Walter Woboditsch (* 1921; † 1988) war ein deutscher Elektroingenieur. Er wurde bekannt durch die Entwicklung von Prüfverfahren in der Kabeltechnik, insbesondere des nach ihm benannten Woboditsch-Tests zur Bestimmung der Biegesteifigkeit, sowie durch seine Beiträge zur UKW-Empfangstechnik im Amateurfunk der DDR.
Werdegang Woboditsch studierte ab 1945 Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Dresden. Er diplomierte auf dem Gebiet der Schwachstromtechnik und promovierte später auf dem Gebiet der Hochspannungstechnik bei Fritz Obenaus zum Doktor-Ingenieur (Dr.-Ing.). Sein gesamter beruflicher Wirkungskreis war der Bereich Forschung und Entwicklung (F&E) des VEB Kabelwerk Oberspree (KWO) in Berlin-Oberschöneweide.
Technisches Werk Woboditschs Schaffen zeichnete sich durch die Verbindung theoretischer Hochspannungstechnik mit praktischen Lösungen für die Materialknappheit und Fertigungsoptimierung in der DDR aus.
Innovationen in der Kabeltechnik Mess- und Prüfverfahren: Seine bekannteste Entwicklung ist der Woboditsch-Test zur zerstörungsfreien Bestimmung der Biegesteifigkeit mittels Resonanzmessung. Darauf aufbauend entwickelte er kontaktlose Prüfsysteme, die mittels Wirbelstrom-Verfahren oder früher Laser-Technik die Oberflächenqualität von Aluminium-Kupfer-Verbundleitern während der Produktion sicherstellten. Kabelkonstruktion: Er entwarf neuartige Geometrien wie das Zentral-Stegsystem für Mehrleiterkabel, das ohne klassische Verseilung Material spart. Zudem entwickelte er hochbelastbare Impulskabel für die Elektrofischerei, die extremen Zugbelastungen bei gleichzeitiger Hochspannung standhielten.
Hochfrequenztechnik und Amateurfunk Im Amateurfunk (DM2BWO) widmete sich Woboditsch der technischen Optimierung des UKW-Empfangs, wobei die zuverlässige Überbrückung terrestrischer Distanzen im Vordergrund stand. Da leistungsfähige Transistoren für hohe Frequenzen noch fehlten, entwickelte er ab Mitte der 1960er-Jahre gemeinsam mit Olaf Oberender (DM2BUO) hochempfindliche parametrische Vorverstärker (Mavars). Mit erreichten Rauschzahlen von ca. 0,8 dB () stießen sie an die physikalischen Grenzen vor, um extrem schwache Signale zu empfangen. Parallel dazu konstruierte er gewinnoptimierte Yagi-Uda-Antennen in Langbauweise. Diese Arbeiten zielten darauf ab, die damals als extrem schwierige Herausforderung der Erde-Mond-Erde-Kommunikation (EME) technisch greifbar zu machen.Olaf Oberender: EME – eine technische Herausforderung (1). In: Funkamateur. 36. Jg., Heft 9, 1987, S. 438.
Fachübergreifende Entwicklungen Über die Elektrotechnik hinaus patentierte Woboditsch mobile Instandhaltungslösungen, darunter Wärmetauscher zum punktuellen Einfrieren von Rohrleitungen. Diese Technik ermöglichte Reparaturen an wasserführenden Leitungen, ohne das gesamte System entleeren zu müssen.
Schriften (Auswahl) (Als Bearbeiter): Ján Artbauer: Kabel und Leitungen. Deutsche Bearbeitung von Walter Woboditsch. VEB Verlag Technik, Berlin 1961. Mit Fritz Obenaus und Heinz Böhm: Hochspannungstechnik. Teil: Praktikum 1. 2. Auflage, VEB Verlag Technik, Berlin 1956. Die Charakteristik technischer Entladungsstrecken im stark inhomogenen Feld. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der TU Dresden. Band 8, Heft 4, 1958/59, S. 870 ff.
Einzelnachweise
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