Die Klasse AE der Virginian Railway (VGN) war eine Baureihe vierzylindriger Verbund-Gelenk-Dampflokomotiven der Bauart Mallet mit der Achsfolge (1’E)E1’ für den schweren Güterzugdienst auf steigungsreichen Strecken, die 1918 von der American Locomotive Company (ALCo) in zehn Exemplaren gebaut wurde. Die langsamen, aber äußerst zugkräftigen Maschinen waren bis 1952 im Einsatz und wurden bis 1958 vollständig zerlegt.
Geschichte Für den schweren Rangier- und Schiebedienst bestellte die Virginian Railway (VGN) gegen Ende des Ersten Weltkriegs bei der American Locomotive Company (ALCo) in Schenectady zehn Gelenklokomotiven der Bauart Mallet mit der Achsfolge (1’E)E1’. Diese Achsfolge war bereits 1911 mit der Klasse 3000 der Atchison, Topeka and Santa Fe Railway (ATSF) eingeführt worden, die sich allerdings nicht bewährt hatte.
Die von April bis November 1918 mit den Fabriknummern 60000 bis 60009 gebauten Maschinen waren derart groß, dass für die Überführung vom Hersteller zur VGN über die Strecken anderer Gesellschaften die Niederdruckzylinder sowie das Führerhaus demontiert werden mussten. Sie erhielten die Betriebsnummern 800 bis 809 und die Klassenbezeichnung AE. Auch wenn ihre Anfahrzugkraft von 786 kN bei einfacher Dampfdehnung nicht an die der 1916 in Dienst gestellten sechszylindrigen Triplex-Lokomotive der Klasse XA heranreichte, waren sie die größten, schwersten und zugkräftigsten Mallets sowie die zugkräftigsten vierzylindrigen Dampflokomotiven überhaupt. Wie ein Versuch mit der 808 im Mai 1921 zeigte, konnten sie in einfachem Gelände einen 15 000 t schweren Zug allein bewegen. Beim Nachschieben schwerer Kohlenzüge auf ihrer anfänglichen Stammstrecke, dem bis zu 20,7 ‰ steilen Abschnitt Elmore–Clarke’s Gap der Deepwater Division in den Blue Ridge Mountains, arbeiteten sie dennoch nicht selten in Doppeltraktion.
Nach der Elektrifizierung im Jahr 1925 verlegte die VGN die Maschinen der Klasse AE in die Norfolk Division östlich von Roanoke und setzte sie trotz ihrer niedrigen Höchstgeschwindigkeit nun auch als Zuglokomotiven im Streckendienst ein. Die 800 wurde am 1. April 1941 bei einer Kesselexplosion nahe Stewartsville zerstört, drei Personen kamen dabei ums Leben. Die letzten Lokomotiven wurden 1952 nach 34 Dienstjahren ausgemustert und bis 1958 zerlegt.
Technik Mit der Achsfolge (1’E)E1’ besaßen die Gelenklokomotiven der Bauart Mallet einen Laufradsatz und fünf Kuppelradsätze im Triebgestell sowie fünf Kuppelradsätze im Hauptrahmen und einen Laufradsatz im Schleppgestell. Triebgestell- und Hauptrahmen waren als Barrenrahmen ausgeführt. Der Treibradsatz war jeweils der dritte gekuppelte Radsatz. Die Hochdruckzylinder besaßen Kolben-, die Niederdruckzylinder Flachschieber. Zur Einhaltung der Fahrzeugbegrenzungslinie mussten die Niederdruckzylinder, die mit 1219 mm Innendurchmesser die größten Lokomotivzylinder der Welt waren, leicht nach oben versetzt und daher schräggestellt werden. Über die für Mallets typische Anfahrvorrichtung konnte Frischdampf in die Niederdruckzylinder geleitet werden, um die Zugkraft zu erhöhen. Für den Schiebedienst war ursprünglich ein Aufkletterschutz über der vorderen Kupplung angebracht.
Mit 3010 mm, gemessen hinter dem Dampfdom, besaß die AE auch den größten Langkesseldurchmesser aller Dampflokomotiven. Zur Steigerung der Kesselleistung waren eine kurze Verbrennungskammer sowie ursprünglich Wasserrohre in der Feuerbüchse vorhanden. Bei voller Leistung konnte der Kesseldruck bis zu einer Geschwindigkeit von 13 km/h dauerhaft aufrechterhalten werden. Ein Stoker übernahm die Rostbeschickung. In den späteren Einsatzjahren wurde ein Mischvorwärmer des Typs BL von Worthington nachgerüstet.
Den vierachsigen Drehgestell-Schlepptender wählte man für eine Lokomotive dieser Dimension ungewöhnlich klein, um das Wenden auf den vorhandenen Drehscheiben zu ermöglichen. Der Kohlenkasten wurde nachträglich erweitert.
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Einzelnachweise
Kategorie:Dampflokomotive Achsfolge 1EE1 Kategorie:Dampflokomotive Bauart Mallet Kategorie:Schienenfahrzeug (American Locomotive Company) AE