Grave, Kurzfilm (Produzentin, Autorin, Regisseurin) 2016 Kutxa Beltza, Kurzfilm (Regisseurin) 2023 La mujer ilustrada, Kurzfilm (Autorin, Regisseurin) 2023 El sueño de la sultana / Sultana’s Dream (Produzentin, Autorin, Regisseurin)

Weblinks Sultanas Traum bei Arte, abrufbar bis 30. Januar 2026

Einzelnachweise

Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Dokumentarfilmer Kategorie:Hochschullehrer (KHM Köln) Kategorie:Videokünstler (Deutschland) Kategorie:Person (Baskenland) Kategorie:Spanier Kategorie:Geboren 1961 Kategorie:Frau