Wrzosowo (deutsch Fritzow) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Der Ort gehört zur Gmina Kamień Pomorski (Gemeinde Cammin in Pommern) im Powiat Kamieński und hat 624 Einwohner.

Geographische Lage Das Kirchdorf liegt in Hinterpommern, an der Dievenow (Dziwna) und dem Fritzower See (Jezorio Wrzosowo), der mit dem Camminer Bodden (Zalew Kamieński) zusammenhängt, etwa sechs Kilometer nordnordöstlich der Stadt Kamień Pomorski.

Drei Kilometer nördlich des Dorfkerns befindet sich der von zwanzig Meter hohen Dünen und einem Kiefernwald umsäumte Ostseestrand. Bei dem Forstgebiet, 2,5 Kilometer nordnordöstlich des Dorfkerns, am ehemaligen Wohnplatz Kalkberg, wo früher die seit langem abgetragenen Hügel Kalkberg und Kaiserstein standen, gibt es ein Kalksteinlager mit Versteinerungen. Der Geograph Karl Friedrich von Klöden nannte es das „älteste Kulturdenkmal Pommerns“.Karl Friedrich von Klöden: Das älteste Kulturdenkmal Pommerns, in: Baltische Studien, Dritter Jahrgang, Heft 1, Stettin 1835, S. 1–27 (Google Books).Karl Friedrich von Klöden: Das oolithische Kalklager in der Nähe von Fritzow bei Cammin in Pommern (Vervollständigung der im Archiv Bd. VII, S. 113 gegebenen Nachricht), in: Archiv für Mineralogie, Geognosie, Bergbau und Hüttenkunde, Band 10, Berlin 1837, S. 627–640 (Google Books).R. Scholz: Die Försterei Kalkberg bei Fritzow in Pommern, ein Beitrag zur Kenntnis der oberen Jurabildungen Pommerns, in: Programm des Königl. Katholischen Gymnasiums zu Gross-Glogau für das Schuljahr 1886/87, Progr. No. 173, gedruckt von Carl Flemming, Gross-Glogau 1887, S. 1–26 (Google Books).

Geschichte mini|Häuser im Dorf (2025) mini|Rapsfeld bei dem Dorf Ende Mai 2013 In den vergangenen Jahrhunderten waren auf der Gemarkung des Dorfs Fritzow unter anderem Beile aus der Steinzeit sowie SteinkreisgräberH. von Puttkamer: Steinkreisgräber auf der Gemarkung Fritzow (Kr. Cammin), in: Heimatkalender des Kreises Cammin 1931, S. 59–62, mit vier Abbildungen., Fragmente von Armbergen, Urnen und Beigefäßen aus der Bronzezeit gefunden worden. An dem Landweg, der die Grenze zwischen den Gemarkungen der Dörfer Fritzow und Grabow bildete, befanden sich noch im 18. Jahrhundert zwei Hünengräber, von denen eines mit sehr großen länglich gehauenen Feldsteinen bedeckt war.Johann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände, Ersten Theils, vierter Band, welcher die Fortsetzung und den Beschluß vom Obersächsischen Kreise enthält, Schwickert, Leipzig 1793, S. 435 (Gooogle Books).

Die pommerschen Herzöge sollen die zusammengehörigen Rittergüter Fritzow und Raddack schon im 12. Jahrhundert dem Domstift Cammin geschenkt haben.Einige Notizen über das Geschlecht derer v. Vemern, in: Monatsblätter der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde, Achtzehnter Jahrgang, Stettin 1904, S. 49–56 (Google Books). Im Jahr 1321 wurden Vritsowe und Radauke unter den Besitzungen des Domstifts Cammin aufgelistet.Fritz Curschmann: Die Landeseinteilung Pommerns im Mittelalter und die Verwaltungseinteilung der Neuzeit, in: Pommersche Jahrbücher, Band 12, Greifswald 1911, S. 158–337, insbesondere S. 253 (Google Books). Im 15. Jahrhundert hieß das Dorf (villa) Vritzow oder Fritczouwe.Robert Klempin: Diplomatische Beiträge zur Geschichte Pommerns aus der Zeit Bogislafs X., Bath, Berlin 1859, S. 210 (Boogle Books). Zu einem unbekannten Zeitpunkt (möglicherweise schon vor 1321) waren die Güter (zwei in Fritzow, eines in Raddack) vom Domstift Cammin an die Familie Vemern als Lehen gegeben worden, die sie dreihundert Jahre lang in Besitz hatte, bevor sie 1593 mit Lucas v. Vemern als Letztem des Mannesstammes erlosch.George Adalbert von Mülverstedt: Ausgestorbener Preussischer Adel: Provinz Pommern, Bauer und Raspe, Nürnberg 1894, S. 104 (Google Books). Im Jahr 1540 hatte Herzog Barnim IX. von Pommern-Stettin einen Streit zwischen dem Domstift Cammin einerseits sowie den Vettern Lorentz und Lucas v. Vemern auf Fritzow andererseits geschlichtet.Diplomataria et Scriptores Historiae Germanicae Medii Aevi (Christian Schöttgen und Georg Christoph Kreysig, Hrsg.), Altenburg, Band III, Dresden und Leipzig 1760, S. 280–281 (Google Books). 1554 bestanden in Fritzow zwei Herrenhöfe der Familien Vemern und Puttkamer.

Im 16. Jahrhundert wurden die beiden Ortsnamen Fritzkow und Radacke geschrieben, und die Vasallen-Tabelle von 1565 des Stifts Cammin nennt als Gutsbesitzer Jacob Putkamer, der gewählter Dekan der Kirchen zu Cammin und Landvogt zu Greifenberg war.Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern – Schilderung der Zustände dieser Lande in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Teil II: Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. Band 6: Kreise Kamin und Greifenberg, Anklam 1870, S. 375–377 (Google Books). Im Jahr 1665 war auch die Familie Witten in Fritzow begütert.George Adalbert von Mülverstedt: Ausgestorbener Preussischer Adel: Provinz Pommern, Bauer und Raspe, Nürnberg 1894, S. 104 (Google Books). Als die Güter 1790 an den Lieutenant Friedrich Adolf Theodor von Putkamer, Kantor und Prälat des Domkapitels Cammin, gekommen waren, verkaufte dieser die Güter geschlossen wiederkäuflich für 31.000 Taler auf 25 Jahre bis 1815 dem Lieutenant Heinrich Gottlob Wenzislaw v. d. Gablentz, der in der Vasallen-Tabelle von 1804 als Besitzer beider Güter genannt wird,Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 465 (Google Books). ließ das Jahr 1815 jedoch verstreichen, ohne die Güter einzulösen. 1828 waren Johann Plahts Erben Besitzer von Fritzow, denen 1841 Christoph Voß folgte. In den Verzeichnissen der Pommerschen Ritterschaft vom 1. Januar 1862 wird Robert Ernst Voß als Besitzer des Guts Fritzow genannt.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 576 (Google Books). Erst im Jahr 1862 gelangte das Gut Fritzow durch den Gerichtsassessor Heinrich von Putkamer an die lehntragende Familie zurück. Es war nach wie vor ein Lehngut und auch 1866 noch nicht allodifiziert.Georg Ernst Maximilian von Köller: Statistische Darstellung des Camminer Kreises – Geschrieben im Winter 1865/66, Behrendt, Cammin in Pommern 1867, S. 57 (Google Books). Seit 1868 besaß der Appellationsgerichtsrat Henning von Puttkamer das Rittergut Fritzow mit Kalkbrennerei und Ziegelei, der es auch noch 1892 in Besitz hatte, als er bereits pensioniert war und in Deutsch Karstnitz wohnte.Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 10–11 (Google Books).P. Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reich, Teil I: Das Königreich Preußen, Band 2: Provinz Pommern, 2. Auflage, Nicolai, Berlin 1884, S. 106–107 (Google Books).

Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 267,8 Hektar großen Gemarkungsfläche des Dorfs Fritzow 43 viehhaltende Haushaltungen gezählt und auf dem 928,3 Hektar umfassenden Gutsbezirk Fritzow 48 viehhaltende Haushaltungen.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat, Heft 4: Provinz Pommern, Berlin 1915, 1. Regierungsbezirk Stettin, 12. Kreis Cammin, S. 50–51, Ziffer 27 (Google Books), und S. 54–55, Ziffer 122 (Google Books).

Am 1. April 1927 hatte das Gut Fritzow eine Flächengröße von 921 Hektar und 33 Ar, und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 256 Einwohner.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 393 (Google Books). Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Fritzow in die Landgemeinde Fritzow eingegliedert.Amtsbezirk Fritzow (Territorial.de)

Die Gemarkung der Landgemeinde Fritzow hatte um 1930 eine Fläche von 11,9 km². Im Gemeindegebiet standen insgesamt 79 bewohnte Wohnhäuser an zwei verschiedenen Wohnstätten: Fritzow Kalkberg Um 1935 hatte Fritzow u. a. ein Hotel, zwei Gasthäuser, zwei Gemischtwarenläden, eine Mühle, eine Schmiede, eine Stellmacherei und zwei Tischlereien.Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1016 (Google Books).

Im Jahr 1945 gehörte das Dorf Fritzow zum Kreis Cammin i. Pom. im Regierungsbezirk Stettin in der Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Fritzow war Sitz des Amtsbezirks Fritzow.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region Anfang März 1945 von der Roten Armee besetzt. Bald nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde Fritzow zusammen mit ganz Hinterpommern von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung von der polnischen Administration aus Fritzow und dem Kreisgebiet vertrieben. Der Ort wurde in Wrzosowo umbenannt.

Demographie