Die National Union of Freedom Fighters (NUFF) war eine marxistische Untergrundorganisation in Trinidad und Tobago. Die Gruppe gründete sich in der Folge der Black Power Revolution, einer Serie von Unruhen im Jahr 1970, die wiederum infolge der US-amerikanischen Black-Power-Bewegung auftrat. Im Rahmen der Black-Power-Revolution kam es zu einer Meuterei im Trinidad and Tobago Regiment, die aber erfolglos blieb.

Vorgänger der NUFF war die Western United Liberation Front (WULF), ein informeller Verbund größtenteils arbeitsloser Männer aus den westlichen Vororten Port of Spains. Die NUFF versuchte mit Guerilla-Taktiken, die Regierung von Eric Williams, dem trinidadischen „Father of the Nation“, zu stürzen. Nach der gescheiterten Heeres-Meuterei beschlossen Mitglieder der WULF, die Regierung im Rahmen eines bewaffneten Putschversuchs zu stürzen. 1971 verübten sie erfolglos zwei Anschläge: Auf den Staatsanwalt, der die Ermittlungen zur Meuterei leitete, und auf einen Offizier der Küstenwache, der bei der Niederschlagung der Meuterei geholfen hatte.

Hauptrekrutierungsquelle der Gruppe waren unzufriedene Mitglieder der führenden Black-Power-Organisation des Landes, des National Joint Action Committee (NJAC). Die NUFF gründete im südlichen Trinidad ein Trainingscamp. 1972 und 1973 griff die NUFF Polizeiwachen an, um an Waffen zu gelangen, raubte Banken aus und zettelte Unruhen gegen die Regierung an. Dieser gelang es durch eine Aufrüstung ihres Geheimdienstarsenals, die Aktivitäten der Gruppe zu verfolgen und den größten Teil ihres Führungspersonals zu verhaften oder zu töten. 18 NUFF-Mitglieder und drei Polizisten kamen dabei ums Leben.

Hinsichtlich ihrer Ideologie war die NUFF antiimperialistisch und antikapitalistisch. Sie ging sowohl gegen ausländische Investoren vor, die einen Großteil der trinidadischen Wirtschaft kontrollierten, als auch gegen die einheimische wirtschaftliche Elite. Bemerkenswert war der Anteil an Frauen, die eine aktive Rolle in der Organisation spielten und auch an Kampfhandlungen teilnahmen. Die NUFF war die einzige Gruppierung in der zeitgenössischen englischsprachigen Karibik, die über einen längeren Zeitraum hinweg Unruhen initiieren konnte. Nach dem Ende der NUFF betätigten sich einige ehemalige Mitglieder in der Politik. Andere waren 1990 am Putschversuch der Jamaat al Muslimeen beteiligt.

Geschichte

Trinidad und Tobago erlangte 1962 seine Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich. Regierungspartei wurde die People’s National Movement (PNM) unter Premierminister Eric Williams. Die generellen Ziele Williams’ und der PNM waren Nationalismus und Progressivismus. Die PNM hatte seine Basis in der afrotrinidadischen Arbeiterklasse. Durch die Unabhängigkeit lag die Macht im Land bei einer von Afrotrinidadiern dominierten Regierung, die wirtschaftliche Macht lag aber weiterhin in den Händen der ehemaligen weißen Elite. In der trinidadischen Gesellschaft gab es zu dieser Zeit eine von Klasse und Hautfarbe abhängige Hierarchie, wie sie typisch für die größeren englischsprachigen Inseln der Karibik war. Traditionell war die Oberklasse der trinidadischen Gesellschaft von Weißen geprägt, die Mittelschicht von free coloureds (im Regelfall Mulatten) und die Arbeiterklasse von Afro- und Indotrinidadiern. Das soziale Gefüge im 19. und 20. Jahrhundert ermöglichte es Schwarzen durchaus, in die Mittelschicht aufzusteigen, und farbigen Menschen, sowohl in die Ober- als auch in die Unterschicht aufzusteigen. Im Großen und Ganzen blieben die Klassengrenzen aber intakt. Auf dem Weg zur Unabhängigkeit Trinidads verloren die Weißen ihren politischen Einfluss, behielten ihre wirtschaftliche und soziale Macht aber bei. Indotrinidadier, die 1970 40 % der Bevölkerung des Landes ausmachten, und kleinere Minderheiten standen außerhalb dieses Systems. Für Schwarze war Bildung das Mittel für einen sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg, der sie auf der sozialen Leiter über hellhäutigere, aber schlechter gebildete Landsleute stellte.

Als Trinidad die Unabhängigkeit erlangte, wurden Schwarze und Farbige in Regierung und Verwaltung gespült, aber der größte Teil der Wirtschaft blieb in der Hand britischer und US-amerikanischer Firmen. Die afrotrinidadische Arbeiterklasse erwartete von der PNM-Regierung ökonomische, soziale und politische Fortschritte. In den Augen dieses Bevölkerungsteils stand die wirtschaftliche Macht, die diese Firmen ausübten, ihren eigenen Zielen entgegen. Paradoxerweise sah die Bevölkerung der von afrokaribischen Parteien dominierten südlichen Karibik dennoch keinen Bedarf an „Black Power“, insbesondere nicht im wirtschaftlich florierenden Trinidad.

In Arbeitersiedlungen schlossen sich junge, männliche Arbeitslose und Gelegenheitsarbeiter zu organisierten Gruppen zusammen, die Ausschreitungen und Bandenkriege anzettelten. In Port of Spains Vorort St. James waren die beiden militantesten dieser Gruppen beheimatet, Block Four und Block Five. Aus Block Five ging in den 1960er-Jahren die nur lose organisierte WULF hervor. Sie bestand primär aus arbeitslosen jungen Männern, hatte jedoch auch einige Angehörige des trinidadischen Heeres (konkret des Trinidad and Tobago Regiments) in ihren Reihen. Die WULF orientierte sich in puncto Rhetorik und Kleidung an der Black-Power-Bewegung.

1969 veranstalteten karibischstämmige Studenten der Sir George Williams University im kanadischen Montreal einen Sitzstreik vor dem Universitätsrechenzentrum, um gegen Diskriminierung bei der Notenvergabe zu protestieren. Im Rahmen der Proteste kam es zu einem Brand auf dem Universitätsgelände und erheblicher Sachbeschädigung. Die folgenden Verhaftungen von und Prozesse gegen eine Gruppe Studenten waren ein Katalysator bei der Formierung der Partei National Joint Action Committee (NJAC), die auf dem Campus St. Augustine der University of the West Indies gegründet wurde. Aus diesem universitären Umfeld heraus leisteten NJAC-Aktivisten landesweit politische Aufklärungsarbeit und politische Agitation, speziell unter arbeitslosen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Port of Spain und San Fernando. Im Februar 1970 kam es zu mehreren Pro-Black-Power-Demonstrationen in den trinidadischen Ballungsräumen. Im Verlauf des März und des April erhielten diese Demonstrationen spürbaren Zulauf, insbesondere, nachdem der junge NJAC-Aktivist Basil Davis von der Polizei getötet worden war.

Obwohl es durchaus die Absicht gab, Indotrinidadier zu integrieren, blieben Führung und Basis der NJAC durch Afrotrinidadier dominiert. Am 12. März 1970 organisierte die NJAC einen von Port of Spain ausgehenden Marsch durch das damalige County Caroni, das Teilen der heutigen Regionen Couva-Tabaquite-Talparo, San Juan-Laventille und Tunapuna-Piarco entsprach und die Stadt Chaguanas umfasste. Ziel des durch den sogenannten „Zuckergürtel“ führenden Marsches war es, die durch Indotrinidadier dominierte Zuckerindustrie für die Bewegung zu gewinnen. Arbeiter der Zuckerindustrie organisierten daraufhin einen ähnlichen Marsch, der am 20. April in Couva starten und am Folgetag in Port of Spain ankommen sollte. Am 21. April 1970 rief die Regierung den Notstand aus und verhaftete die Anführer der Proteste. In der Folge kam es zu einer Meuterei im Trinidad and Tobago Regiment. Die Meuterer, angeführt von Raffique Shah und Rex Lassalle, ergaben sich nach zehntägigen Verhandlungen, und die Regierung erlangte die volle Kontrolle über die Situation zurück.

Das Scheitern der Meuterei war letztendlich der Anstoß für die Gründung einer Organisation, aus der die NUFF hervorgehen sollte. Laut Malcolm „Jai“ Kernahan, einem ehemaligen Führungsmitglied der NUFF, gab es Absprachen zwischen WULF-Mitgliedern, Shah und Lassalle. Zum Zeitpunkt der Meuterei bewaffneten sich Brian Jeffers und andere WULF-Mitglieder, schlugen in den Bergen oberhalb von Port of Spain ihr Quartier auf und versuchten, Kontakt zu den westlich der Stadt stationierten Meuterern aufzunehmen. Nachdem die Meuterer aufgegeben hatten, entschied sich Jeffers, zu dem Zeitpunkt De-facto-Anführer der WULF, für den Versuch, die Regierung durch bewaffneten Kampf zu stürzen. Jeffers, Kernahan und andere organisierten in der Folge eine neue Gruppierung mit revolutionären Zügen. Sie orientierten sich dabei an der von Che Guevara entwickelten Fokustheorie. Einige Mitglieder der neuen Gruppe regten an, selbige sowie ihre Unterstützerbasis zunächst auszubauen, aber militante Mitglieder waren im Führungsteam tonangebend.

1971 wurde die Gruppe, die zu diesem Zeitpunkt noch keinen Namen hatte, erstmals aktiv und schoss auf Theodore Guerra, den Staatsanwalt, der die Anklage gegen die Meuterer vor dem Kriegsgericht geleitet hatte. Einige Tage später wurde der Kommandeur der trinidadischen Küstenwache, David Bloom, niedergeschossen. Bloom hatte bei der Niederschlagung der Meuterei eine wichtige Rolle gespielt. Beide Männer überlebten. Die Attentate stießen auf positive Reaktionen bei NJAC-Mitgliedern, die nach der Verhaftung ihrer Führungsebene unter dem Eindruck standen, dass ihre Organisation praktisch aufgehört hatte zu existieren. Guy Harewood und mehrere andere NJAC-Aktivisten aus der Metropolregion Port of Spain traten nach den Attentaten zur NUFF über. Diese neuen Mitglieder fungierten als Bindeglied zu weiteren unzufriedenen NJAC-Aktivisten.

Ende 1971 verabschiedete sich Kernahan von der Gruppe in St. James und kehrte in seine Heimatstadt Fyzabad zurück. Im Ölgürtel Südtrinidads, in dem nach dem Ersten Weltkrieg die teils von Gewalt geprägte Geschichte des trinidadischen Gewerkschaftswesens begann, stieß er mit seinem Konzept von bewaffnetem Aufruhr auf offene Ohren. Er versammelte eine Gruppe von Aktivisten und gründete ein Trainingscamp in den Wäldern.

Die NUFF-Führung sah ihre Organisation als Speerspitze einer Revolution, die der Arbeiterklasse revolutionäres Denken näherbringen sollte. Da sie davon ausging, dass eine Revolution unmittelbar bevorstand, setzten sie auf Guevaras Fokustheorie, die eine kleine, mobile, sich selbst versorgende Guerillatruppe für die Auslösung eines allgemeinen Aufstands vorsah. In der Selbstwahrnehmung der NUFF war die Organisation dazu bestimmt, „den Pfeil der Geschichte ins Ziel zu leiten“. Ihre Ideologie war prinzipiell antiimperialistisch, antikapitalistisch und antisexistisch. Sie traten gegen ausländische Investoren und die einheimische Wirtschaftselite auf und versuchten, die Regierung Williams mit Gewalt zu stürzen. Kirkland Paul, der wegen des Mordes am Polizisten Austin Sankar zum Tode verurteilt worden war, äußerte sich noch in der Todeszelle zustimmend zum Klassenkampf.

Bewaffneter Kampf

Am 31. Mai 1972 überfiel Kernahans Organisation, die sich kurz zuvor in National Union of Freedom Fighters umbenannt hatte, die Sicherheitszentrale einer Texaco-Anlage. Bei dem Angriff wurden sechs Schusswaffen und über 1000 Schuss Munition erbeutet. Am folgenden Tag überfielen bewaffnete NUFF-Mitglieder eine Barclays-Bank-Filiale in St. Augustine im bevölkerungsreichen Norden Trinidads. In den abgelegenen Wäldern der Northern Range konnten sich die knapp 40 NUFF-Mitglieder dem Zugriff der Obrigkeit entziehen. Fidel Castro verglich die Northern Range einst mit der kubanischen Sierra Maestra, von der aus er die Kubanische Revolution begonnen hatte.

Am 1. Juli 1972 wurde eine Gruppe von Guerilleros, die aus der Northern Range zurückkehrten, an einer Straßensperre von der Polizei abgefangen, und es kam zu einer Schießerei. Ein NUFF-Kämpfer, Hillary Valentine, wurde getötet; drei Polizisten wurden verletzt. Zu Valentines Begräbnis erschienen 4000 Besucher. Am 23. Februar 1973 überfielen fünf Männer und eine Frau eine Filiale der Barclays Bank an der Tragarete Road in Port of Spain und erbeuteten 100.000 TT-Dollar (damals etwa 130.000 Mark, inflationsbereinigt 2025 etwa 230.000 Euro) und die Pistole eines Wachmanns. Die Frau wurde später als das führende NUFF-Mitglied Andrea Jacob identifiziert.