mini|Lourdes Grobet, 2018 Maria de Lourdes Grobet (* 25. Juli 1940 in Mexiko-Stadt, Mexiko; † 15. Juli 2022 ebenda) war eine mexikanische Malerin und Fotografin. Sie ist vor allem durch ihre Dokumentationen des Lebens von Lucha-Libre-Kämpfern innerhalb und außerhalb des Rings bekannt.
Leben und Werk Grobet ist die Tochter schweizerisch-mexikanischer Eltern. Sie studierte Bildende Kunst an der Universidad Iberoámericana bei Mathias Goeritz und Kati Horna. In ihren frühen Jahren als Malerin arbeitete Grobet als Assistentin des mexikanischen Künstlers Gilberto Aceves Navarro. Nach einer Reise nach Frankreich konzentrierte sie sich zunehmend auf die Fotografie und in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre folgten drei bedeutende Ausstellungen. 1970 präsentierte sie in der Galería Misrachi in Mexiko-Stadt die Installation Serendípiti, ein Labyrinth aus erhöhten Böden, Lichtern und Spiegeln, das die Besucher begehen konnten. In ihrer 1973 in der Casa del Lago in Mexiko-Stadt präsentierten Ausstellung A la mesa zeigte sie Fototapeten von Haushaltsgeräten, die auf die Vorgänge des Kochens und Essens anspielten. 1975 führte Grobet, ebenfalls in der Casa del Lago, die Fotoperformance Hora y media durch.https://www.picassomio.com/lourdes-grobet.html
1977 zog Grobet nach Großbritannien, wo sie an der Cardiff School of Art and Design in Wales studierte. Nach ihrer Rückkehr nach Mexiko Ende der 1970er-Jahre engagierte sie sich im neu gegründeten Consejo Mexicano de Fotografía, einer Kulturinstitution zur Förderung und Weiterentwicklung der Fotografie in Mexiko, sowie von 1978 bis 1993 in der Grupo Proceso Pentágono, einer Gruppe, die Experimentieren und kollektives Arbeiten als ihre wichtigsten künstlerischen Ausdrucksmittel definierte.
Lucha Libre 1980 begann Grobet mit den Lucha-Libre-Fotos. Sie entdeckte, dass das, was wie ein einfacher Ringkampf aussah, indigene Kulturpraktik war, wobei das Ritual des Maskentragens bis zu den Azteken zurückreicht, und dass es wenige Veröffentlichungen über dieses Element der mexikanischen Kultur gab. Ihre Fotoserie dokumentiert über zwei Jahrzehnte hinweg Lucha-Libre-Kämpfer innerhalb und außerhalb des Rings. In Grobets Kindheit war Lucha Libre noch in der Arbeiter- und Mittelschicht gleichermaßen beliebt, doch in den 1970er-Jahren wandten sich wohlhabendere Mexikaner weitgehend ab von der nationalen Popkultur, einschließlich der Luchadores (Kämpfer). Ihre Fotoserie diente als persönliche Auseinandersetzung mit diesem Inbegriff mexikanischer Popkultur und dessen Neupositionierung aus der Perspektive von Politik, Klasse und Ethnie. Neben der Dokumentation männlicher Kämpfer widmete sich Grobet auch den Wrestlerinnen, die als Luchadoras bekannt sind. Grobets Luchadoras zeigen körperliche Stärke und Widerstandsfähigkeit. Ähnlich wie bei ihren Darstellungen männlicher Kämpfer widersetzt sich Grobet einer traditionellen Geschlechtererzählung und zeigt, dass die Athletik der Wrestlerinnen nicht auf Kosten ihrer Weiblichkeit oder Mutterschaft geht.
In den 1980er und 1990er Jahren begann Grobet mit mehreren kleineren Fotoprojekten. Eine daraus entstandene Serie ihres fortlaufenden Projekts Laboratorio de Teatro Campesino (Labor für Bauerntheater) zeigt indigene Mexikaner in bekannten Theaterproduktionen oder in aufwendigen, maßgeschneiderten Kostümen und widerlegt damit gängige Stereotype über indigene und ländliche Bevölkerungsgruppen. In einer der Serie mit dem Titel Paisajes Pintadas (Gemalte Landschaften) kehrt sie die typisch nationalistische Rolle der mexikanischen Landschaftsmalerei um, indem sie Bäume, Felsen und Kakteen mit leuchtenden Farben bedeckt und ihre Eingriffe an verschiedenen Orten, darunter im ländlichen England und in den Zentraltälern Mexikos, fotografiert. Diese Landschaftsfotos entziehen sich, wie ein Großteil ihrer Arbeit, einer eindeutigen Zuordnung zu einer bestimmten Kunstrichtung.
Grobet unterrichtete an mehreren Universitäten und Hochschulen in Mexiko, den Vereinigten Staaten und England, darunter UAM Atzcapotzalco, San Jose Center for Latino Arts in San Jose, Stanford University, Yale University Art Gallery, Columbia College, Derby College for Higher Education in Nottingham sowie Wolverhampton College of Art in England.
Sie hat an mehr als 100 Einzel- und Gruppenausstellungen teilgenommen, unter anderem im MoMA in New York und San Francisco. Sie gewann den Preis für Fine Art Photography auf der zweiten Biennale, nahm zweimal am Internationalen Fotosalon in Japan teil und erhielt Stipendien von CONACYT und FONCA.https://www.picassomio.com/lourdes-grobet.html
Grobet starb 2022 im Alter von 81 Jahren in Mexiko-Stadt.
Auszeichnungen und Stipendien (Auswahl) 1975: CONACYT-Stipendium für ein Studium in England 1982: Preis der Biennale der Schönen Künste, Mexiko 1984: Libro Propositivo-Preis, Mexiko 1988: Gewinner des Wettbewerbs zum Gedenken an den zwanzigsten Jahrestag des Massakers von Tlatelolco, Mexiko, zusammen mit der Grupo Proceso Pentágono 1988: Juan Pablos Editores-Preis für das Buch Bodas de Sangre (Bluthochzeit), Mexiko 1992: Preis im Wettbewerb Emanzipation und Identität Lateinamerikas 1492–1992, Quito, Ecuador 1995–1997: Stipendium des Nationalen Systems für Schöpfer des Nationalen Rates für Kultur und Kunst, Mexiko 1996: Künstlerresidenz im Banff Centre for the Arts, Kanada 1999–2001: Verlängerung des Stipendiums für künstlerische Schöpfer, Nationaler Fonds für Kultur und Kunst, Mexiko 2001: Künstlerresidenz in Yaddo, USA 2002: Künstlerresidenz in der MacDowell Colony, USA 2003: Künstlerresidenz in Bellagio, Italien 2005–2006: Kofinanzierungsstipendium. FONCA, Mexiko 2007: Künstlerresidenz in der MacDowell Colony, USA 2010–2011: Kofinanzierungsstipendium. FONCA, Mexiko 2013: Cuauhtémoc-Moctezuma-Stipendium, Ambulante, Mexiko 2014: Medaille für fotografische Verdienste, Nationales Institut für Anthropologie und Geschichte, Mexiko 2022: Medaille für Schöne Künste, Nationales Institut für Schöne Künste und Literatur (INBAL) und das Kulturministerium
Einzelausstellungen (Auswahl) 1970: Serendípiti, Galería Misrachi, Mexiko-Stadt 1985: 53 cuadras, Museo del Chopo, Mexiko-Stadt 1996: La Filomena, Centro de la Imagen, Mexiko-Stadt 2005: Lourdes Grobet: Retrospective, Bruce Silverstein Gallery, New York 2012: El nuevo hombre de Bering, NegPos, Nîmes 2015: Mexican Lucha Libre Wrestling: family portraits, CCCB – Centre de Cultura Contemporània de Barcelona
Sammlungen (Auswahl) Sammlung Helmut Gershaim, University of Texas at Austin San Francisco Museum of Modern Art, Kalifornien Televisa Cultural Foundation, Mexiko-Stadt Veracruz Institute of Culture, Veracruz Galerie Ramón López Quiroga, Mexiko Musée du quai Branly, Paris Museum für zeitgenössische Kunst, Mexiko Amaro Museum, Mexiko
Veröffentlichungen (Auswahl) 1982: Se Escoge el Tiempo. Los Talleres, Mexiko-Stadt 1984: Luciérnagas. E.N.A.P. Mexiko-Stadt 1987: Bodas de Sangre. Tabasco County Government 1996: Santo y Seña de los Recintos. Históricos de la Universidad de México 2005: Lourdes Grobet. Turner Publicaciones, Spanien 2005: Lucha Libre: Masked Superstars of Mexican Wrestling 2007: Retratos de Familia. Reverté Editores, Mexico/Spanien 2008: Espectacular de Lucha Libre. Trilce Editions, México City 2008: mit Gabriel Rodríguez: Lucha Libre Mexicana
Literatur Amy Conger, Elena Poniatowsk: Compañeras de México: Women Photograph Women. Riverside: University Art Gallery, University of California, 1990. Elvira Hernández Carballido: En la vanguardia: Lourdes Grobet. Fem 1993, S. 44–45. Alfonso Morales: Masked Superstars of Mexican Wrestling. New York: D.A.P., 2005.
Weblinks
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Einzelnachweise
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