mini|Das Haus in der 219 11th St., SE, heutzutage ein National Historic Landmark Furies Collective war eine kurzlebige Kommune zwölf junger lesbischer Frauen in Washington, D.C. in den Jahren 1971 und 1972. Sie sahen das Lesbischsein mehr als politisch als sexuell und erklärten heterosexuelle Frauen als ein Hindernis für die Revolution, die sie anstrebten. Ihre Theorien werden immer noch unter feministischen Gruppen anerkannt.

Geschichte und Mission Das Furies Collective, das in dem Gebäude unter der Anschrift in der 219 11th St SE in Washington, D.C. lebte, gehörte in den frühen 1970er Jahren mit dem Gay Liberation House und dem Skyline Collective zu den bekanntesten Wohngemeinschaften in Washington, D.C. Sie waren ein Beispiel für den lesbischen Feminismus, der während der Frauenbewegung der späten 1960er und 1970er Jahren entstanden war. Die Entscheidung des Kollektivs, sich von der breiteren feministischen Bewegung (die ihrer Meinung von weißen, heterosexuellen Frauen dominiert wurde) zu entfernen, war teilweise durch den Wunsch nach einer revolutionäreren, kompromisslosen Haltung in Fragen der Frauenbefreiung motiviert. Die zwölf Frauen des Kollektivs waren zwischen 18 und 28 Jahre alt, alle Feministinnen, weiß und lesbisch und hatten insgesamt drei Kinder. Sie teilten sich die Hausarbeit und ihre Kleidung, legten einen Teil ihres Geldes zusammen und schliefen auf Matratzen auf dem Boden.

Alle der Gründerinnen hatten ausgiebige Erfahrungen im Bereich Organisation und Aktivismus, bevor sie das Furies Collective gründeten. Viele von ihnen waren Mitglieder der Frauenbewegung, genauer gesagt der DCWLM (D.C. Women's Liberation Movement). Die Gruppe orientierte sich an anderen revolutionären Bewegungen wie die Black Panther Party und den Weathermen. Durch die Gründung kleiner radikaler Gruppen wollten sie eine globale Revolution voranbringen. Sie wollten die Abschaffung des Patriarchat, White Supremacy und Imperialismus. Sie widmeten sich insbesondere der Entwicklung und Erforschung feministischer Theorie, insbesondere der Frage, wie sexuelle Identität sozial konstruiert wird.

Als Teil ihrer Mission gründeten sie eine Schule, in der Frauen Auto- und Hausreparaturen lernten, damit sie nicht von Männern abhängig waren. Die Mitglieder riefen andere Feministinnen dazu auf, weitere Kommunen zu gründen, in denen Frauen ihre Beziehungen untereinander fernab von männlichem Chauvinismus pflegen konnten. Männer und heterosexuelle Frauen wurden als Hindernisse für den Fortschritt angesehen.

Die meisten Mitglieder des Kollektivs schrieben für ihre Zeitung "The Furies". Von Januar 1972 bis Mitte 1973 wurde die Zeitung landesweit veröffentlicht und vertrieben. In der der ersten Ausgabe im Januar 1972 äußerte die Mitwirkende Ginny Berson ihre Ansicht, dass: ... Sexism is the root of all other oppressions, and Lesbian and woman oppression will not end by smashing capitalism, racism, and imperialism. Lesbianism is not a matter of sexual preference, but rather one of political choice which every woman must make if she is to become woman-identified and thereby end male supremacy.The Furies, Vol. 1, Issue 1, as quoted at

...Sexismus ist die Wurzel aller anderen Unterdrückungen, und die Unterdrückung von Lesben und Frauen wird nicht durch die Zerschlagung von Kapitalismus, Rassismus und Imperialismus beendet werden. Lesbischsein ist keine Frage der sexuellen Vorliebe, sondern eine Frage der politischen Entscheidung, die jede Frau treffen muss, wenn sie sich als Frau identifizieren und damit die männliche Vorherrschaft beenden will.

Das Kollektiv wurden von anderen feministischen Publikationen dafür kritisiert, dass sie elitäre, von Männern bestimmte Sprach- und Theoriestandards verwendeten. Die Kritik bezog sich unter anderem darauf, dass sie sich auf Theorie konzentrierten, da diese ein von Männern geschaffenes und genutztes Instrument sei, das letztlich die Macht der Männer aufrechterhalte. Darüber hinaus argumentierten Kritiker, dass die Veröffentlichung der Namen der Autorinnen durch die Furies den kollektiven Charakter des Wissens in der Bewegung untergrabe und hierarchische Machtstrukturen aufrechterhalte, die denen in der Gesellschaft entsprachen. Die Mitglieder des Kollektivs gingen in ihren Publikationen kaum auf diese Kritik ein. Diese Ablehnung von Kritik und die Vorrangstellung der Theorie gegenüber persönlichen Erfahrungen stieß viele Frauen ab und behinderten die Furies daran, ihre Mitgliederzahl zu vergrößern, um ihre Ziele als Massenbewegung zu erreichen.

Die Gruppe propagierte ein Modell des Lesbischseins für alle Mitglieder der Frauenbewegung: eine alternative Identität, die sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität und radikale Philosophie miteinander verband. Für das Mitglied Charlotte Bunch bedeutet Lesbischsein: "sich selbst, als Frau, in einer Kultur zu lieben, die Frauen herabwürdigt und verachtet." Ginny Berson erklärte außerdem: "Lesben müssen Feministinnen werden und gegen die Unterdrückung kämpfen, genauso wie Feministinnen Lesben werden müssen, wenn sie die Vorherrschaft der Männer beenden wollen."

Mitglieder Laut Rita Mae Brown in ihrer Autobiografie Rita WillRita Mae Brown, Rita Will: Memoir of a Literary Rabble-Rouser, Bantam Books, New York, 1997. p. 267. gehörten zu den Mitgliedern des Kollektivs "Rita Mae Brown, Charlotte Bunch, Tasha Byrd [sic], Ginny Berson, Sharon Deevey, Susan Hathaway, Lee Schwin [sic], Helaine Harris, Coletta Reid, Jennifer Woodull [sic], Nancy Myron und Joan E. Biren (J.E.B.)" Eine Frau namens Susan Baker war ebenfalls mit der Gruppe verbunden. Die mit [sic] gekennzeichneten Namen sind eigentlich Tasha Petersen oder Peterson, Lee Schwing und Jennifer Woodul.

Vermächtnis Das Kollektiv bestand nicht lange, aber sein Einfluss war auch nach dem Ende der Gruppe noch spürbar. Zu den theoretischen Beiträgen zur Frauenbewegung gehörten die Verbindung zwischen der Durchsetzung von Heterosexualität und der Unterdrückung von Frauen, das Verständnis der sexuellen Orientierung als kulturell und nicht als biologisch konstruiert sowie die Legitimität des lesbischen Feminismus innerhalb der Frauenbewegung. Spätere feministische Gruppen im ganzen Land verwiesen auf die Bedeutung der theoretischen Entwicklungen des Feminismus durch die Furies für ihre eigenen Organisationsbemühungen. Ehemalige Mitglieder des Kollektivs übernahmen andere organisatorische und aktivistische Positionen, insbesondere in den Bereichen Medien und Verlagswesen.

Die ersten beiden Mitglieder, die gebeten wurden, die Gruppe zu verlassen, waren Joan E. Biren und Sharon Deevey, dicht gefolgt von Rita Mae Brown.Rita Mae Brown, Rita Will: Memoir of a Literary Rabble-Rouser, Bantam Books, New York, 1997. p. 271 Die monatliche Zeitschrift des Kollektivs überlebte die Auflösung des Kollektivs im Frühjahr 1972 um etwa ein Jahr.

Das Musiklabel Olivia Records wurde 1973 durch ehemalige Mitglieder mitgegründet.

Anerkennung Im Jahr 2016 wurde das Haus in der 219 11th St. SE, in dem das Furies Collective untergebracht war, als erstes lesbisches historisches Wahrzeichen in Washington, D.C. ausgezeichnet, als es einstimmig in das Verzeichnis historischer Stätten von D.C. aufgenommen wurde. Später im selben Jahr wurde das Haus als erste lesbische Stätte in das National Register of Historic Places aufgenommen. Im Jahr 2024 wurde es zum National Historic Landmark erklärt.

Im Februar 2025 stellte die Journalistin Mady Castigan fest, dass auf der Seite des Furies Collective auf der Website des National Park Service alle Verweise auf Transgender-Personen entfernt worden waren.

Einzelnachweise

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