Rigmor Andersen (* 11. Dezember 1903 in Aarhus; † 10. März 1995 in Søllerød) war eine dänische Architektin, Möbeldesignerin und Hochschullehrerin, welche die Traditionen der dänischen Funktionsästhetik prägte und über drei Jahrzehnte an der Königlich Dänischen Kunstakademie lehrte.

Leben Andersen wurde als Tochter des Journalisten Hans Emil Andersen und von Nancy Klingstrøm in Aarhus geboren und verstarb 1995 in Søllerød. Nach dem Abitur 1922 am Rysensteen Gymnasium und einem Jahr technischer Zeichenkurse wurde sie 1923 an der Architekturschule der Königlich Dänischen Kunstakademie aufgenommen. Dort schloss sie sich Kaare Klints neu gegründeter Schule für Möbel- und Raumkunst an und übernahm dessen analytisch-funktionale Arbeitsweise. 1927 bis 1929 arbeitete sie mit Poul Henningsen an der Gestaltung der PH-Lampen. Von 1929 bis 1939 war sie eine der engsten Mitarbeiterinnen in Klints Zeichenbüro. Am 21. April 1932 heiratete sie in Kopenhagen den Architekten Louis Henry Kryger; 1934 wurde der Sohn Niels geboren. Sie erhielt Stipendien wie das Hirschsprungs Legat (1934) und das Stipendium Knud V. Engelhardt (1940) und unternahm Studienreisen nach Deutschland, Italien, Frankreich, den Niederlanden, Spanien und Schweden. Zudem war sie auf Ausstellungen vertreten, etwa bei der Snedkerlavets Møbeludstilling 1931 und bei Dansk Kunsthaandværk i Stockholm 1942.

Wirken Andersens erste eigenständige Aufgabe war 1931 die vollständige Einrichtung des Studentinnenwohnheims Kvinderegensen in Kopenhagen, für dessen Festsäle, Bibliothek und 56 Zimmer sie Serien- und Sondermöbel entwarf. Die Gemeinschaftsräume wurden mit Mahagoni und Leder ausgestattet, die Zimmer mit Bett, Schreibtisch, Regal, zwei Stühlen (einer mit Armlehnen) und einem Schemel; Bezüge lieferte die Webstube von Gerda Henning, von denen einige Jahrzehnte später noch in Gebrauch waren. Ein Stuhl aus diesem Programm von 1931 ist im Designmuseum Danmark dokumentiert. Im Jahr 1936 entwarf Andersen einen fein detaillierten Schrank für Silber, der 1942 im Nationalmuseum Stockholm gezeigt und 1948 in einer Ausführung für das Kunstindustrimuseet (heute Designmuseum Danmark) geschaffen wurde. Das Stück wurde in brasilianischem Palisander mit Ebenholzgriffen und Messingbeschlägen bei Rud. Rasmussen gefertigt und zeigt Klints konstruktive Klarheit in eigenständiger Ausprägung. 1948 beteiligte sie sich zusammen mit der Bildhauerin Inge Finsen an Gedenkwettbewerben und realisierte eine Gedenkwand in der Domus Medica in Kopenhagen. Von 1944 bis 1973 lehrte Andersen an der Möbel- und Raumkunstschule der Akademie und bewahrte und vermittelte die Methoden der Klint-Schule. Ab 1962 arbeitete sie eng mit der Architektin Annelise Bjørner zusammen; 1967 entwarfen beide das Margrethebesteck samt Aufbewahrungsschrank als Hochzeitsgeschenk der Nationalbank an Kronprinzessin Margrethe und Prinz Henrik. Für ihre Arbeiten erhielt Andersen die Eckersbergs Medaille (1968) und den Møbelprisen (1977). 1979 veröffentlichte sie das Buch Kaare Klint møbler, das ihre Lehrerfigur und deren Möbel typologisch dokumentiert.

Einzelnachweise

Kategorie:Architekt (Dänemark) Kategorie:Künstler (Dänemark) Kategorie:Träger der Eckersberg-Medaille Kategorie:Hochschullehrer (Königlich Dänische Kunstakademie) Kategorie:Däne Kategorie:Geboren 1903 Kategorie:Gestorben 1995 Kategorie:Frau