mini|Porträt von Ital Reding Ital Reding, auch Ital Reding von Biberegg (* 1573 in Schwyz; † 30. August 1651 ebenda), war ein Schwyzer Politiker.
Leben Herkunft und Familie Ital Reding entstammte dem Landleutegeschlecht Reding. Sein Vater Rudolf Reding war einer der bedeutendsten Schwyzer der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und fungierte als Offizier, Staatsmann und Gesandter. Rudolfs Frau Elisabeth (* 1540) war die Tochter des Landammanns und Obersten Dietrich In der Halden.
Ital hatte neun Geschwister und war der dritte Sohn Rudolfs. Zur Familie gehörten auch seine Brüder Heinrich Reding (* 1562 in Schwyz; † 19. Dezember 1634 in Paris) und Rudolf Reding, der mit der Tochter des Politikers Jost Dietrich Schmid (1523–1582) verheiratet war; seine Schwester Elisabeth Reding (* 1570 in Schwyz; † 1641) war mit dem Politiker Johann Kaspar Ceberg († 2. November 1664 in Schwyz) und seine Schwester Maria Magdalena Reding war mit dem Politiker Johann Heinrich Zumbrunnen (1575–1648) verheiratet. Die Familie verfügte über beträchtliche finanzielle Mittel aus französischen Guthaben, Grundbesitz und verschiedenen Geschäften, was die Grundlage für Itals späteren sozialen und beruflichen Status bildete.
Die Äbtissin Abundantia Reding war seine Nichte.
Ital heiratete 1589 Magdalena Barbara († 28. Februar 1630 in Schwyz), die Tochter des Hauptmanns Balthasar Büeler und dessen Ehefrau Magdalena (geb. Reichmuth). Aus dieser Ehe stammten acht Töchter und drei Söhne. Nach Barbaras Tod verheiratete sich Ital mit Katharina († 14. Juni 1658 in Altdorf) aus Uri, Tochter des Hauptmanns und Kommissärs aus Bellinzona Josua Bessler.
Seine Söhne machten beachtliche Karrieren: Franz Reding (1599–1652) wurde Landschreiber der Landgrafschaft Thurgau, erwarb die Herrschaften Girsperg und Hochstrass und gründete die Thurgauer Linie der Familie. Jost Rudolf Reding (1609–1634) diente als Hauptmann in Frankreich und Savoyen, fiel aber 1634 bei Caen in der Normandie. Johann Rudolf Reding (1612–1687) erbte das Ital-Reding-Haus und wurde ebenfalls Landammann von Schwyz. Ein vierter Sohn, Anton Reding, diente als Hauptmann in der französischen Garde.
Die Töchter wurden, bis auf wenige Ausnahmen, mit Angehörigen führender Schwyzer Familien verheiratet.
Militärische Laufbahn in Frankreich Kurz nach seiner Hochzeit 1589 trat Ital in französische Dienste ein. Im Oktober 1601 kehrte er aus Frankreich zurück. 1614 kommandierte er zusammen mit Wolf Dietrich Reding (1593–1687) 300 Schwyzer in einem 6000 Mann starken katholischen Hilfsheer, das über Neuenburg und durch das Burgund nach Paris zog.
Nach genealogischen Überlieferungen war Ital von 1620 bis 1628 Gardehauptmann in Frankreich, obwohl eindeutige Belege für Dauer und Umfang dieses Einsatzes noch ausstehen. Sein militärischer Dienst stellte eher eine gesellschaftliche Pflicht seiner sozialen Stellung dar als eine persönliche Karriereambition. Seine eigentlichen Interessen lagen auf anderen Gebieten – insbesondere auf Politik, Bauwesen und Unternehmertätigkeit.
Politische Karriere in Schwyz Nach seiner Rückkehr aus Frankreich begann Ital sich systematisch in die Schwyzer Politik einzumischen. Als junger Mann wurde er zum Schützenmeister gewählt – ein Amt, das er mit zwanzig Jahren übernahm. Später wurde er Mitglied des Gesessenen Rates (historischer Begriff für ein städtisches Ratskollegium, das tatsächlich im Amt ist und die laufenden Regierungsgeschäfte führt).
1622 ernannte man Ital zum schwyzerischen Landvogt der Landgrafschaft Thurgau. Diese Position war bedeutend für die gemeinsame Herrschaft der fünf katholischen Orte über das ThurgauIm historischen Kontext des 17. Jahrhunderts wurde für die Region (das Thurgebiet) üblicherweise der sächliche Artikel verwendet, während heute im Hochdeutschen nur noch „der Thurgau“ korrekt ist.. Am 9. Juli 1622 erhielt Reding detaillierte Instruktionen zu Problemen mit der Stadt Diessenhofen – etwa der Strafverfolgung von Landfriedensbrüchigen und der Eintreibung ausstehender Geldstrafen.
Redings Amtszeit war geprägt von alltäglichen Verwaltungsaufgaben wie Marktregelungen. Am 9. September 1622 erliess er ein Mandat zur Verhütung des Fürkaufs (illegale Vorverkäufe ausserhalb offizieller Märkte), ein Dauerproblem der damaligen Obrigkeiten. Am 13. Juni 1624 urteilte er in einem Streit der Gemeinden Emmishofen, Egelshofen und Rickenbach um Armenrechte an einem Legat.
Nach seiner Amtszeit blieb Reding eng mit Thurgauer Angelegenheiten verbunden. Seine Kenntnisse führten dazu, dass ihn Schwyz später regelmässig als Gesandten in Thurgau-Fragen entsandte. 1628 gehörte er zu einem Ausschuss, der die thurgauische Kriegsordnung angesichts des Dreissigjährigen Krieges aktualisierte.
Das genaue Datum von Redings Ernennung zum Pannerherr von Schwyz wird unterschiedlich überliefert. Nach Leu's Lexikon und Genealogien war es 1637 oder 1639, doch bezeichnet das Schwyzer Ratsprotokoll ihn bereits am 29. August 1635 als Pannerherr.
Im Jahre 1638 wählte die Landsgemeinde Ital Reding für zwei Jahre zum Landammann von Schwyz. Diese Position verstärkte seine Rolle als Gesandter und Vermittler in eidgenössischen Angelegenheiten erheblich.
In seiner Funktion als Landammann und Tagsatzungsgesandter war Reding häufig an eidgenössischen Vermittlungen beteiligt. Ein Beispiel aus den Eidgenössischen Abschieden zeigt seinen Einsatz bei Streitigkeiten wegen illegaler Fuhrleitungen im Sarganserland. Er wurde neben Vertretern aus Zürich, Zug und Glarus zur Schlichtung ernannt. 1640 stand er an der Spitze eines Ausschusses, der religiöse Streitigkeiten schlichtete, die in Arth nach Beichthandlungen in Einsiedeln entstanden waren.
Bauwesen und Infrastruktur Ein Schwerpunkt von Reddings öffentlicher Tätigkeit lag auf dem Bauwesen und der Infrastrukturentwicklung. Diese Aktivitäten erstrecken sich über mehrere Jahrzehnte und deuten auf umfangreiche technische Kenntnisse hin, möglicherweise aus seiner Zeit in französischen Diensten.
Reddings bedeutendster Infrastruktureinsatz galt den Damm- und Kanalbauten am Tessin bei Bellinzona zur Abwehr von Hochwassergefahren. Ende November 1611 hatte der Kommissär Gilg Frischherz († 1631) die Notwendigkeit solcher Bauten berichtet. 1613 ersuchten die regierenden Orte Reding, einen Augenschein vorzunehmen.
Aus diesem Augenschein entwickelte sich ein langjähriges Engagement. Reding übernahm die Leitung des Projekts und brachte die Wehren 1614 auf eine Länge von 100 Klafter und 10 Werkschuhe Höhe. Sein detaillierter Bericht offenbart die enormen Schwierigkeiten: Er fand bei Ankunft nur etwa ein Zwanzigstel der benötigten Steine vor, zudem an ungünstigen Orten verteilt. Die Gemeinde Bellinzona lieferte schlechte Unterstützung und war säumig bei Steuerzahlungen. Die anfangs angestellten Meister erwiesen sich als unerfahren und bauten die Wehren zu schwach an, weshalb Reding sie ersetzen musste. Er musste Arbeiter notfalls zwangsweise mobilisieren. Trotz maximaler Anstrengung wurde das Werk 1614 durch Hochwasser teilweise zerstört und musste wiederholt repariert werden. Die Orte beschafften schliesslich zusätzliche Finanzmittel und gaben Reding umfassende Vollmachten, um Arbeiter zu zwingen und Disziplin durchzusetzen. 1614 und 1615 berichtete Reding erneut und wurde jeweils gebeten, die Arbeiten fortzusetzen. Schliesslich wurde ihm befohlen, die Menschen von Lumino zur Herstellung von Wehren oberhalb der Moesabrücke anzuhalten.
Das Ital Reding-Haus und weitere Baumassnahmen mini|Ital-Reding-Haus Ital gelangte bereits zu Lebzeiten seines Vaters Rudolf in den Besitz der In der Halden-Hofstatt mit dem alten Haus Bethlehem. 1607 wurde er von der Winterwegabgabe befreit, wodurch er als Besitzer erwähnt wird.
Der Rohbau war 1609 vollendet (Datum am Ostportal). Der Innenausbau erstreckte sich über längere Zeit, was die unterschiedlichen Datierungen (1627, 1632) zur Vollendung einzelner Räume erklärt. 1663, nach Itals Tod, erfolgten unter seinem Sohn Johann Rudolf bedeutende Anbauten: Erker, Dachgiebel und Firsttürmchen sowie das Versetzen eines Intarsientäfers.
Das Ital-Reding-Haus wurde zu einem der bedeutendsten Herrensitze der Urschweiz und ist heute ein kunsthistorisches Denkmal. Zum Erhalt des Hauses wurde eine Stiftung gegründet, die die regelmässige Publikation Ital Reding Haus-Zeitung herausgibt.
Redings vielfältige Erfahrungen im Bauwesen führten zu zahlreichen weiteren Aufträgen:
- 1616: Zusammen mit Statthalter Martin Betschart (1580–1637) und Hauptmann Kothing wurde er Bauherr des neuen Kapuzinerklosters an der Herrengasse, das 1620 bezogen werden konnte.
- 1626–1627: Bauherr des Schwyzer Glockenturms, dessen neue Helmspitze mit Kreuz, Knöpfen und Steinen am 16. und 18. August 1627 aufgesetzt wurde.
- 1632: Er inspizierte die baulichen Brückenfundamente in Ibach.
- 1633: Er war in einer Kommission zum Kauf und Abbruch eines brandgefährdeten Hauses des Landammanns Frischherz tätig.
- 1635: Zusammen mit dem Seckelmeister wurde er Bauherr der Ziegelhütte.
- ab 1642: Nach dem verheerenden Brand, der den Flecken Schwyz zerstörte, wurde der inzwischen 70-jährige Alt-Landammann Reding zum Mitglied einer Kommission für den Wiederaufbau bestimmt. Besondere Aufmerksamkeit galt der Vergabung von Aufträgen für den Neubau und die Ausstattung der Pfarrkirche St. Martin und des Rathauses.
Grundbesitz und wirtschaftliche Unternehmungen Reddings Vermögen war beträchtlich und vielfältig diversifiziert. Neben dem Ital Reding-Haus besass er mehrere Liegenschaften:
- 1603 war er Eigentümer einer Weide in Illgau.
- 1603 verkaufte er das Gut Matti samt Wald oberhalb Steinen an Mathias Annen.
- Den Rotacher zwischen Schränggigen und Wylen (1651 verkauft an Vogt Gilg Strüby).
Reding war auch Kollator der Pfarrkirche Galgenen, ein Lehen in der March, das die Familie seit dem 15. Jahrhundert besass und das von Ital Reding der Ältere stammte.
1628 besass Reding gemeinsam mit Vogt Job eine Fischenze (privates Fischereirecht an einem bestimmten Gewässerabschnitt) am Ort hinter Brunnen, in die erhebliche Mittel investiert wurden.
Von grösserer Bedeutung war das Münzgeschäft. Zusammen mit dem Hauptmann Johann Gilg Auf der Maur betrieb Reding in den 1620er Jahren die Schwyzer Münzprägung. Nach einer Prozessaktennotiz von 1626 bis 1627 engagierten sie den bekannten Churer Münzmeister Hans Jakob Wägerich, möglicherweise einen Angehörigen der reichen Unternehmerfamilie Wägerich von Bernau (die auch Münzmeister für Schaffhausen und Konstanz stellte).
Die Münzordnung von Zug (1621) ermöglichte vielen Orten, die über zehn Jahre ausgesetzte Münzprägung wiederaufzunehmen. Der Dreissigjährige Krieg schuf gute Bedingungen: Die Rüstungen der Kriegsparteien erzeugten Waren- und Geldbedarf. Das Schwyzer Münzhaus war nordöstlich der Pfarrkirche gelegen. Von 1621 bis 1624 wurde gemünzt: Halbbatzen, Schillinge, Dicken und Batzen. Das Münzhaus fiel 1642 dem grossen Dorfbrand zum Opfer, der 47 von 150 Häusern zerstörte.
Schwyz erwarb sich durch seine Münzprägung einen zweifelhaften Ruf. Es führte zu "gewissem Entsetzen" selbst bei den katholischen Verbündeten, da der Kanton sich bei der Prägetätigkeit "eigenwillig" aufführte und möglicherweise minderwertige Münzen in Umlauf setzte.
Im Jahr 1641 geriet Reding mit der Schwyzer Dorfbevölkerung in einen Konflikt, weil er eigenmächtig eine private Toilette (ein ‚heimlich Gemach‘) bei der Schmiede in der Münzgasse bauen wollte. Da das Bauvorhaben die öffentliche Wasserleitung gefährdete, wurde ihm die Fortführung untersagt.
Literatur Ital Reding. In: Hans Jacob Leu: Allgemeines helvetisches, eydgenössisches, oder schweitzerisches Lexicon, Theil XV.- XVI. Zürich, 1759. S. 113 (Digitalisat). Josef Wiget: Ital Reding (1573–1651), ein Bauherr. In: Mitteilungen des historischen Vereins des Kantons Schwyz, Band 77. 1985. S. 31–44 (Digitalisat).
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Schweizer Offizier in fremden Diensten Kategorie:Baumeister (Schweiz)