mini|Martin Lodinger Martin Lodinger (* zwischen 1485 und 1507 im Gasteinertal; † um 1555 in Deutschland) war im Gasteiner MontansektorRoland Scheichl: Der Luther von Gastein, Salzburg, Dissertation, Februar 2020, S. 100. einer der ersten Lutheraner im Erzstift Salzburg. Er wanderte 1533 nach Nürnberg ausRoland Scheichl: Der Luther von Gastein, Salzburg, Dissertation, Februar 2020, S. 138. und wurde durch seinen Briefwechsel mit Martin Luther und seine TrostschriftenÖsterreichische Nationalbibliothek (Hrsg.): Webarchiv Österreich. URL: onb.digital (besucht am 21. Februar 2026) im deutschsprachigen Raum ein bekannter Verfechter des evangelischen Glaubens.Roland Scheichl: Der Luther von Gastein, Salzburg, Dissertation, Februar 2020, S. 127.

Überblick über sein Leben Es ist schwer zu datieren, wann Lodinger geboren wurde, wie seine Kindheit verlaufen ist, Details zu seiner Berufsausübung, Heirat, Hinwendung zum lutherischen Glauben, seinem Aufenthalt in Gastein, seine Eingliederung in ein evangelisches Netzwerk zu finden. Zusätzlich ist auch die Vorkorrespondenz mit Martin Luther verlorengegangen.

In rund 150 Werken über die den vermutlichen Berufsstand Lodingers erwähnen rund 60 %, er wäre in irgendeiner Form „im Gasteiner Bergbau“ tätig gewesen. An zweiter Stelle rangiert „ein Mann des politischen Standes“. An dritter Stelle wird ein „religiöser Bereich“, gefolgt vom „Agrarbereich“, angenommen.Roland Scheichl: Der Luther von Gastein, Salzburg, Dissertation, Februar 2020, S. 84. Am wahrscheinlichsten scheint nach derzeitigem Kenntnisstand eine Betätigung Lodingers im „mittleren Feld“ des Montansektors zu sein, also ein Lehnhauer oder kleinerer Grubenbesitzers.Roland Scheichl: Der Luther von Gastein, Salzburg, Dissertation, Februar 2020, S. 100.

Lodingers bewusste „Hinwendung“ zur lutherischen Lehre und innere Abkehr von der katholischen Kirche erfolgte einige Jahr vor dem Brieferhalt von Luther (1532) und hatte, wie jeder Konfessionswechsel zur damaligen Zeit im Erzbistum Salzburg, sozialgeschichtliche und auch alltagsbezogene Dimensionen. mini|Panorama über das Leben Martin Lodingers So meinte er rückblickend: „Die Sacrament nur von alter gewohnheit wegen, es wollte nur jederman durch die eigne werck selig werden, vnd gar nit durch Christum. Denn wer da wolte Selig werden, der meinet, der müst es thun durch Fasten, Beten, Allmusen geben, Wallfarten, Kertzen brennen, und desgleichn. Und wennn es hoch kam so war es kirche un Klöster bawen, Mes stiften, vnd in suma, Christus her gar nichts bey uns, vn mit vns zu thun, wir kunde vns alle selbs helffen. Aber wer viel gelt un gut het, dem kunden Mönche vnd Pfaffen in Himmel helffen, vnd ob er gleich ein Gottloser vnd ein feind Christi wer gewesen, vnd auch nie busse het gethan.“Roland Scheichl: Der Luther von Gastein, Salzburg, Dissertation, Februar 2020, S. 172–176.

Das universelle Verbot des Protestantismus hatte zur Folge, dass sich die protestantischen Akteure gezwungen sahen, „mit Selbstbewusstsein ein ‚religiöses Doppelleben‘ zu führen“. Den Briefverkehr mit Luther hat er nicht als Einzelperson, sondern „mit Wissen und Willen seiner Gemeinde“, also gewissermaßen als Anführer der lutherischen Bewegung in Gastein, begonnen.

Folgende Wirkungsdaten sind aber eindeutig mittels Datums festgehalten: Das früheste bekannte Auftreten des Gasteiner Lutheranhängers war im Jahr 1532, als er einen Brief von Luther erhalten hat und daraufhin auswanderte. Das vermutlich letzte Schriftstück wurde im Jahr 1557 gedruckt. Die Vermittlertätigkeit Lodingers, welche sich aus der 1. und 2. Trostschrift ableiten lassen, fanden zwischen diesen beiden belegten Jahre statt.Roland Scheichl: Der Luther von Gastein, Salzburg, Dissertation, Februar 2020, S. 62–63.

Evangelisch in Gastein Das reformatorische Glaubensgut kursierte schon fast ein Jahrzehnt im Gasteinertal, ehe Lodinger den Brief von Luther erhielt (1532). Das Gasteinertal war kein abgelegenes Alpental, sondern die darin enthaltenen Bergreviere waren Ausgangs- bzw. Endpunkte der vielfach genutzten Alpenübergänge. Im Jahr 1557, auf dem absoluten Höhepunkt des Bergbaubetriebes, wurde Gold und Silber im Handelswert von heute ca. 18 Mio. Euro produziert.Walter Mauerhofer, Reinhard Sessler: Um des christlichen Glaubens Willen, Saalfelden-Götzis, Vorgeschichte und Hintergründe der Emigration, 1989, S. 62. Dass viele der Bauern und Bergknappen zumindest mit dem lutherischen Gedankengut sympathisierten, kann indirekt aus deren Teilnahme an den Bauernkriegen 1525 geschlossen werden, wenn gleich die religiöse Triebfeder der Revolten stark in Zweifel gezogen werden muss. Inwieweit sich die Aufständischen, die sich untereinander als „Christliche Brüder“ anredeten, tatsächlich als Lutheraner verstanden, ist allein schon durch die Überlagerung von religiösen, politischen, sozialen und ökonomischen Motiven so gut wie unmöglich. In der Frühphase der Reformation ist es äußerst schwierig, eindeutige konfessionelle Zuordnungen für das Gasteiner Revier vorzunehmen. mini|Gasteinertal 2013 In den Trostschreiben berichtet Lodinger von einzelnen Personen, welche sich ab 1532 mit ihm auf die Reise begeben hätten, während andere Anhänger Martin Luthers erst noch abwarten wollten, ob sie im Ausland tatsächlichen Möglichkeiten zur Unterkunft für sich fänden.Roland Scheichl: Der Luther von Gastein, Salzburg, Dissertation, Februar 2020, S. 177.

Aufgrund der zahlreichen Aufforderungen in den Trostschriften, Christus trotz obrigkeitlichen Drucks „freydiglich [zu] bekennen“ und die eigenen Überzeugungen nicht nur „heimlich im hertzen [zu] halten“, wird ersichtlich, dass der Gasteiner Emigrant selbst kein verborgenes Leben in seiner ehemaligen Heimat gelebt hat. Mit indirekter Bezugnahme zu „So man von hertzen glaubet, so wird man gerecht; Vnd so man mit dem Munde bekent, so wird man selig“, ergab sich für Lodinger die Konsequenz gem. „Darum lieben Brüder in Christo […] bekennet Christum vnerschrocken, vor den Menschen, auff das er euch auch bekenne vor seinem Vater, Verleugnet nicht Christum ewren lieben HERREN vnnd Heyland vor den Menschen, auf das er euch nicht verleugne vor seinen himlischen Vater.“Roland Scheichl: Der Luther von Gastein, Salzburg, Dissertation, Februar 2020, S. 178.

Er war somit ein öffentlicher Zeuge und Verfechter der Wahrheit, welcher das Gottes Wort recht lehrte und die Reformation zu fördern suchte. Es liegen keine direkten Quellenhinweise vor, dass der begeisterte Evangelische, welcher den Salzburgern um 1555/56 durch seine Trostschriften predigte, diese Tätigkeit bereits zuvor in seiner Heimat ausgeübt hat und mit anderen Gasteinern zusammen die Heilige Schrift gelesen haben könnte. So schrieb er später an seine Landsleute: „Die erste wehr ist das jhr mit gottes wort alzeit woll gerustet seit, dasselb fleissig höret, leset vnd lernet.“Roland Scheichl: Der Luther von Gastein, Salzburg, Dissertation, Februar 2020, S. 181.

Lodinger hat aufgrund seines Briefwechsels mit Luther eine gewisse Sonderstellung und Vertrauensposition unter den Evangelischen im Tal eingenommen haben, welche er auch nach seiner Auswanderung bei den zurückgebliebenen Evangelischen behalten hat. Deshalb wird der Laientheologe nahezu selbstverständlich als einer der Führer der protestantischen Bewegung in Gastein bzw. als ein Träger der reformatorischen Bewegung in dortiger Gegend gesehen.Roland Scheichl: Der Luther von Gastein, Salzburg, Dissertation, Februar 2020, S. 183.

Was Evangelische wie Lodinger damals glaubten Lodinger wird als Vertreter eines „normalen“ Luthertums gesehen, also mit Abendmahlsthematik und Kritik an der katholischen Lehre. Im Bild „Gesetz und Gnade“ von Lucas Cranach dem Älteren wird eindrucksvoll belegt, wie Martin Luthers vier Prinzipien als Frohe Botschaft für den Sünder damals verstanden wurden: Solus Christus: „Nur Christus“ kann die Menschen durch seine Hingabe am Kreuz erlösen. Sola gratia: „Allein durch die Gnade Gottes“, ohne jedes eigene Zutun sei der Mensch vor Gott gerechtfertigt. Sola fide: „Allein der Glaube“ an die geschenkte Anteilnahme Christi ermögliche das Heil. Sola scriptura: „Allein die (Heilige) Schrift“ sei die Quelle des christlichen Glaubens und der kritische Maßstab.

mini|Cranach „Gesetz und Gnade“, erstellt 1529. Sinnbild des evang. Glaubens „Gesetz und Gnade“ (auch: „Gesetz und Evangelium“) ist ein um 1529 entstandenes reformatorisches Bildprogramm von Lucas Cranach dem Älteren. Das Thema wurde in mehreren Fassungen in der Werkstatt Cranachs ausgeführt. Die Darstellung gilt als eine der prägnantesten Bildformulierungen der lutherischen Rechtfertigungslehre und veranschaulicht die theologische Unterscheidung von Gesetz und Evangelium, wie sie von Martin Luther entwickelt und von Lodinger angenommen wurde.

Bildaufbau und Ikonographie Die Komposition ist in zwei Hälften gegliedert, die durch einen Baum voneinander getrennt sind. Der Baum ist links verdorrt und rechts belaubt und fungiert als visuelles Struktur- und Deutungselement. Im Zentrum steht eine nackte männliche Figur, die den Menschen allgemein repräsentiert. Ihre Nacktheit verweist auf die conditio humana und die existenzielle Situation des Menschen vor Gott.

Die linke Bildhälfte: Gesetz und Verdammnis Die linke Seite thematisiert die Wirkung des göttlichen Gesetzes. Ein verdorrter Baum symbolisiert das Leben unter dem Gesetz ohne heilsgeschichtliche Erneuerung. Zu den dargestellten Szenen gehören: Der Sündenfall mit Adam und Eva als Ursprung der Sünde. Mose mit den Gesetzestafeln, begleitet von alttestamentlichen Propheten. Die Gesetzgebung verweist auf die Offenbarung des göttlichen Willens. Personifikationen von Tod und Teufel treiben den Menschen dem Gericht entgegen und verdeutlichen die Konsequenz der Sünde. Die Szene der ehernen Schlange , bei der eine erhöhte Schlange Rettung vor dem Schlangengift bringt.

In reformatorischer Deutung zeigt das Gesetz die Sünde auf und macht die Verurteilungswürdigkeit des Menschen sichtbar, ohne selbst Erlösung zu bewirken.

Die rechte Bildhälfte: Evangelium und Gnade Die rechte Seite steht im Zeichen des Evangeliums und der göttlichen Gnade. Der zuvor verdorrte Baum ist hier grün und belaubt, was als Symbol erneuerten Lebens verstanden wird. Zentrale Motive sind: Johannes der Täufer, der auf den gekreuzigten Christus verweist. Der gekreuzigte Jesus Christus als Heilsbringer. Ein Blutstrahl aus seiner Seitenwunde, welche ihm ein römischer Hauptmann zufügte, trifft die zentrale Menschenfigur; häufig ist darin eine Taube als Symbol des Heiligen Geistes dargestellt. Das Lamm Gottes, das auf Tod und Teufel steht und so den Sieg Christi über die Mächte des Bösen symbolisiert. Der auferstandenen Christus mit der Siegesfahne sowie das leere Grab als Hinweis auf die Auferstehung. Im Hintergrund die Verkündigung an die Hirten bei Bethlehem als Verweis auf die Inkarnation.

Theologischer Kontext Das Bildprogramm entstand im Umfeld der Wittenberger Reformation und galt auch für Lodinger als bildliche Darstellung seines Glaubens. Die Gegenüberstellung von Gesetz (lex) und Evangelium (gratia) entspricht einem zentralen hermeneutischen Prinzip der lutherischen Theologie. Während das Gesetz nach reformatorischem Verständnis die Sünde erkenntlich macht und den Menschen unter Anklage stellt, verkündet das Evangelium die Rechtfertigung allein aus Gnade und allein durch Glauben (sola gratia, sola fide).

Die Darstellung der ehernen Schlange wird typologisch auf die Kreuzigung Christi bezogen (vgl. ). Damit verbindet das Bild Altes und Neues Testament in einem heilsgeschichtlichen Kontinuum.

Bedeutung