Der Panegyricus Plinius des Jüngeren ist eine Festrede, die der römische Senator, Anwalt und Schriftsteller Plinius der Jüngere anlässlich seines Amtsantritts als Suffektkonsul im Jahr 100 auf den römischen Kaiser Trajan gehalten hat.

Überlieferungsgeschichte Der Panegyricus des Plinius war in der Antike bekannt und diente mehreren anderen Rednern als Vorbild. Insgesamt sind 12 lateinische Reden dieser Gattung, die so genannten Panegyrici Latini, erhalten, von denen die übrigen (Paneg. II–XII) aus der Spätantike stammen. Sidonius Apollinaris kannte den Text in der 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts noch, der im Mittelalter in Vergessenheit geriet. Im Jahr 1433 entdeckte Giovanni Aurispa eine Abschrift in einem Codex in Mainz wieder. Frühdrucke datieren in das späte 15. Jahrhundert (Puteolanus 1482) und das 16. Jahrhundert, teilweise wird der Panegyricus auch bei den Briefen des Plinius mit abgedruckt.Radice 1968, S. 167 Der Panegyricus wurde mehrfach in moderne Sprachen übersetzt.

Hintergrund Im September und Oktober des Jahres 100 war Plinius zusammen mit Gaius Iulius Cornutus Tertullus Suffektkonsul. Eine Urform der Rede hielt er demzufolge am 1. September zu seinem Amtsantritt im Senat. Der überlieferte Text ist eine überarbeitete Version, im mündlichen Vortrag könnte die Rede nach einer modernen Schätzung etwa fünf Stunden gedauert haben.Kühn S. 1 Nicht bekannt ist, ob auch sein Amtskollege eine Rede hielt oder ob Plinius stellvertretend für beide Konsuln gesprochen hat.

Plinius selbst hat seinen Vortrag nicht als Panegyricus bezeichnet, er benutzt den Ausdruck gratiarum actio. Die ausgearbeitete Version gab er in Schriftform weiter. Außerdem las er sie einem ausgewählten Hörerkreis vor, dazu waren ursprünglich zwei Abende angesetzt, es wurden letztlich drei Abende.Plinius, epistulae 3,18.

Zum Inhalt Der Panegyricus ist eine wertvolle Quelle zu den ersten Regierungsjahren Trajans, die Römische Geschichte des Cassius Dio ist für diese Zeit nur auszugsweise erhalten. Plinius selbst weist allerdings darauf hin, dass seine Rede nicht zur Information des Publikums gedacht war, da seine Hörerschaft mit den angesprochenen Ereignissen vertraut war.Plinius, epistulae 3,13. Absicht war es vielmehr, die Eigenschaften Trajans als eines optimus princeps, eines besten Herrschers darzustellen und den Kontrast zum schlechtesten Herrscher (im Panegyricus bezieht sich Plinius auf Domitian) herauszustellen.

In der niedergeschriebenen Form ist die Rede in verschiedene Teile gegliedert,vgl. etwa Kühn S. 9–12 nach einer Einleitung folgen Abschnitte zu Trajans Werdegang bis zu seinem Einzug als Kaiser in Rom und danach einzelne Aspekte aus seinen ersten Regierungsjahren. Einen breiten Raum nimmt die Beschreibung von Trajans drittem Konsulat ein. Nach Schilderungen aus des Kaisers Privatleben folgt eine Danksagung des Redners Plinius, den Abschluss bilden ein Gebet zu Jupiter und ein Dank gegenüber dem Senat.

Ausgaben und Übersetzungen C. F. A. Schott: Cajus Plinius Cäcilius Secundus, des Jüngern, Werke. Stuttgart 1827 (dt. Übersetzung). Betty Radice: Pliny, Letters and Panegyricus. Band II. London 1969 (lat. mit engl. Übersetzung). Werner Kühn: Plinius der Jüngere, Panegyrikus. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1985 (lat. mit dt. Übersetzung).

Literatur Betty Radice: Pliny and the 'Panegyricus'. In: Greek & Rome. Band 15, Nr. 2, 1968, S. 166–172 (JSTOR). Erich Woytek: Der Panegyricus des Plinius: Sein Verhältnis zum Dialogus und den Historiae des Tacitus und seine absolute Datierung. In: Wiener Studien. Bd. 119, 2006, S. 115–156 (JSTOR).

Weblinks Lateinischer Text und dt. Übersetzung auf der Grundlage der Übersetzung von Schott bei Gottwein.de

Anmerkungen

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