Ida Hilfiker-Schmid (* 12. September 1866 in Winterthur; † 29. Juni 1951 in Oberwil im SimmentalTodesanzeige Ida Hilfiker-Schmid, Neue Zürcher Zeitung vom 30. Juni 1951) war eine Schweizer Frauen- und Kinderärztin, Gründerin und Leiterin des späteren Inselhofs in Zürich sowie Kämpferin für Frauenrechte.

Leben Ida Schmid war die Tochter der Anna Dorothea, geborene Fenner, und des Zürcher Kaufmanns Jakob Schmid.

1882–1886 besuchte sie das Lehrerinnenseminar in Zürich. Dort lernte sie Jenny Koller, Pauline Gottschall und Josephine Zürcher kennen, mit denen sie lebenslang freundschaftlich verbunden blieb. Als eine der ersten Schweizerinnen studierte Schmid ab 1887 Medizin an der Universität Zürich und schloss ihr Studium 1892 mit dem Staatsexamen ab.

Im Februar 1893 zog sie für kurze Zeit nach Paris um, wo sie vermutlich als Assistentin an einem Spital arbeitete. Zurück in Zürich eröffnete Ida Schmid 1893 in der elterlichen Wohnung ihre erste Praxis. Sie wurde Mitglied der Gesellschaft der Ärzte des Kantons Zürich. 1895 promovierte sie mit der Dissertation Über Prolapsoperationen der Zürcher Frauenklinik aus den Jahren 1888–1891 bei Theodor Wyder. Im selben Jahr bezog sie ihre eigene Wohnung mit angeschlossener Praxis.

Am 26. Dezember 1896 heiratete Ida Schmid den aus Kölliken stammenden Astronomen und Geodäten Jakob Hilfiker (1851–1913). Das Ehepaar hatte zwei Söhne, Emil Hilfiker (1898–1933),Todesanzeige Emil Hilfiker. Neue Zürcher Zeitung vom 27. Januar 1933 (e-newspaperarchives.ch) der später Jura studierte, und Karl Hilfiker (1899–1931),Todesanzeige Karl Hilfiker. Neue Zürcher Zeitung vom 14. Januar 1931, (e-newspaperarchives.ch) der Arzt wurde.

Bereits als junge Frau engagierte sich Ida Hilfiker-Schmid in der Frauenbewegung und für das Frauenstimmrecht. 1896–1914 gehörte sie in zeitweise leitender Funktion der Union für Frauenbestrebungen an. Sie trat auch als Referentin und Autorin auf. Ihre Vorträge erschienen vor allem in den Frauenbestrebungen, dem Unions-Organ. Ihre Artikel zeugen von ihrem medizinischen Wissen, ihren Erfahrungen und Einsichten auf sozialpolitischer Ebene sowie von ihrem humanen und demokratischen Weltbild. Hilfiker ging es in ihren Texten um das Schicksal der gesellschaftlich Verachteten, der unverheirateten Mütter und ihrer Kinder, um die hohe Kindersterblichkeit und die Prostituierten, sowohl bezüglich ihrer Gefährdung wie auch der von ihnen ausgehenden Ansteckungsgefahr von sexuell übertragbaren Krankheiten. Die erfahrene Ärztin plädierte dabei für konkrete Hilfe statt Vorurteile und Strafen und nahm öffentlich Stellung gegen eugenische Ideen und Massnahmen.

Sie setzte sich 1909 in einem Vortrag für ein weibliches Dienstjahr ein und forderte, dass sich die Töchter der Oberschicht zwischen dem 18. und 22. Altersjahr in gemeinnützigen Institutionen zugunsten der Gesellschaft engagieren sollten. Nach ihrer Ansicht «vertändelten die Frauen der besitzenden Klasse ihr Leben mit tausend Nichtigkeiten, während die Frauen des Arbeitsstandes unter der doppelten Last von Haushalt und Erwerb ein erbarmungswertes Dasein führten».

Neben der Arbeit in ihrer Praxis tat Hilfiker Dienst in gemeinnützigen Organisationen. Sie war eng mit der von Anna Heer gegründeten Schweizerischen Pflegerinnenschule verbunden, der ein Frauenspital angeschlossen war. Im Schwesternhaus der Pflegerinnenschule lehrte sie zudem Anatomie.

1908 war Ida Hilfiker zusammen mit Verena Conzett-Knecht, Hedwig Bleuler-Waser und Lilly Reiff-Sertorius Mitbegründerin des Stadtzürcherischen Vereins für Frauen-, Mutter- und Säuglingsschutz (später Verein für Mutter- und Säuglingsschutz). Der von ihr ins Leben gerufene Verein Mütterheim befasste sich mit den Lebensbedingungen alleinstehender schwangerer Frauen und bot ihnen im 1911 eröffneten Mütterheim an der Irchelstrasse 32 vor, während und nach der Geburt ihres Kindes Zuflucht, ärztliche Betreuung sowie soziale Hilfe. Hilfiker war dort von der Eröffnung 1911 bis 1923 Ärztin und Präsidentin der Hauskommission, und sie engagierte sich bis 1928 als Hausärztin und Gynäkologin im Verein. Das Mütterheim besteht noch heute als Soziale Institution unter dem Namen Inselhof (2026) an der Inselhofstr. 1 in 8008 Zürich.

Ab 1914 unterrichtete Hilfiker Schülerinnen von Haushaltungs- und Fürsorgekursen in Säuglingspflege. Dies war eine Initiative eines Komitees, der sie ebenfalls angehörte. Diese Fürsorgekurse wurden später von Maria Fierz und Marta von Meyenburg ausgebaut, was 1920 zur Gründung der Sozialen Frauenschule (heute Departement Soziale Arbeit der ZHAW) führte.

Ida Hilfiker-Schmid blieb bis ins hohe Alter beruflich aktiv. Sie starb mit 85 Jahren im Heim ihrer langjährigen Haushälterin und Freundin Rosa Knutti in Oberwil im Simmental.

Publikationen Über Prolapsoperationen der Zürcher Frauenklinik aus den Jahren 1888–1891. L. Schumacher, Berlin 1895.(Zugl. Diss. med. Univ. Zürich 1895). (Sonderdruck aus: Archiv für Gynäkologie, Bd. 48, Heft 3). Das Frauenstudium, in: Die Frauenbewegung in der Schweiz. Sechs Vorträge veranstaltet durch die Pestalozzigesellschaft, 1902, S. 47–66. Gemeinsamer Unterricht beider Geschlechter. In: Zeitschrift für Schulgesundheitspflege, 17, 1904, S. 126–127. Weibliches Dienstjahr. In: Frauenbestrebungen, 1909/12, S. 89–92. Mutterpflege und Mutterschutz. In: Frauenbestrebungen, 1910/6, S. 41–43 (Teil 1); 1910/7, S. 49–52 (Teil 2). Ein Mütterheim in Zürich. In: Frauenbestrebungen, 1911/7, S. 49–52. Die Prostitution vom medizinischen Standpunkt aus. In: Zur Prostitutionsfrage. 3 Vorträge gehalten in Zürich, 1912, S. 3–18.

Literatur Elisabeth Fiereder: Von der Kinderschutzvereinigung Zürich zum Stadtzürcherischen Verein für Mutter- und Säuglingsschutz. Zur Vorgeschichte und Entwicklung der Mütterberatung in der Stadt Zürich im Kontext erster Konstituierung moderner Wohlfahrt und Jugendhilfe. Lizenziatsarbeit, Universität Zürich, 2009. Ruth Ammann: Berufung zum Engagement? Die Genossenschafterin und religiöse Sozialistin Dora Staudinger (1886–1964). 2020, S. 384–385.

Weblinks Publikationen von und über Ida Hilfiker-Schmid im Katalog Helveticat der Schweizerischen Nationalbibliothek

Einzelnachweise

Kategorie:Gynäkologe, Geburtshelfer Kategorie:Pädiater Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (19. Jahrhundert) Kategorie:Frauenrechtler (Schweiz) Kategorie:Person (Zürich) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1866 Kategorie:Gestorben 1951 Kategorie:Frau