Doris (, geb. ca. 60 v. Chr.,Etka Liebowitz: Doris and Mariamme, 2024, S. 241. gest. nach 8/7 v. Chr.) war eine Jüdin und die erste Gemahlin des Herodes I., den sie um 47 v. Chr.Nikos Kokkinos: Herodian Dynasty, 1998, S. 208f. ehelichte. Ihr auffälliger Name, der an die Dorer erinnert, ist teils aus einer Legende gemeinsamer Abstammung von Juden und Spartanern erklärt worden,; . Bezalel Bar-Kochva: Doris, 2003, S. 6f. kann aber auch als Verkürzung von Dorothea (Δωροθέα) verstanden werden, analog zum Namen ihres Bruders Theodius, der als Kurzform von Theodorus oder Theodotus gedeutet wird.Aryeh Kasher: King Herod. A Persecuted Persecutor, A Case Study in Psychohistory and Psychobiography, Berlin/New York 2007, S. 35. Die Namen ihrer Eltern sind nicht überliefert. Den Antiquitates des JosephusIosephus, antiquitates Iudaicae 14,300. nach stammte sie aus dem Volk und war jüdischer Abkunft, während das Bellum Iudaicum desselben VerfassersIosephus, bellum Iudaicum 1,241; 432. sie als gebürtige Jerusalemerin von bedeutender Abstammung beschreibt.Vgl. Richard Gottheil/Samuel Krauss: Doris. In: The Jewish Encyclopedia, Bd. 4, New York/London 1903, S. 641. Da Josephus angibt, sie habe demselben Stamm wie Herodes angehört (ἐκ τοῦ ἔθνουςIosephus, antiquitates Iudaicae 14,300.), gilt sie in der Forschung überwiegend als Idumäerin, wodurch ihre jüdische Abkunft vielfach in Zweifel gezogen worden ist.So etwa von Walter Otto: Herodes. Beiträge zur Geschichte des letzten jüdischen Königshauses, Stuttgart 1913, Sp. 23, Anm. 1; Nikos Kokkinos: Herodian Dynasty, 1998, S. 208f. Gegen diese Auffassung: Bezalel Bar-Kochva: Doris, 2003, S. 5–18. Etka Liebowitz: Doris and Mariamme, 2024, S. 243–45; hat darauf hingewiesen, dass, selbst wenn ἐκ τοῦ ἔθνους auf eine idumäische Herkunft der Doris verweist, dies ihre Zugehörigkeit zum Judentum nicht ausschließt.
Aus der Verbindung mit Herodes ging der Sohn Antipatros hervor.Iosephus, bellum Iudaicum 1,241; 432; antiquitates Iudaicae 14,300. Nach der Vermählung des Herodes mit der hasmonäischen Prinzessin Mariamne um 37 v. Chr. wurde Doris jedoch verstoßen und vom Hof entfernt.Iosephus, bellum Iudaicum 1,432–433. Walter Otto: Herodes. Beiträge zur Geschichte des letzten jüdischen Königshauses, Stuttgart 1913, Sp. 23, Anm. 1; sieht hingegen Hinweise darauf, dass die Scheidung bereits vor der Erhebung zum König erfolgt. Etwa 29 v. Chr. fiel Mariamne einer Hofintrige zum Opfer.Iosephus, bellum Iudaicum 1,438–439; 443; antiquitates Iudaicae 15,223–236. Der von Herodes selbst erlassene Todesbefehl führte bei ihren Söhnen zu einer tiefgreifenden Entfremdung vom Vater. Vor dem Hintergrund der daraus erwachsenden innerdynastischen Spannungen berief Herodes Antipatros um 14 v. Chr. an den Hof zurück, in der Erwartung, diese Demütigung werde die Söhne der Mariamme zügeln, was jedoch nicht eintrat.Iosephus, bellum Iudaicum 1,447–448; antiquitates Iudaicae 16,78–79.
Auf das Betreiben ihres Sohnes erhielt bald darauf auch Doris die Erlaubnis zur Rückkehr.Iosephus, bellum Iudaicum 1,451; antiquitates Iudaicae 16,85. Sie unterstützte fortan aktiv die Machenschaften und Intrigen ihres Sohnes und gewann als Mutter des nun favorisierten Thronfolgers zeitweise beträchtlichen Einfluss und hohes Ansehen am Hof.Iosephus, bellum Iudaicum 1,473; 568; 584–585; 587. Nach dem Tod Pheroras’ um 7 v. Chr. geriet Doris jedoch abermals in Herodes’ Missgunst, da man sie verdächtigte, den König vergiften zu wollen. Herodes entzog ihr daraufhin ihre kostbaren Juwelen und verwies sie zum zweiten Mal des Hofes, ließ sie aber weder foltern noch fügte er ihr anderes Leid zu.Iosephus, bellum Iudaicum 1,590; antiquitates Iudaicae 17,68; vgl. Bezalel Bar-Kochva: Doris, 2003, S. 16. Auch ihr Bruder Theudion, der um 8/7 v. Chr. nach der Hinrichtung ihres Ehemanns Aristobulus dessen Witwe Berenike geheiratet hatte, wurde derselben Verschwörung angeklagt und entweder um 7/6 v. Chr. zusammen mit Doris verbannt oder von Herodes getötet, möglicherweise um 4 (oder 5) v. Chr., als Antipatros hingerichtet wurde.Iosephus, bellum Iudaicum 1,592; antiquitates Iudaicae 17,70; 73. Vgl. Nikos Kokkinos: Herodian Dynasty, 1998, S. 210. Denkbar ist auch, dass er zu den Abtrünnigen der herodianischen Familie zählte, die später in Idumaea Unruhe stifteten und von Augustus hingerichtet wurden.Nikos Kokkinos: Herodian Dynasty, 1998, S. 210. Nach der Aufdeckung von Antipatros’ Verschwörungen gegen den Vater suchte Doris ihren Sohn noch vor dessen Rückkehr nach Judäa zu warnen und unterstützte ihn nach seiner Ankunft dort bei seiner Verteidigung.Iosephus, bellum Iudaicum 1,619–620; antiquitates Iudaicae 17,92–93. Vgl. Hugo Willrich: Doris 5, 1905, Sp. 1566. Über ihr weiteres Schicksal nach der Hinrichtung des Antipatros schweigen die antiken Quellen.Etka Liebowitz: Doris and Mariamme, 2024, S. 247. Für die Diskussion, warum Doris trotz der schweren Anschuldigungen nicht den Tod fand vgl. ebd., S. 256f.
Literatur Hugo Willrich: Doris 5. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Bd. V,2, Stuttgart 1905, Sp. 1566. Nikos Kokkinos: The Herodian Dynasty. Origins, Role in Society and Eclipse, Sheffield 1998. Bezalel Bar-Kochva: Doris, Herod’s First Wife [Hebr.]. In: Cathedra 110 (2003), S. 5–18. Etka Liebowitz: Doris and Mariamme. The Remarkable Lives of Two of Herod’s Many Wives. In: A Vision of the Days Studies in Early Jewish History and Historiography in Honor of Daniel R. Schwartz, hrsg. v. Robert Brody [u. a.], Leiden/Boston 2024, S. 238–61.
Anmerkungen
Kategorie:Geboren im 1. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Gestorben im 1. Jahrhundert Kategorie:Frau