mini|Vorgänger: Hillman Avenger (1970 bis 1976) Der Chrysler Avenger ist ein in der unteren Mittelklasse positioniertes Fahrzeug des britischen Automobilherstellers Chrysler UK, das von 1976 bis 1978 als Limousine und als Kombi gebaut wurde. Er ist der Nachfolger des Hillman Avenger, mit dem er technisch weitgehend übereinstimmt. Unterschiede zeigen sich vor allem bei Designdetails an Front- und Heckpartie. Ab 1979 wurde die Produktion des Autos fast unverändert als Talbot Avenger fortgeführt.

Modellgeschichte Der Chrysler Avenger geht auf den Hillman Avenger zurück, der 1970 in Europa auf den Markt gekommen war. Der Hillman Avenger war das letzte neue Modell, dessen Entwicklung die britische Rootes-Gruppe, der seinerzeit drittgrößte Automobilhersteller des Vereinigten Königreichs, eigenverantwortlich einleitete. Als der Avenger serienreif war, gehörte Rootes allerdings schon zu Chrysler und firmierte als Chrysler UK. Der Avenger war das letzte neue Modell, das unter der Marke Hillman auf den Markt kam; alle danach neu eingeführten Modelle erhielten die Markenbezeichnung Chrysler.

Ab 1970 verfolgte Chrysler das Ziel, die britische Rootes-Linie und die Palette der ebenfalls zum Konzern gehörenden französischen Tochter Simca, die bis dahin stark voneinander abwichen, zu vereinheitlichen. Das betraf auch die Mittelklasse, in der Chrysler 1975 den in Frankreich konstruierten Chrysler C6 (in Kontinentaleuropa: Simca 1307, 1308 und 1309, in Großbritannien: Chrysler Alpine) herausbrachte. Der moderne, frontgetriebene C6 machte den veralteten Hillman Avenger, der in der gleichen Nische positioniert war, im Grunde überflüssig, und allgemein wurde die Einstellung seiner Produktion erwartet.

Die wirtschaftliche Krise, in der sich Chrysler in den 1970er-Jahren befand,Allein mit seiner britischen Tochter hatte Chrysler von 1967 bis 1975 einen kumulierten Verlust in Höhe von 80 Mio £ erwirtschaftet, und für 1976 war ein Verlust von weiteren 40 Mio £ prognostiziert. Vgl. führte dazu, dass der Konzern 1975 finanzielle Hilfen von der britischen Regierung in Anspruch nehmen musste. Im Gegenzug musste Chrysler sich verpflichten, alle Arbeitsplätze in dem von der Schließung bedrohten Werk Chrysler Linwood in Schottland zu erhalten.1976 lief die Produktion des Hillman Imp aus, der bis dahin exklusiv in Linwood gebaut worden war. Um die dortigen Kapazitäten auszulasten, entschied sich der Konzern für eine Fortsetzung der Avenger-Produktion neben dem bereits etablierten C6 (Alpine). Dazu verlegte Chrysler die Produktion des Avenger von Ryton-on-Dunsmore 1976 komplett ins schottische Linwood. Im Zuge dieser Verlagerung erhielt der Avenger ein Facelift und eine neue Modellbezeichnung: Das überarbeitete Auto stand ab 1976 als Chrysler Avenger im Programm. Eng mit dem Avenger verwandt ist die zweitürige Kombilimousine Chrysler Sunbeam, die viele Avenger-Komponenten übernahm und ab 1978 das europäische Chrysler-Programm ergänzte.

1978 verkaufte Chrysler, nachdem sich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten auch in den USA verschärft hatten,Charles K. Hyde: Riding the Roller Coaster. A History of the Chrysler Corporation, Wayne State University Press, 2003, ISBN 978-0-8143-3781-3, S. 255. mit Ausnahme der mexikanischen Dependance alle Niederlassungen außerhalb der USA. Die europäischen Töchter in Frankreich, Spanien und Großbritannien übernahm der von Peugeot geführte französische PSA-Konzern. PSA setzte die Produktion der Chrysler-Modelle zunächst fort, verkaufte die Autos aber ab 1979 unter der neu geschaffenen Marke Talbot. Das betraf auch den Avenger, der daraufhin bis zu seiner endgültigen Einstellung 1981 als Talbot Avenger im Programm stand.

Modellbeschreibung

Karosserie Der Chrysler Avenger war wie sein Vorgänger als zwei- und viertürige Limousine mit einem Semifließheck und als Kombi mit großer Heckklappe erhältlich.

Das Karosseriedesign des Chrysler Avenger stimmt weitestgehend mit dem des Hillman überein. Allerdings erhielt das Auto anlässlich des Markenwechsels von Hillman zu Chrysler ein kleines Facelift an Front- und Heckpartie. Vorn wurden Breitbandscheinwerfer mit breiten, in die Kotflügel hineinreichenden Blinkern eingebaut. Mit der neuen Frontpartie verfolgte Chrysler das Ziel, den Avenger optisch in die Nähe des neuen Alpine zu rücken. Hinten verlor der Avenger seine markanten Hockeystick-Rückleuchten, die durch breite waagerechte Leuchten ersetzt wurden. Die hinteren Wagenflanken wurden dafür nicht neu geformt. Die Lücke, die durch den Entfall der Hockeysticks entstanden war, wurde durch eine neu gestaltete – einigen Quellen zufolge schlecht passende – Blende gefüllt, die in Wagenfarbe lackiert war. Aus Sicherheitsgründen erhielt der Tankeinfüllstutzen eine neue Position: Er wurde vom hinteren Abschlussblech in die rechte Kotflügelseite verlegt. Schließlich gab es einen neu gestalten Instrumententräger im Innenraum.

Fahrwerk Das Fahrwerk des Chrysler Avenger stimmt mit dem des Hillman Avenger überein; das Werk änderte nichts an der Ausgangskonstruktion. Die Vorderräder sind einzeln mit MacPherson-Federbeinen aufgehängt, hinten hat der Avenger eine Starrachse an vier Lenkern (zwei längs, zwei diagonal) mit Schraubenfedern.Graham Robson: Cars of the Rootes Group, Motor Racing Publications, Croydon 2007, ISBN 978-1-903088-29-6, S. 155. Vorn und hinten gibt es Teleskopstoßdämpfer.

Motorisierung und Kraftübertragung Der Antrieb des Chrysler Avenger entspricht dem des Hillman Avenger. Hier wie da kommt ein vorn längs eingebauter Reihenvierzylindermotor zum Einsatz, der die Kraft auf die Hinterräder überträgt.

Der Chrysler Avenger übernahm einige Motorisierungsvarianten des Hillman Avenger. Zur Wahl standen wie bisher vorn längs eingebaute Reihenvierzylindermotoren mit einem Hubraum von 1295 cm³ (Bohrung x Hub: 78,6 × 66,7 mm) und 1598 cm³ (87,3 × 66,7 mm). Allerdings waren die Leistungsstufen gestrafft worden: Der kleinere Motor kam auf 59 PS (57 bhp, 42 kW); eine 70-PS-Version dieses Motors gab es anders als beim Hillman nicht mehr. Der größere Motor war wahlweise mit 70 PS (69 bhp, 51 kW) oder 80 PS (80 bhp, 59 kW) erhältlich; die stärkere Variante gab es aber nur in der viertürigen Limousine mit GLS-Ausstattung.Angaben nach Verkaufsbroschüre für Österreich (1978) (abgerufen am 25. Januar 2026).

Modelle und Motorisierungen HubraumBohrung × HubMotorleistungHöchst­geschwindig­keit Verfügbarkeit Avenger LS Avenger GL Avenger GLS 1295 cm³ 78,6 × 66,7 mm 59 PS (43 kW) 133 km/h Saloon 2D Saloon 4D Estate Saloon 2D Saloon 4D Estate – 1598 cm³ 87,3  × 66,7 mm 69 PS (51 kW) 151 km/h Saloon 4D Estate Saloon 4D Estate – 80 PS (59 kW) 160 km/h – – Saloon 4D

Preise Der Chrysler Avenger war eines der preiswertesten Autos seiner Klasse auf dem britischen Markt. 1979, im letzten Jahr der Chrysler-Ära, kostete die Basisversion des Avenger 2816 £. Das entsprach annähernd beim Preis für einen Austin Allegro oder einen Vauxhall Viva. Der ähnlich veraltete Morris Marina war 400 £ und der Austin Maxi 600 £ teurer.Preise nach Auto Katalog Nr. 23 (1979/80), S. 73, 78 und 87.

Produktion Der Chrysler Avenger wurde vollständig im schottischen Werk Chrysler Linwood hergestellt. Bereits seit 1970 entstanden dort die Rohkarosserien aller Avenger. Während aber die Endmontage der Autos in der Hillman-Ära in Ryton-on-Dunsmore stattgefunden hatte, wurden die Chrysler Avenger ab 1976 auch in Linwood komplettiert. Von 1976 bis 1979 entstanden, alle Varianten zusammengenommen, 150.413 Chrysler Avenger.Eintrag zum Chrysler Avanger auf classicandsportscar.com (abgerufen am 22. Januar 2026).

Lizenzproduktion in Neuseeland

Todd Motors in Neuseeland komplettierte seit 1970 Chrysler Avengers aus Bausätzen für den lokalen Markt. Der Verkauf blieb auf Neuseeland beschränkt; ein Export nach Australien war zeitweise angedacht worden, fand aber nicht statt.

Die Technik der neuseeländischen Avengers stimmte jeweils mit den britischen Ausgangsmodellen überein. Anfänglich hießen die Autos Hillman, ab 1977 wurde die Bezeichnung Chrysler verwendet. Das Facelift, das die europäischen Avengers 1976 erhielten, setzte Todd für Neuseeland erst mit einiger Verzögerung um. Der Lagerbestand an Bausätzen mit dem ursprünglichen Hillman-Design reichte, um bis Ende 1977 Avengers mit altem Design zu bauen. Der neue, überarbeitete Avenger erschien in Neuseeland erst Anfang 1978. Der Absatz des Avenger blieb über die Jahre auf gleichbleibendem Niveau; einer Quelle zufolge wurde der Wagen wegen seiner Geräumigkeit und seines niedrigen Preises geschätzt.Avenger to disappear: The Press vom 6. November 1980. 1979 war der Avenger mit dem 1,3-Liter-Motor einer der preiswertesten Viertürer seiner Klasse. Ein Motorsporterfolg – der Schotte Andrew Cowan gewann 1976 in einem stark modifizierten Avenger mit 1,8-Liter-Motor die Heatway Rally, die zur Rallye-Weltmeisterschaft zählte – erhöhte die Popularität des Autos in Neuseeland und ließ die Nachfrage steigen.

Todd behielt die Modellbezeichnung Chrysler auch nach der Übernahme von Chrysler UK durch PSA bei.

Chrysler Sunbeam mini|Chrysler

Zu den Verpflichtungen, die Chrysler 1976 im Gegenzug für regierungsgestützte Hilfen eingehen musste, gehörte auch die Entwicklung eines neuen Automodells, das exklusiv in Linwood produziert werden sollte. Daraus wurde der Chrysler Sunbeam, der nur existierte, um Linwoods Fortbetrieb zu sichern. Der Sunbeam, dessen Modellbezeichnung eine frühere Rootes-Marke aufgriff, war ein in nur 18 Monaten entwickelter Kleinwagen mit zwei Türen, der wesentliche technische Elemente, aber auch eine Reihe von Anbauteilen vom Avenger übernahm. Der technischen Basis entsprechend, hat der Sunbeam Hinterradantrieb, eine für die Kompaktklasse der 1970er-Jahre ungewöhnliche Auslegung. Die PSA-Gruppe übernahm das Auto 1979 und hielt es bis 1981 unter der Bezeichnung Talbot Sunbeam im Programm. Bis zur Produktionseinstellung im März 1981 entstanden etwa 200.000 Sunbeams, darunter einige hoch entwickelte Wettbewerbsversionen und Straßensportwagen mit der Bezeichnung Talbot Sunbeam Lotus.

Literatur David Culshaw, Peter Horrobin: The Complete Catalogue of British Cars 1895–1975. Veloce Publishing PLC, Dorchester 1997, ISBN 1-874105-93-6 Geoff Carverhill: The Rootes Story Vol. 2 - The Chrysler Years, Crowood Press 2023, ISBN 978-0-7198-4179-8.

Graham Robson: The Cars of the Rootes Group, London 2007, ISBN 978-1-903088-29-6

Weblinks

Entwicklungsgeschichte des Avenger auf aronline.co.uk Britische Verkaufsbroschüre von 1978

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Chrysler-Automobil Kategorie:Limousine Kategorie:Kombi