mini|Strukturformel von L-Methioninsulfoximin Das Werwolf-Syndrom des Hundes ist eine neurologische Erkrankung, die durch Vergiftung mit Methioninsulfoximin (MSO), einer chemischen Verbindung aus der Stoffgruppe der Sulfoximine, verursacht wird. Die Erkrankung wurde bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beobachtet, geriet aber durch die Einstellung der Mehlbleiche mit Stickstofftrichlorid (Agene-Verfahren) ab den 1950er Jahren (Verbot 1958), bei der Methioninsulfoximin entsteht, in Vergessenheit. Von August bis Dezember 2024 traten dann vermehrt Fälle in verschiedenen europäischen Ländern auf, beginnend in Finnland und dann auch in Deutschland und weiteren europäischen Ländern. Auslöser waren bestimmte Chargen von aus China importierten Rinderhautknochen, wobei bisher nicht geklärt werden konnte, wie diese Substanz in die Kauartikel gelangte.

Symptome Das Werwolf-Syndrom zeigt sich in akuten Verhaltensänderungen wie Aufheulen, Schreien und häufig in panikartigem Fluchtverhalten sowie Pupillenerweiterung und Speicheln, die manchmal von unkontrolliertem Harn- und Kotabsatz begleitet werden. Zum Teil treten auch generalisierte epileptische Anfälle auf. Gangstörungen sowie eine leichte Untertemperatur und Herzrasen werden ebenso beobachtet. Vermehrt waren im Jahr 2024 mittelgroße Hunde im mittleren Alter betroffen. Die Anfälle dauern zwischen 5 und 15 Minuten und treten mehrmals am Tag auf.

Differentialdiagnostisch kommen Vergiftungen durch Drogen oder Mykotoxine, Epilepsie, Hirntumore und Enzephalitiden in Betracht.

Behandlung Im Akutfall können Trazodon, Pregabalin oder Gabapentin gegeben werden, bei sehr starker Ausprägung ist eine Sedierung mit Dexmedetomidin möglich. Bei Tieren mit generalisierten tonisch-klonischen Krampfanfällen wurden auch die in der Behandlung von Epilepsien üblichen Wirkstoffe wie Phenobarbital, Imepitoin und Levetiracetam eingesetzt sowie bei ausgeprägten akuten Anfällen Benzodiazepine.

Einzelnachweise

Kategorie:Neurologische Erkrankung des Hundes Kategorie:Tiermedizinische Toxikologie