Jean de Saulx de Tavannes (* 1555 in Sully; † ungenau 1629 oder 1630 auf Schloss Sully) war das vierte Kind und der dritte Sohn von Gaspard de Saulx, seigneur de Tavannes und Françoise de la Baume (* 1528, † 11. April 1611), Comtesse von Montrevel, Ehrendame von Caterina de’ Medici. Er war Vicomte von Ligny und Tavannes, Seigneur von Sully.

Jean de Saulx war ein französischer Feldherr und designierter Maréchal de France während den Hugenottenkriegen. Obwohl nicht Mitglied der Heiligen Liga, hielt er zeitlebens treu zum Katholizismus.

Leben mini|Jean de Saulx de Tavannes, maréchal de camp, Kommandant im Burgund, Frankreich, 17. Jahrhundert (National Gallery of Art, Washington)mini|Wappen der Familie Saulx-TavannesJean de Saulx de Tavannes war Vicomte von Ligny, erst 1563 nahm er den Titel Vicomte de Tavannes an, nachdem sein älterer Bruder, Henri Charles Antoine (1549–1563), gestorben war.

Jean de Saulx de Tavannes erfuhr eine Erziehung, wie es sich für einen jungen Adligen geziemte: der Schwerpunkt lag auf der Kriegskunst. Man brachte ihm nur so viel Lesen, Schreiben und Rechnen bei, wie ein Soldat brauchte. Der Krieg war die Schule des Lebens.

1567 gründete Jeans Vater, Gaspard de Saulx de Tavannes, in Dijon eine Bruderschaft des Heiligen Geistes, in der er Kleriker, Adel und reiche Städter vereinigte, um die Treue zum römisch-katholischen Glauben zu beschwören. Das waren die ersten Ansätze der Heiligen Liga. Jean – zwar erst zwölfjährig – nahm mit seinem Bruder, Guillaume de Saulx, an der Gründungsversammlung teil. Jean und sein Bruder Guillaume befanden sich in der Zwickmühle. Einerseits mussten sie für den katholischen Glauben kämpfen, andererseits das Haus Valois und die Krone verteidigen – obwohl Henri III. zeitweise selber Hugenotte war. Jean de Saulx blieb treu auf der Seite des Katholizismus und der Liga, wodurch er für die Valois zeitweise als Feind galt. Sein Bruder hingegen, Guillaume stand unentwegt zu den Königen Henri III. und später Henri IV.

1568, kaum dreizehnjährig, wurde Jean de Saulx de Tavannes mit seinem Bruder nach Deutschland geschickt. Der Grund lag darin, dass viele Adlige des Königreichs glaubten, dass man nur mit dieser Nation Krieg führen könne, und hofften, dass ihre Kinder, wenn sie Deutsch lernten, bei der Kavallerie eingesetzt würden.

Am 24. August 1572, am Tag der Bartholomäusnacht, befand sich Jean mit seinem Vater in Paris und während der Massaker spazierte er im Hof des Louvre. Heinrich von Navarra und der Prince de Condé sandten nach ihm, aber er weigerte sich, sich ihnen anzuschließen. Der spätere König Henri IV. vergaß ihm diesen Ungehorsam niemals.

1573 starb Gaspard de Saulx und vermachte große Teile seines Vermögens den Höflingen der Mutter des Königs, Caterina de’ Medici. Die Söhne erhielten lediglich eine Rente von je 2000 Écus. Jean beklagte sich bei König Charles IX., der jedoch seine Unterstützung verweigerte. Im Zorn schloss er sich Henri III. an, der sich nach Polen begab, um als König von Polen gekrönt und gesalbt zu werden. Anschließend machte er sich auf den Weg nach Konstantinopel, durch Ungarn, Transsylvanien und die Walachei. Auf dem Weg geriet er mit vier Begleitern in eine Auseinandersetzung zwischen Moldauern und Walachen. Er wurde in einem Haus von zweihundert Soldaten überfallen, verteidigte sich aber tapfer. Dennoch wurde er gefangen genommen und ins Gefängnis geworfen. Nach dem Sieg der Walachen wurde er frei gelassen und gelangte 1574 nach Konstantinopel.

Anfang 1575 war Jean zurück in Frankreich und wurde Kommandant von sechzig Elite-Kavalleristen. Unter dem Kommando des Henri I. de Lorraine, duc de Guise nahm er an der Schlacht bei Dormans teil. Der Duc de Guise wurde gleich zu Beginn im Gesicht verwundet, Jean verteidigte ihn mit 50 Männern, was ihm einen guten Ruf bei Hofe einbrachte.

Jean war überzeugt katholisch, weigerte sich aber zeitlebens, Mitglied der Heiligen Liga zu werden. Dennoch wurde er von den Hugenotten als Feind betrachtet. Er kämpfte mit großem Mut, taktischem Gefühl und ausgezeichnetem Wissen für die katholische Seite. Auch wenn er nicht Mitglied der Liga war, hatte er Probleme mit den Glaubenswechseln der Könige und blieb der katholischen Seite treu.

1575 Jahr machte ihn König Henri III. zum Lieutenant-général des Auxerrois. 1586 wurde Jean in der Kirche von Bürgern von Auxerre angegriffen, verletzt und wurde beinahe getötet. Der König sandte eilends die Garde und ließ ihn ins Schloss von Pagny bringen, wo er von Léonor de Chabot, comte de Charny, dem Schwiegervater seines Bruders, bewacht wurde. Als ihm sein Bruder Guillaume hinterbrachte, dass er in die Bastille gebracht werden sollte, floh Jean aus Schloss Pagny.

Nach der Ermordung von König Henri III. (1589) machte ihn Charles II. de Lorraine, duc de Mayenne zum Maréchal de camp seiner Armee. Aber Jean hatte mehr erwartet, er behauptete, der Duc de Mayenne habe ihm schriftlich versprochen, er werde Lieutenant-Général des Burgund. Der Duc de Mayenne strich jedoch das kleine Wort unverzüglich, worauf sich Jean beleidigt auf seine Güter zurückzog und sich erneut weigerte in die Liga einzutreten.

1589 wurde Jean zum Gouverneur der Normandie für die Liga ernannt. Er machte sich umgehend daran, die Royalisten aus ihren Ämtern zu entfernen. Der König Henri IV. belagerte Noyon, Jean eilte den katholischen Belagerten mit 300 Arkebusierreitern zu Hilfe. Dabei wurde er verletzt und gefangen genommen. Henri I. d’Orléans, duc de Longueville wurde mit seiner Bewachung auf Compiègne betraut. 1591 bis 1592 belagerte König Heinrich IV. Rouen und wollte bei der Gelegenheit Jean de Saulx seinen Willen aufzwingen. Er ließ Jean de Saulx kommen und forderte ihn auf, ihm die Schwachstellen seiner Stellungen zu zeigen, wohl wissend, dass Jean de Saulx ihn täuschen könnte. Jean antwortete jedoch mit mehr Stolz als Vorsicht, dass er weder Henri dienen noch ihn täuschen wolle. Der König war mit dieser Antwort unzufrieden und ließ ihn erneut einsperren. Die Ligisten und die Chabots, comte de Charny, Marquis de Mirebeau machten Druck auf den König, damit er Jean de Saulx frei lasse. Der König antwortete jedoch: «Der Vicomte de Tavannes kann mir in einer Stunde mehr Schaden zufügen, als mir die Familie de Mirebeau in dreißig Jahren Gutes tun kann». Schließlich gelang es dem Duc de Longueville mit List und Androhung von Gewalt, Jean de Saulx frei zu bekommen.

Kaum aus der Gefangenschaft entlassen, zögerte Jean de Saulx nicht, dem König zu beweisen, dass dessen Meinung richtig sei. Er erreichte, dass Alessandro Farnese, Herzog von Parma den Belagerten von Rouen zu Hilfe eilte und Henri IV. die Belagerung von Rouen abbrechen musste.

Als Belohnung für seine Treue und seine Dienste machte der Duc de Mayenne den Vicomte de Tavannes, Jean de Saulx zum Maréchal de France und sandte ihn ins Burgund – jedoch ohne Ernennungsschreiben des Königs.

Bei dieser Aufgabe sah er sich seinem Bruder Guillaume gegenüber, der Vizeleutnant des Burgund war – aber zum hugenottischen König hielt. So bekämpften sich die Brüder im Burgund und insbesondere der Bresse, raubten und plünderten, zerstörten die Dörfer und zwangen die Bewohner zu flüchten. Jean de Saulx schreibt dazu: «Mein Bruder, der auf der Seite des Königs stand, und ich, der ich auf der Seite der katholischen Liga stand, taten jeder auf seiner Seite, was gute Menschen tun konnten. Wir kämpften loyal für unsere Partei, nicht aus Feindschaft, …».

Nach der Konversion von König Henri IV. am 25. Juli 1593 begrub Jean de Saulx seine Feindschaft noch nicht. Erst nach der Absolution durch Papst Clemens VIII. im Jahr 1595 willigte Jean ein, den König anzuerkennen, falls er ihn im Amt des Maréchal de France bestätige. Jean hatte jedoch Feinde am Hof und die Generäle und Höflinge hatten ihn beim König schlecht gemacht.

1597 wurde Amiens durch die Spanier eingenommen. Der König misstraute Jean immer noch und ließ ihn zu sich kommen. Er befahl ihm, ihn nach Amiens zu begleiten, erwähnte aber mit keinem Wort, dass er Marechal de France werde. Deshalb weigerte sich Jean mit den Worten, er sei ein Untertan des Königs, nicht sein Sklave. Der König entließ ihn, drei Tage später wurde er verfolgt, arrestiert und in die Bastille gebracht. Erneut gelang Jean de Saulx die Flucht aus dem Gefängnis. Der König Henri IV. scherte sich nicht groß um die Flucht von Jean sondern ließ ihn auf Schloss Sully in Ruhe.

Erst am 4. März 1616 sandte ihm Maria de’ Medici ein Schreiben, worin die Ernennung zum Marschall im Namen des Königs bestätigt wurde. Außerdem wurde er zum Mitglied des Conseil du Roi ernannt. Er hat jedoch seine Funktion nie ausgeübt und wird deshalb nicht als Maréchal de France geführt. Auch im Conseil du Roi scheint er nie aufgetaucht zu sein.

Im Alter von 74 Jahren, am 16. Oktober 1629, machte Jean de Saulx sein Testament, sein genauer Todestag ist unbekannt.

Lebensabend Die Hauptbeschäftigung von Jean de Saulx de Tavannes auf Schloss Sully war das Schreiben der Memoiren seines Vaters, Gaspard de Saulx, seigneur de Tavannes. Er begann mit diesem Werk im Jahr 1600 oder 1601. Das Werk war zugleich eine Abrechnung mit der Boshaftigkeit, den Schmeicheleien und der Durchtriebenheit des hohen Adels und der Darstellung eines Ehrenmannes, als den er seinen Vater beschrieb… und gleichzeitig sich selbst als seinen Sohn meinte.

Die ersten Ausgaben wurden unter den Augen von Jean de Saulx auf Schloss Sully gedruckt. Diese Ausgabe wurde jedoch geheim gehalten, einige Ausgaben wurden denjenigen verteilt, denen das Werk gewidmet war: Kinder, Neffen, Cousins, möglicherweise noch engen Freunden. Die Erstausgabe trug zudem zwei verschiedene Titel: «La vie de M. Gaspard de Saulx, seigneur de Tavannes …» und «Mémoires du très noble et très illustre Gaspard de Saulx …». Trotz der Geheimhaltung war das Werk bereits zu Beginn der 1610er Jahre bekannt und wird zitiert durch Nicolas Lefèvre de Lézeau: «Derjenige, der die mémoires du maréchal de Tavannes geschrieben hat». Erst 1657 erfolgte ein offizieller Druck durch die Librairie Fourny in Lyon.

Neben den Mémoires hat Jean de Saulx fünf Stellungnahmen zuhanden des Königs Louis XIII. verfasst: 1° zum Regieren in Frömmigkeit, Gerechtigkeit, Erleichterung und Beruhigung des Volkes, 2° um ganz Europa zu einer Religion zu bringen, 3° zur Kriegsführung gegen den König von Spanien, 4° zur Kriegsführung gegen die Türken und 5° um ganz Europa unter den Gehorsam der Könige von Frankreich und Spanien zu bringen.

Familie Jean de Saulx heiratete am 14. Januar 1579 Catherine Chabot, Dame de Mirebeau, Lugny und Brancion. Sie war die Enkelin von Philippe Chabot, Admiral de Brion und die Tochter von François Chabot. Gemeinsam hatten sie drei Kinder, einen Sohn und zwei Töchter. 1587 stirbt die Ehefrau und in zweiter Ehe heiratet Jean de Saulx am 12. Januar 1595 Gabrielle des Prez, Tochter von Melchior des Prez, Herr von Montpezat und der Henriette Catherine de Savoie-Villars. Der zweiten Ehe entsprangen acht Kinder, sechs Söhne und zwei Töchter. Nach anderen Quellen seien es neun Kinder gewesen, nämlich drei Töchter.

Quellen Der Band 8 wird eröffnet mit den Mémoires de très-noble et très illustre Gaspard de Saulx, Seigneur de Tavannes, Maréschal de France, Admiral des mers de Levant, Gouverneur de Provence, Conseiller du Roi et Capitaine de cent hommes d’armes, gefolgt von Notice sur Jean de Saulx, Vicomte de Tavannes et sur les mémoires de Gaspard de Saulx-Tavannes, maréchal de France.

Einzelnachweise

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