Der Bahnhof Oelsnitz (Erzgeb) ist eine Betriebsstelle der Bahnstrecke Stollberg–St. Egidien in Oelsnitz/Erzgeb. in Sachsen. Hier zweigten die Bahnstrecke Oelsnitz–Kaisergrube sowie zahlreiche Anschlussbahnen zu den Gruben des Lugau-Oelsnitzers Steinkohlenreviers ab. Zudem verkehrten die meisten Züge der Bahnstrecke Neuoelsnitz–Wüstenbrand ebenfalls bis Oelsnitz (Erzgeb). Auch nach der Einstellung des Bergbaus Mitte der 1970er Jahre hatte der Bahnhof für den Güterverkehr bis Anfang der 1990er Jahre weiter eine große Bedeutung. Neben umfangreichen Güterverkehrsanlagen einschließlich eines Ablaufbergs gab es auch eine Lokeinsatzstelle. Seit den 1990er Jahren wird nur noch Personenverkehr durchgeführt.

Ein Teil des Bahnhofsgeländes wurde für die sächsische Landesgartenschau 2015 genutzt.

Geschichte Namensgebung Der Bahnhof hatte in seiner Geschichte sechs unterschiedliche Bahnhofsnamen, im Einzelnen waren dies:

bis 31. Mai 1889: Oelsnitz bei Lichtenstein bis 30. April 1904: Oelsnitz im Erzgebirge bis 30. April 1905: Ölsnitz i. Erzgeb Bahnhof bis 30. Juni 1911: Ölsnitz i. Erzgeb bis 4. Oktober 1930: Ölsnitz (Erzgeb) seit 5. Oktober 1930: Oelsnitz (Erzgeb)

Eröffnung und Anfangsjahrzehnte

In den 1840er Jahren wurden im Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenrevier die ersten größeren Kohleschächte geteuft. Mit der Strecke Wüstenbrand–Lugau erhielt das Bergbaurevier im östlichen Revierbereich den ersten Bahnanschluss. Erste Überlegungen für den Bahnbau um Oelsnitz gab es bereits Ende der 1860er Jahre. Als ab Anfang der 1870er Jahre mehrere Gesellschaften neue Schächte im westlichen Revierteil abteuften, wurde ein Eisenbahnanschluss dringend benötigt. Obwohl sich der sächsische Staat eine Privatbahn wünschte, kam bis 1876 keine Finanzierung zustande. Nun wollte der Staat doch die Baukosten übernehmen und genehmigte eine Bahnstrecke von St. Egidien über Lichtenstein nach Stollberg. Zusätzlich wurde die Strecke von Lugau bis zum Bahnhof Höhlteich verlängert. Zudem sollten zahlreiche Schächte im Raum Oelsnitz Anschlussbahnen erhalten, dafür war ein ausreichend dimensionierter Sammelbahnhof für den Güterverkehr vorgesehen. Der geplante Bahnhof lag etwa zu 1/5 auf der Flur von Hohndorf und zu 4/5 auf der Flur des Dorfes Oelsnitz abseits der vorhandenen Bebauung an der neu geschaffenen Bahnhofsstraße. Mit den Bauarbeiten wurde 1877 begonnen.

mini|hochkant=1.8|Streckenführung und wichtigste Gruben (Stand 1913)

Die erste Lokomotive befuhr die Gleisanlagen im Bahnhof am 1. Oktober 1878. Am 15. Oktober 1878 wurde der Bahnhof dann zusammen mit dem Abschnitt Lugau–Höhlteich–St. Egidien für den Kohlenverkehr eröffnet. Bereits in den Anfangswochen wurden täglich über 50 Güterwagen Steinkohle abgefahren. Am 15. Mai 1879 wurde die Strecke einschließlich der Bahnstrecke Oelsnitz–Kaisergrube sowie der Verlängerung Lugau–Höhlteich (später Neuoelsnitz) für den allgemeinen Güter- und Personenverkehr eröffnet. Von den vier Hauptgleisen besaßen zwei einen Bahnsteig, dazu gab es noch etwa 15 Nebengleise sowie die Lokstation. Außer dem Empfangsgebäude waren ein Güterschuppen, einige Nebengebäude sowie eine Bahnmeisterei errichtet worden. Ein Teil der Züge der Bahnstrecke Wüstenbrand–Lugau–Höhlteich war bis zum Bahnhof Oelsnitz durchgebunden. Um 1885 hatten mittlerweile sechs verschiedene Bergbauunternehmen mit ihren Schächten Anschluss an den Bahnhof oder die kurze Stichbahn zur Kaisergrube. Im Einzelnen waren dies die Vereinigtfeldschächte, die Deutschlandschächte, der Friedensschacht, der Concordiaschacht, die Kaisergrubenschächte und der Merkurschacht. Die Anschlussbahn zum Vereinigtfeldschacht überspannte dabei mit einer Brücke die südliche Bahnhofsausfahrt. Später erhielten auch noch der Ida- und der Heleneschacht des Steinkohlenbauverein Hohndorf sowie der Hedwigschacht einen Gleisanschluss.

Im Jahr 1885 lag der Bahnhof mit einem Güteraufkommen von rund 575.000 t an fünfter Stelle in Sachsen. Der Personenverkehr war aufgrund der abseitigen Lage zur Besiedlung von Oelsnitz und Hohndorf unbedeutend, 1894 erhielt das damalige Dorf Oelsnitz mit dem Haltepunkt Mitteloelsnitz eine wesentlich näher am Ortszentrum gelegene Bahnstation. In den folgenden Jahren stieg das Güterverkehrsaufkommen weiter, 1895 befand man sich mit circa 812.000 t an vierter Stelle und 1910 hatte der Oelsnitzer Bahnhof mit fast 1,4 Mio. t den dritten Platz im Güterverkehr in Sachsen inne.

mini|Empfangsgebäude und Zug bespannt mit einer V T (1913)

Während des Ersten Weltkriegs wurde ein Ablaufberg gebaut, der 1923 in Betrieb genommen wurde.

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg reduzierte man im Bergbaurevier die Fördermenge. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten schlossen sich die vielen Unternehmen zu drei größeren Bergbaugesellschaften zusammen. Mit der Konzentration auf wenige Hauptförderschächte wurden auch mehrere Anschlussbahnen nicht mehr benötigt, so entfielen unter anderem die Gleisverbindung zum Hedwigschacht (1920), Heleneschacht (1926/27 aufgelassen) und Friedensschacht (1930). Die Stichbahn zur Kaisergrube wurde nach Auflassung der Schächte 1930 stillgelegt und abgebaut, lediglich das Anschlussgleis bis zum ehemaligen Hedwigschacht lag noch bis Anfang der 1940er Jahre. Trotz der Rationalisierungsmaßnahmen in den 1920er Jahren erhöhte sich das Fördervolumen nicht. Ab 1928 wurde daher der Kohleversand vom Bahnhof Lugau vom Bahnhof Oelsnitz übernommen. Trotzdem betrug der Kohleversand 1928 nur noch circa 820.000 t jährlich. Im Bahnhof selbst fand 1935/36 mit dem Bau von zwei Stellwerken die letzte größere Erweiterung statt. Nach dem Umbau der Anschlussbahn zum Kaiserin-Augusta-Schacht der Gewerkschaft „Gottes Segen“ wurde 1936 auch die Bedienung des letzten großen, bisher noch nicht vom Bahnhof Oelsnitz aus bedienten Steinkohlenbergwerkes übernommen. Fortan war der Kohleversand des gesamten Bergbaureviers im Oelsnitzer Bahnhof konzentriert. Nach der Einstellung des Bergbaus des Steinkohlenbauvereins Gersdorf wurde die Grubenanschlussbahn zum Merkurschacht ab 1944 vorerst nicht mehr genutzt, blieb aber erhalten.

Im April 1945 kam der Bahnverkehr mit dem Vorrücken der US-Armee vorerst zum Erliegen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Auch nach Kriegsende war vorerst kein Verkehr möglich. Die nördliche Einfahrt wurde von der US-Armee gehalten und die Bahnmeisterei von der Roten Armee besetzt, während der restliche Teil unbesetzt blieb (siehe auch: Freie Republik Schwarzenberg). Nach dem Rückzug der Amerikaner Anfang Juni auf die in der Konferenz von Jalta beschlossenen Besatzungsgrenzen befand sich der Bahnhof komplett in der Sowjetischen Besatzungszone und der Verkehr wurde wieder aufgenommen.

Nach 1947 entstand auf dem Gelände des Steinkohlenbauverein Gersdorfs ein Betonwerk, das die Anschlussbahn weiternutzte. Bei den Anschlussbahnen der noch verbliebenen Schächte gab es ebenfalls Veränderungen. Die Bedienung des Vereinigtfeldschachtes wurde 1960 beendet, vor 1966 wurde die Brücke der Anschlussbahn abgebaut. So blieben nur die drei Anschlussbahnen zu den Deutschland- und Vereinsglückschächten sowie zum Kaiserin-Augusta-Schacht erhalten.

Mit dem Ende des Steinkohlenbergbaus 1971 wurde nur noch die Anschlussbahn zum ehemaligen Kaiserin-Augusta-Schacht sowie zum Betonwerk bedient. Nach dem Rückbau des Bahnhofs Neuoelsnitz Anfang der 1970er Jahre wurde der Güterverkehr zum Bahnhof Oelsnitz verlagert. Der Bahnhof war in den 1970er Jahren Sammelpunkt für leere Kesselwagen aus dem Raum Westsachsen. Täglich verkehrten mehrere Ganzzüge zu den Chemiewerken in Tröglitz und Rositz. Diese Aufgabe wurde 1979 an den Bahnhof Wüstenbrand abgegeben, stattdessen wurden in Oelsnitz fortan Güterwagen in Richtung der RGW-Staaten gesammelt. Erst nach einer entsprechenden Untersuchung durften die Wagen zu den Grenzbahnhöfen weiterbefördert werden, so wurde das notwendige Ausstellen von Differenzwagen aus dem Zugverband an den ständig überlasteten Grenzübergangsstellen vermieden.

Weichenheizungen wurden 1985 eingebaut.

Seit 1989 mini|Personenzug im Bahnhof (1994)

Mit der Wende 1989/90 und den damit verbundenen wirtschaftlichen Veränderungen brach der Güterverkehr vollständig zusammen. In den 1990er Jahren wurde der Bahnhof daher zum Abstellen von Schadwagen genutzt. Die Anschlussbahn zum Betonwerk wurde bis 1992 bedient, daraufhin wurde das erste Stellwerk außer Betrieb genommen. Ebenso wurde der Bahnhof Oelsnitz bis mindestens Mitte der 1990er Jahre im Güterverkehr bedient. Eine letzte Bedienfahrt zum ehemaligen Kaiserin-Augusta-Schacht fand 1996 statt, dabei wurden eine Dampflok und ein Güterwagen für das Bergbaumuseum Oelsnitz überführt. Im Frühjahr 1997 wurden alle noch verbliebenen Gleise im Bahnhof bis auf die zwei Bahnsteig- sowie die Heizhausgleise betrieblich gesperrt. Damit wurden zwei weitere Stellwerke nicht mehr benötigt.

mini|Personenzüge der City-Bahn Chemnitz im Bahnhof (2015)

Der Personenverkehr wurde ab dem 10. Juni 2001 auf der kompletten Strecke Stollberg–St. Egidien vorerst im Schienenersatzverkehr durchgeführt. Ab Sommer 2002 wurde die Strecke samt dem Bahnhof Oelsnitz als Ergänzung zum Chemnitzer Modell umfassend saniert. Dabei wurden neben Gleiserneuerungen im Bahnhof die beiden Bahnsteige neugebaut. Seitdem stehen nur noch vier durchgehende Gleise zur Verfügung, alle anderen Gleisverbindungen außer die Stumpfgleise zum Lokschuppen wurden entfernt oder mit Gleissperren versehen. In der Folge gingen auch die letzten beiden Stellwerke in Oelsnitz außer Betrieb, fortan wird der Bahnhof von Stollberg ferngesteuert. Nach der Streckensanierung verkehrt die City-Bahn seit dem 15. Februar 2003. Sie bedient den ebenfalls bei der Sanierung neu eingerichteten Haltepunkt Oelsnitz-Bahnhofsstraße.

Im Sommer 2010 wurde eine Bahn-Bus-Verknüpfungsstelle auf dem Gelände der ehemaligen Ladestraße gebaut, zudem entstanden Pkw-Parkplätze. Heute kreuzen die im Stundentakt verkehrenden RS 1 der RB 92 werktags in Oelsnitz, am Wochenende besteht ein Zweistundentakt.

Landesgartenschau 2015 mini|Ehemaliges Stellwerk 2 (2015)

Das Gelände mit den nicht mehr genutzten Gütergleisen auf der Ostseite des Bahnhofs erwarb die Stadt Oelsnitz 2010, um darauf die Landesgartenschau 2015 auszurichten. Nachdem 2011 der Zuschlag erteilt worden war, wurde das Gelände 2013/14 erheblich umgestaltet. Teile der vorhandenen Gleisanlagen wurden als Gleisgärten in die Gestaltung des Geländes mit einbezogen. Ebenso wurden mehrere Stellwerke für die Ausstellung als Blumenhallen und Aussichtspunkte genutzt. Auch eine Rangierlok (Baureihe V 18 B), der Triebwagen Demonstrator (Vorserienfahrzeug der Baureihe 670) und ein zweiachsiger offener Güterwagen wurden ausgestellt. Das Empfangsgebäude sowie mehrere Stellwerke wurden saniert und an der südlichen Bahnhofsausfahrt wurde eine Fußgängerbrücke errichtet. Insgesamt wurden 14 Millionen Euro investiert.

Die Landesgartenschau wurde von April bis Oktober 2015 von über 400.000 Zuschauern besucht. Als Flora-Express verkehrte während dieser Zeit ein Schwerkleinwagen samt Beiwagen auf einem separaten Gleisstück im Veranstaltungsgelände. Das Gelände blieb nach einem Umbau ab 2016 als Bürgerpark erhalten. Ebenso verblieben die Schienenfahrzeuge auch nach der Landesgartenschau in Oelsnitz, der Triebwagen wurde dabei als „grünes Klassenzimmer“ genutzt. Im November 2023 wurde das mittlerweile durch Vandalismus beschädigte Fahrzeug vom Verkehrsmuseum Dresden übernommen.

Infrastruktur Empfangsgebäude mini|Empfangsgebäude von der Straßenseite (2019)